Fitch stuft Griechenland ab - aber nur kurzfristig

Europa bewahrt Griechenland vorerst vor dem Bankrott, den Schuldenberg kann das Land aber nur mit harten Sparmaßnahmen abbauen.
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Die Reaktionen auf das zweite Griechen-Paket sind grundsätzlich positiv, Analysten mahnen aber zu weiteren Schritten.

Mit dem weitreichenden Hilfspaket für Griechenland hat der EU-Sondergipfel vorerst für Ruhe an den Finanzmärkten gesorgt. Der Euro schoss in die Höhe und stabilisierte sich am Freitag bei der Marke von 1,44 Dollar; auch die Aktienmärkte legten weltweit zu. Händler sprachen von einem "Befreiungsschlag". Die gute Stimmung wird allerdings von der Ratingagetur Fitch getrübt.

So werden die Beschlüsse zu Griechenland von Fitch zwar als wichtiger und richtiger Schritt begrüßt. Dennoch wird die Ratingagentur griechische Anleihen kurzfristig als "beschränkten Kreditausfall" (Restricted Default) bewerten. Mit der Beteiligung des privaten Sektors sei eine neue Geschäftsgrundlage geschaffen worden, so Fitch am Freitag. Durch den geplanten Umtausch von griechischen Staatsanleihen in Papiere mit längerer Laufzeit werde der Anleger schlechter gestellt. Sobald die Anleihen in Papiere des Euro-Rettungsschirms getauscht sind, wird das Rating wieder angehoben, so Fitch. Die neue Kreditbewertung dürfte im niedrigen spekulativen Bereich liegen.

Heimische KA-Finanz wird am Beteiligungsprogramm Privater teilnehmen

Europa bewahrt Griechenland vorerst vor dem Bankrott, den Schuldenberg kann das Land aber nur mit harten Sparmaßnahmen abbauen. Foto: rts Europa bewahrt Griechenland vorerst vor dem Bankrott, den Schuldenberg kann das Land aber nur mit harten Sparmaßnahmen abbauen.

Finanzministerin Maria Fekter hat den gelungenen Euro-Gipfel als Beweis gewürdigt, "dass das Management der Eurozone funktioniert". Die Staats- und Regierungschefs verfolgten einen "breiten Ansatz, der weit über das zweite Hilfspaket für Griechenland hinausgeht", so Fekter.

Österreich wird die im Rahmen des ersten Hilfspakets ausgezahlten bilateralen Kredite in voller Höhe und mit Zinsen wie vereinbart zurückbekommen, zeigte sich die Finanzministerin überzeugt: "Das ist ein bilateraler Vertrag und ich gehe davon aus, dass er eingehalten wird." Österreich hat den Griechen bisher 1,2 Mrd. Euro in fünf Tranchen bezahlt. Die restlichen Raten bis zu den vereinbarten 2,3 Mrd. Euro müssen nun nicht mehr bilateral überwiesen werden sondern werden in den EFSF eingebracht. Für diesen zahlt Österreich Eigenkapital ein und steht mit Garantien mit bis zu 21,6 Mrd. Euro gerade.

Die Bad Bank der früheren Kommunalkredit, die KA Finanz, die rund 1 Milliarde Euro an Griechenland-Anleihen hält, wird bei dem Programm zur Beteiligung privater Gläubiger teilnehmen, ließ Fekter durchblicken. Die KA Finanz stützt sich auf eine Garantie der Republik. Ein 20-prozentiger Nachlass bei diesen Forderungen könne den österreichischen Steuerzahler daher 200 Mio. Euro kosten.

Der Gouverneur der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB) und EZB-Rat Ewald Nowotny hat am Freitag die nächtlichen Euro-Gipfelbeschlüsse begrüßt. "Das Ergebnis hat schon zu einer deutlichen Beruhigung der Märkte geführt", sagte Nowotny. "Griechenland ist jetzt auf zehn Jahre vom Kapitalmarkt genommen worden". Damit stiegen die Chancen für eine tatsächliche Sanierung, die Erfüllung der Kreditauflagen der Gläubiger (IWF und EU-Kommission) und die Rückzahlung der Kredite. Die Einigung nütze auch anderen schuldenbeladenen Ländern wie Portugal und Irland, etwa was die Möglichkeit von Zinssenkungen betreffe. Mit der Involvierung der Privaten im zweiten Griechenland-Hilfspaket "konnte die politische Blockierung, die uns die ganze Zeit beschäftigt hat, beseitigt werden", sagte Nowotny.

Banken: "Ja, das trifft uns hart"

Europa bewahrt Griechenland vorerst vor dem Bankrott, den Schuldenberg kann das Land aber nur mit harten Sparmaßnahmen abbauen. Foto: rts Europa bewahrt Griechenland vorerst vor dem Bankrott, den Schuldenberg kann das Land aber nur mit harten Sparmaßnahmen abbauen.

