epa03779100 British Formula One Boss Bernie Ecclestone seen before the Grand Prix of Germany at the Nuerburgring circuit in Nuerburg, Germany, 07 July 2013. EPA/THOMAS FREY

© APA/THOMAS FREY

Bestechungs-Anklage
07/17/2013

Boxenstopp für Bernie Ecclestone

Der Formel-1-Chef könnte die Poleposition freiwillig ruhend stellen. Doch wer soll ihn vertreten?

von Andrea Hodoschek

Der milliardenschwere Formel-1-Zirkus könnte bald ohne seinen Chef-Piloten sein. Die Staatsanwaltschaft München erhebt gegen Bernie Ecclestone Anklage wegen des Verdachts auf Bestechung und Anstiftung zur Untreue „in einem besonders schweren Fall“. Die 20-seitige, übersetzte Anklageschrift wurde dem 82-jährigen Briten nun zugestellt, seine Anwälte können bis Mitte August dazu Stellung nehmen. Mit der Entscheidung der Strafkammer über einen Prozess ist nicht vor Mitte September zu rechnen. Das Gericht will nicht in Abwesenheit des Formel-1-Zampanos verhandeln. Sollte Ecclestone nicht nach Deutschland kommen, würde vermutlich ein Haftbefehl ausgestellt.

Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, dem ehemaligen BayernLB-Vorstand Gerhard Gribkowsky 44 Millionen Dollar Schmiergeld bezahlt zu haben. Damit die Bank ihre vom verstorbenen Film-Mogul Leo Kirch „geerbten“ Formel-1-Anteile an den britischen Investor CVC verkauft – was auch passierte. Gribkowsky, der die Ecclestone-Millionen in einer Stiftung in Österreich bunkerte, wurde im Vorjahr zu achteinhalb Jahren Gefängnis verurteilt. Für Richter Peter Noll war freilich nicht der biedere Bayern-Banker die Triebfeder, sondern Ecclestone selbst. Er habe Gribkowsky mit seinem Charme und seiner Raffinesse „ins Verbrechen geführt“.

Ecclestone bestreitet die Vorwürfe und behauptete – noch als Zeuge – Gribkowsky „war sehr gut darin, mich subtil zu bedrohen und in Angst zu versetzen“. Gribkowsky hätte ihn mit Angaben über die Bambino-Familienstiftung seiner Ex-Frau bei den britischen Steuerbehörden vernadern können. Das hätte bis zu zwei Milliarden Pfund teuer werden können. Also habe er den Banker „friedlich, freundlich und ruhig“ halten wollen.

Compliance-Regeln

Die Sponsoren, Teams und Mitaktionäre der Formel 1 werden jetzt darüber diskutieren, ob Ecclestone noch weiter tragbar ist. Vor allem die großen Sponsoren wie Daimler, Rolex oder Emirates haben strenge Compliance-Regeln (Wohlverhaltens-Vorschriften). Daimler (Mercedes) soll Ecclestone schon im Vorjahr für den Fall einer Anklage mit einer Revolte gedroht haben.

„Compliance ist für Daimler von zentraler Verantwortung“, lautete die offizielle Sprachregelung gestern, Mittwoch. Man befürworte die Aufklärung der Vorwürfe gegen Ecclestone, werde sich jetzt über das weitere Vorgehen mit den anderen Partnern der Formel 1 beraten und „danach wieder äußern“.

CVC wird wahrscheinlich gezwungen sein, mich loszuwerden, wenn die Deutschen mich holen“, sagte Ecclestone Ende des Vorjahres gegenüber dem Sunday Telegraph. CVC ist der Hauptaktionär der Formel 1. Ehemalige Weggefährten vermuten, dass sich der gewiefte Taktiker Ecclestone die Peinlichkeit einer Absetzung erspart und freiwillig seine Funktion ruhend stellt, bis alle Vorwürfe endgültig geklärt sind. Das Verfahren ist auch mit ein Grund, warum der ursprünglich im Vorjahr geplante Börsegang der Formel 1 verschoben wurde.

Ziemliche Ratlosigkeit herrscht allerdings darüber, wer den allmächtigen Despoten ersetzen soll. Derzeit ist weit und breit kein Manager in Sicht, dem zugetraut wird, die Formel 1 so erfolgreich zu dirigieren. CVC soll bereits einen Headhunter beauftragt haben.

Das Luxusleben der Ecclestones:

„Die Formel 1 bin ich“

Der 82-jährige, in Ipswich geborene Brite steht seit fast vier Jahrzehnten an der Spitze der Formel 1. Er befehligt den Rennzirkus mit eiserner Hand und hat die Königsklasse des Motorsports zum Milliarden-Geschäft gemacht. Selbst dabei schwerreich geworden, überstand der nur 1,58 Meter große gerissene Stratege etliche Krisen und versuchte Palast-Revolten. Sein despotischer Führungsstil und seine gezielt provokanten Aussagen sorgten immer wieder für heftige Auseinandersetzungen.

Ecclestone, der schon mal Teams mit Geld auf seine Seite brachte, hat einen untrüglichen Sinn für gute Geschäfte. Der ehemalige Gebrauchtwagen-Händler versuchte sich selbst als Rennfahrer, allerdings erfolglos. In den 1970er-Jahren stieg er als Team-Mitbesitzer und Fahrer-Berater in die Formel 1 ein. 1977 kaufte er die Werberechte, ein Jahr später die Übertragungsrechte. Ecclestone machte die Formel 1 zu einem globalen Großunternehmen. Als das Interesse am Im-Kreis-Fahren in Europa nachließ, setzte Ecclestone auf Asien.

Nach der Scheidung von der Mutter seiner beiden Töchter heiratete er im Vorjahr zum dritten Mal – seine um 46 Jahre jüngere brasilianische Freundin. Die Hochzeit von Tochter Petra ließ er sich 2011 ganze 14 Millionen Euro kosten.

Die Formel-1-AG

Größter Aktionär ist die britische Private-Equity-Gesellschaft CVC, die im Vorjahr Anteile an Fonds abgab. 15,3 Prozent hält die Nachfolgegesellschaft von Lehman. Die Familie Ecclestone ist über die Bambino-Stiftung und Ecclestone persönlich mit 13,8 Prozent beteiligt. Rund drei Prozent halten sonstige Aktionäre, darunter Nestle-Präsident Brabeck-Letmathe. 2011 beliefen sich die Einnahmen auf rund 1,5 Milliarden Dollar, nach den Anteilen für die Rennteams blieben als operatives Ergebnis vor Steuern 464 Millionen Dollar.

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