Flughafen Wien bekommt neue Doppelspitze

Klare Signale an den Flughafen-Tower: Am Airport hat politischer Gleichstand zu herrschen.
Foto: KURIER/Schaffer Hans Peter

Ein Roter, ein Schwarzer - wieder hat sich der Proporz durchgesetzt. Die neuen Chefs am Flughafen sind aber qualifizierter als ihre Vorgänger.

Um 15 Uhr setzten sich die Aufsichtsräte am Dienstag zusammen. Sie waren wild entschlossen, eine Entscheidung über den neuen, zweiköpfigen Flughafen-Vorstand zu treffen. Eineinhalb Stunden später war klar: Die beiden österreichischen Kandidaten haben das Rennen gemacht. Sie treten ihre neuen Jobs Anfang September an, die Bestellung erfolgt auf fünf Jahre.

Die Optik ist, wie so oft am Flughafen, nicht gut. Beide Manager sind als parteizugehörig abgestempelt.

Julian Jäger, Chef des Flughafens Malta, an dem Wien beteiligt ist, war Mandatar für die innerhalb der SPÖ mächtige Bezirksorganisation Leopoldstadt.
Günther Ofner, Vorstand der Burgenland-Holding, kommt aus dem ÖAAB und gilt als VP-naher Manager.

Experten trauen dem rot-schwarzen Duo allerdings durchaus zu, den Flughafen Wien zu steuern. "Sie sind zwar nicht die großen Stars, aber einen Kapazunder wie den Chef des Flughafens Frankfurt kriegen wir ohnehin nicht", sagte ein Aufsichtsrat. Die neuen Airport-Chefs werden es jedoch nicht leicht haben.

Der Flughafen muss sich im Wettbewerb der Lufthansa-Hubs gegen Frankfurt, Zürich und München profilieren. Lufthansa-AUA als größter Kunde fordern wieder Gebührensenkungen. Der Bau der dritten Piste steht ins Haus, bauliche Großprojekte endeten am Airport bisher immer im Desaster.

Außerdem muss rationalisiert werden, was den Abbau von Jobs bedeutet. Die neuen Chefpiloten müssen sich auch gegen die hausinternen Seilschaften durchsetzen, die Belegschaft ist teilweise bis in die unteren Reihen nach der politischen Farbenlehre besetzt.

Kleinster gemeinsamer Nenner

Der Karren war von Beginn an verfahren. Zuerst tönten die beiden größten Flughafen-Aktionäre (mit je 20 Prozent die Länder Wien und Niederösterreich), die besten Manager seien gerade gut genug. Erstmals wurde der Vorstand international ausgeschrieben. Nach dem Debakel beim Bau des neuen Terminals Skylink und einer Reihe von Skandalen sollten die künftigen Flughafen-Chefs in der Nähe der Politik nicht einmal anstreifen.

Wien mit SP-Bürgermeister Michael Häupl an der Spitze legte sich jedoch sofort auf Jäger fest. Niederösterreichs VP-Landeschef Erwin Pröll wollte tatsächlich keinen Manager mit parteipolitischem Stallgeruch. Auch wenn sich Flughafen-Aufsichtsrat Burkhard Hofer (VP), Ex-EVN-Chef, für Ofner mächtig ins Zeug warf. Da Wien aber bei Jäger stur blieb, dürfte Pröll im letzten Augenblick nachgegeben haben. Waren doch Jäger & Ofner die einzigen Österreicher, die es in den Kandidaten-Endspurt schafften. Idealer wäre die Kombination zwischen einem Österreicher und einem internationalen Manager gewesen.

Mehr als unzufrieden zeigte sich Kleinanlegervertreter Wilhelm Rasinger mit der Entscheidung. Er sprach von einer "provinziellen Lösung, wo es nur darum gegangen ist, die politischen Pfründe einzuzuementieren. Die internationale Ausschreibung war ein Witz".
Am 31. August findet nun am Flughafen eine außerordentliche Hauptversammlung statt. Erwin Hameseder, Chef der Raiffeisen-Holding Niederösterreich-Wien, wird den Aufsichtsrats-Vorsitz übernehmen, Notenbank-Präsident Claus Raidl zieht neu in das Gremium ein. Damit herrscht dort wieder politischer Gleichstand.

Das Duo: Aviator & Energieversorger

Klare Signale an den Flughafen-Tower: Am Airport hat politischer Gleichstand zu herrschen. Foto: KURIER/Schaffer Hans Peter Klare Signale an den Flughafen-Tower: Am Airport hat politischer Gleichstand zu herrschen.

Julian Jäger, 40 Der Jurist begann am Flughafen Wien, war zuletzt als Head of Business Development für Marktentwicklung und Strategie zuständig. Seit 2007 Chef des wesentlich kleineren Flughafens Malta, der 2010 "Best European Airport of the Year" wurde.

Günther Ofner, 55 Ebenfalls Jurist, sanierte das Beteiligungsdesaster des burgenländischen Energieversorgers Bewag, dann Sanierer des Telekomanbieters UTA. Seit 2005 Vorstand der zur EVN gehörenden Burgenland Holding, zog Großprojekte in Südosteuropa durch.

(kurier) Erstellt am
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