Banken und Versicherungen sehen ihren freiwilligen Beitrag an dem neuen Hilfspaket für Griechenland als Opfer. "Ja, das trifft uns hart", sagte Deutsche-Bank-Vorstandschef Josef Ackermann am Donnerstagabend am Rande des Euro-Krisengipfels. Die Abschreibungen, die die Banken auf griechische Positionen vornehmen, belaufen sich nach seinen Worten auf 21 Prozent. Der Bankchef sprach von einem guten Kompromiss zwischen den Interessen Griechenlands, des Steuerzahlers und der Investoren. Dies reduziere die Gefahr einer Ausbreitung der Schuldenkrise auf weitere Länder: "Ich bin der felsenfesten Überzeugung, dass wir einen ganz wichtigen Schritt gemacht haben, indem wir eine gute Lösung für Griechenland gefunden haben", sagte Ackermann. "Damit sollte das griechische Problem gelöst sein."

US-Analysten haben das neue Hilfsprogramm zwar begrüßt, sehen damit jedoch die europäische Schuldenkrise nicht überwunden. "Es müssen noch viele Details ausgearbeitet werden", sagte Richard Franulovich von Westpac. Die unmittelbaren Probleme hätten die europäischen Staats-und Regierungschefs zwar jetzt wohl in den Griff bekommen. "Das langfristige Problem ist damit allerdings nicht gelöst."

Kathy Lien von GFT sprach von einem Schritt in die richtige Richtung. "Die Diskussion über den europäischen Währungsfonds ist von sehr großer Bedeutung, weil so im Prinzip die weltweite Finanzarchitektur verändert werden könnte", sagte sie. Ein solcher Mechanismus könnte zudem auf regionaler Ebene die Europäische Union stützen.

Analyst: "Dose die Straße heruntergetreten"

Europa bewahrt Griechenland vorerst vor dem Bankrott, den Schuldenberg kann das Land aber nur mit harten Sparmaßnahmen abbauen. Foto: rts Europa bewahrt Griechenland vorerst vor dem Bankrott, den Schuldenberg kann das Land aber nur mit harten Sparmaßnahmen abbauen.

Kritisch zeigte sich dagegen Win Thin von Brown Brothers Harriman. Mit dem neuen Paket werde nur "die Dose die Straße heruntergetreten", sagte er in Anspielung auf ein englisches Bild für jemand, der ein Problem vor sich herschiebt. "Diese Staaten brauchen eine sehr harte Umstrukturierung." Das Problem sei nicht gelöst: "Ich bin mir ziemlich sicher, dass diese Situation in drei Monaten oder in einer gewissen Zeit wieder auftritt."

Der französische Finanzminister Francois Baroin bejahte am Freitag im Rundfunksender RTL die Frage, ob die Eurozone nur knapp einer Katastrophe entronnen sei. Dann fügte er hinzu, ein Eurozonen-Föderalismus sei vielleicht noch etwas voreilig. "Aber wir müssen alle Lehren aus der Krise ziehen."

Laut Gottfried Steindl, Analyst der Raiffeisen Bank International (RBI), hat Griechenland eine "Verschnaufpause erhalten". Derzeit würde auf den Finanzmärkten "Wort für Wort gewogen". Das Thema sei zu komplex, um nach einem Tag Sicherheit zu haben, sodass es sicherlich nicht vom Tisch wäre.

Bank-Austria-Vorstand Willi Hemetsberger hält das Paket für einen großen Schritt mit realistischen Zielen. Die Rückzahlung der Schulden durch Griechenland, aber auch andere Länder wie Portugal sei nun wahrscheinlicher geworden, sagte Hemetsberger im Ö1-Morgenjournal. Dass die Diskussion um die Stabilität des Euro-Systems damit auf Dauer beendet ist, glaubt er aber nicht.

Für Erste-Chefanalyst Friedrich Mostböck ist die Hilfe "prinzipiell mehr als sich viele erwartet haben". Das Paket werde von den Märkten vorerst positiv aufgenommen. Allerdings würden "die Auswirkungen der Finanzkrise in den Staatsfinanzen festsitzen" und seien dort auch nicht mehr so leicht wegzubekommen, betonte Mostböck.

Ifo-Chef: "Schlechte Nachricht für die Steuerzahler"

Der Chef des Ifo-Instituts Hans-Werner Sinn hat das neuerliche Rettungspaket kritisiert. "Die Finanzmärkte reagieren ja sehr positiv auf die Beschlüsse von gestern. Da es hier um einen Verteilungskonflikt zwischen den Steuerzahlern Europas und den Investoren geht, ist das eine schlechte Nachricht für die Steuerzahler", sagte er zu Reuters TV. "Die Steuerzahler sind hier zusätzlich in die Haftung genommen worden. Die Zinsen für Griechenland wurden noch weiter unter das Marktniveau gesenkt."

(apa, dpa / ps, js) Erstellt am
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