Wirtschaft 17.03.2016

Flüchtlinge und Steuerreform beleben die Konjunktur

2017 liefern Steuerreform und Flüchtlinge keine belebenden Impulse mehr. © Bild: APA/HELMUT FOHRINGER

Dennoch senken Wifo und IHS ihre Prognosen für 2016 und 2017.

Österreichs Wirtschaft wächst heuer und nächstes Jahr wegen der gedämpften internationalen Konjunktur etwas schwächer als zuletzt angenommen. Das Wifo hat seine BIP-Prognose für 2016 und 2017 um je 0,1 Prozentpunkte auf 1,6 Prozent gesenkt, das IHS im gleichen Ausmaß auf 1,5 Prozent.

Zum Wachstum tragen die höheren Ausgaben zur Betreuung und Versorgung von Flüchtlingen bei sowie die heuer in Kraft getretene Steuerreform, die die Einkommen der privaten Haushalte entlastet und die Konsumausgaben etwas erhöht. 2017 liefern Steuerreform und das Asyl-Thema aber keine zusätzlichen Impulse mehr, erklärte das Wifo am Donnerstag bei der Vorlage der neuen Konjunkturprognosen.

Arbeitslosigkeit kratzt an 10-Prozent-Marke

Die Arbeitslosigkeit klettert heuer und nächstes Jahr weiter - die Quote nach nationaler Rechnung dürfte aber 2017 nicht die 10-Prozent-Marke überschreiten, wie das Wifo noch im Dezember befürchtet hatte.

Die Zahl der Beschäftigten werde im Prognosezeitraum deutlich steigen - aber auch die Erwerbsbevölkerung, so das Wifo, etwa durch Flüchtlingsmigration, spätere Pensionsantritte und mehr Frauenbeschäftigung sowie höheres Arbeitskräfteangebot. "Die Zahl der Arbeitslosen nimmt daher weiter zu", heißt es: 2016 dürfte die Arbeitslosenquote auf 9,5 und 2017 auf 9,8 Prozent steigen. Beim IHS sieht man einen Anstieg auf 9,4 sowie 9,8 Prozent - voriges Jahr lag die Quote erst bei 9,1 Prozent.

Die Schwäche der Weltwirtschaft dämpft vorübergehend das Exportwachstum Österreichs. Jedoch dürfte das außenwirtschaftliche Umfeld im Jahresverlauf wieder an Dynamik gewinnen, so das Wifo. Auch das IHS geht davon aus, dass die davon herrührende Konjunkturabschwächung nur temporär ist.

Inflation steigt wieder

Für die Inflation geht das Wifo - nach 0,9 Prozent Jahresrate 2015 - für heuer von 1,2 Prozent und für 2017 von 1,8 Prozent aus. Grund: Der dämpfende Effekt der Rohölverbilligung auf die Teuerungsrate dürfte bis Ende 2016 auslaufen. Zudem würden heuer die Maßnahmen der Steuerreform preiswirksam. Das IHS hingegen liegt näher am Inflationsziel der EZB: Heuer soll es 1,4 Prozent, 2017 1,9 Prozent Teuerung geben.

Für das gesamtstaatliche Defizit laut Maastricht rechnet das Wifo - nach 1,4 Prozent des BIP im Vorjahr - für heuer mit einem Anstieg auf 1,7 Prozent und für 2017 mit einem Rückgang auf 1,5 Prozent. Auch im Prognosezeitraum würden die öffentlichen Haushalte noch durch die Bankenhilfen belastet, wenngleich in deutlich geringerem Ausmaß als in den Vorjahren, heißt es. Den Bankenhilfen- und Flüchtlings-Ausgaben stehe eine günstige Entwicklung der Einnahmen aus Steuern und SV-Beiträgen sowie der Pensions- und Zinsausgaben gegenüber. Das IHS rechnet für heuer mit 2,0 Prozent Defizitquote, für 2017 mit 1,6 Prozent.

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© Bild: apa

Welthandel erlahmt

International manifestieren sich in den Schwellenländern "weiterhin gröbere wirtschaftliche Probleme", und in den entwickelten Volkswirtschaften habe sich das Konjunkturtempo verlangsamt, erklärte das IHS. Brasilien und Russland steckten in einer tiefen Rezession, und China habe sein Wachstumstempo auf knapp 7 Prozent verlangsamt. Auch die USA und Japan hätten gegen Ende 2015 eine geringere Wachstumsdynamik gezeigt. Die Ausweitung des Welthandels sei gegen Jahresende fast zum Erliegen gekommen, primär durch die Schwellenländer. Den Euroraum sieht das Wifo - nach 1,6 Prozent im Vorjahr - heuer und 2017 um 1,4 und 1,6 Prozent wachsen, das IHS um 1,5 und 1,6 Prozent. Für die EU-28 gehen die beiden Institute von 1,6 und 1,8 Prozent (Wifo) bzw. 1,7 und 1,8 Prozent (IHS) aus.

( Agenturen , aho ) Erstellt am 17.03.2016