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Wirtschaft
06/16/2012

Flughafen Wien: Tatverdacht gegen Ex-Chefs

Dem KURIER liegt der Abschlussbericht der Kripo über das Engagement Hocheggers vor - es besteht "dringender Tatverdacht" gegen die Ex-Chefs.

von Andrea Hodoschek

Der mit 13. März 2012 datierte Abschluss-Bericht der Polizei an die Staatsanwaltschaft Korneuburg zeichnet ein Sittenbild, wie in der Vergangenheit von den drei gefeuerten Ex-Vorständen Herbert Kaufmann, Gerhard Schmid (beide SP-nahe) und Kurt Waniek (VP) in der börsenotierten Flughafen Wien AG agiert wurde. Die Justiz hat noch nicht entschieden, ob Anklage erhoben wird, da noch weitere Ermittlungen abgewartet werden.

Die VP-Niederösterreich brachte im Vorjahr mit einer Strafanzeige den Stein ins Rollen. Anlass war eine von Hochegger entworfene und als Masterplan getarnte "Sudelkampagne" gegen die AUA und den – inzwischen gekündigten – Shopbetreiber Rakesh Sardana samt Bespitzelung durch einen Privatdetektiv. Außerdem ging’s um Lobbying bei Eigentümervertretern, um die Verlängerung der Vorstandsverträge abzusichern. Die Kripo hat gleich die gesamte PR-Tätigkeit Hocheggers am Flughafen durchleuchtet, die sich von 2003 bis 2009 auf die Kleinigkeit von 490.116,60 Euro summierte.

Fazit: Die Ex-Vorstände sind in drei Punkten "dringend verdächtig, ihre Befugnis über das Vermögen der Flughafen Wien AG zu verfügen, dahingehend missbraucht zu haben ...".Dabei geht es um Leistungen, die von Hochegger/Com nicht erbracht wurden, um PR-Leistungen, die "nicht notwendig waren, da eine eigene Presseabteilung zur Verfügung stand".Und um den Aufwand für die Detektei, der "nicht den Gepflogenheiten eines seriösen Geschäftslebens entsprach und daher nicht von Nutzen für die Flughafen Wien AG war".Obwohl alle Vorstände durch die Mangel gedreht werden, hatten Hochegger und sein damaliger Sub-Auftragnehmer Heinz Lederer , ehemaliger Kommunikationschef der SPÖ, offenbar mit dem wegen des Skylink-Debakels Ende 2010 gefeuerten Kaufmann am engsten zusammengearbeitet.

Kaufmann konnte sich bei seiner Einvernahme an einen Masterplan nicht erinnern. Hochegger dagegen sagte über eine Präsentation "im Beisein aller drei Vorstände" aus, einer seiner Mitarbeiter erklärte als Zeuge, das Konvolut sei anschließend vernichtet worden.

Während Hocheggers Leistungen für den Flughafen-Zug CAT (rund eine halben Million Euro) "übersichtlich und nachvollziehbar"waren, kann im Kommunikations- und PR-Bereich davon nicht die Rede sein. Angebote und Aufträge waren trotz vorgelegter Rechnungen am Flughafen teilweise "nicht mehr auffindbar". Unter "Unübliche Verrechnung" wird darüber hinaus festgehalten, dass die Vorgangsweise, wie es teilweise zu den Aufträgen kam, "nicht der gängigen Geschäftspraxis" des Flughafens entsprach.

Vielsagend sind auch die Ausführungen unter dem Titel "Zweifel an der Sinnhaftigkeit/Notwendigkeit der Leistungen der Hochegger/Com".Ein langjähriger Presse-Sprecher des Flughafen sprach bei seiner Vernehmung von einem "Naheverhältnis"zwischen Kaufmann, Hochegger und dessen Intimus Lederer: "Es ergab sich eine für mich undurchschaubare Geschäftsbeziehung, die mir in keiner Weise gerechtfertigt schien".Presse-Aussendungen, die zur angeblichen Überarbeitung Hochegger/Com vorgelegt werden mussten, "kamen so geringfügig verändert zurück, dass es sich für mich dabei um keine Leistung handelte".Als der Pressesprecher Kaufmann gegenüber seine Zweifel äußerte, beschied ihm dieser, "dass ich dies nicht hinterfragen sollte, sondern als gegeben hinnehmen muss".Über Hochegger-Aufträge von 100.800 Euro war nicht einmal der Chef der Kommunikationsabteilung informiert.

Noch auf Hochtouren laufen die Ermittlungen rund um den neuen Terminal Skylink, einige Verfahren sind inzwischen abgeschlossen und der Oberstaatsanwaltschaft zur Prüfung vorgelegt worden. Bisherige Ermittlungsstatistik: 26 Beschuldigte, 148 Zeugen-Einvernahmen, 35 Hausdurchsuchungen, 13,8 Terabyte Daten in mehr als 13 Millionen Dateien sowie 4000 beschlagnahmte Bene-Order, die aufgereiht eine Länge von 300 Metern ergeben.

Ungemütlich geht’s derzeit übrigens zwischen Sardana und dem neuen Flughafen-Vorstand Julian Jäger zu. Nachdem der Airport Sardana im März 2012 erstmals wegen Zahlungsrückständen die Kündigung seiner Mietverträge im neuen Terminal angedroht hatte, präsentierte Sardana bei der nächsten Sitzung einen kurz zuvor verfassten Brief Hocheggers. Um Druck zu machen? Jäger sei als "Schnittstelle zwischen dem damaligen Vorstand und Hochegger/Com" in den Masterplan involviert gewesen. Er habe den zuständigen Hochegger-Mitarbeiter "mit entsprechenden Informationen" versorgen sollen, auf deren Basis später anonym Dossiers über Sardana an die Medien verteilt worden seien.

Recht seltsam, denn Jäger war damals in der Rechtsabteilung für Luftfahrt-Tarife zuständig. Kommentar des Flughafens: "Diese Vorwürfe entbehren jeder Grundlage, wir haben das Schreiben sofort an die Staatsanwaltschaft weitergeleitet."

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