Wirtschaft 09.06.2014

Firmen-Vorsorgen kaum genützt

Die Pension ist weit geringer als das aktive Einkommen, weiß der Großteil der Beschäftigten. Die private und betriebliche Alters… © Bild: dpa/Sven Hoppe

Trotz wachsender Sorge um staatliche Pension: Nur 20 Prozent verfügen über Firmen-Vorsorge.

Wer in Pension geht, sieht es schwarz auf weiß: Die Pension ist weit geringer als das aktive Einkommen. Der Großteil der Beschäftigten in Österreich weiß das zwar auch, glaubt es aber offenbar nicht so ganz. Denn die private und betriebliche Altersvorsorge wird viel zu wenig genutzt.

Nur 20 Prozent der Erwerbstätigen verfügen über eine betriebliche Altersvorsorge. Europaweit liege dieser Anteil bei 30 bis 50 Prozent, erklärt Manfred Rapf, Vorsitzender der Sektion Leben im österreichischen Versicherungsverband. Nur rund 700.000 Arbeitnehmer seien derzeit über die Betriebe zusätzlich pensionsversichert. "Die staatliche Vorsorge ist wichtig und gut ausgebaut. Das ist ein großer Vorteil Österreichs gegenüber anderen Ländern. Aber die Zahl der Pensionisten steigt stärker als jene der Beschäftigten. Damit entsteht eine Pensionslücke, die gefüllt werden muss", betont er.

Die Unternehmen könnten zum Auffüllen viel mehr beitragen als sie derzeit tun. Und das sogar bei der geltenden Gesetzeslage. Die Lebensversicherungen böten dazu ein breites Feld an Möglichkeiten. Als erstes zu nennen sei die Pensionsrückdeckungsversicherung über eine direkte Leistungszusage. In die Gunst dieser, vor allem für Schlüsselkräfte und Manager genutzte Form der Unternehmenspension, kommen in Österreich derzeit nur 31.325 Personen. Für sie haben die Betriebe aber immerhin ein Vermögen von zwei Milliarden Euro angespart.

Teure Gehaltserhöhung

Rapf glaubt, dass vor allem Klein- und Mittelbetriebe zu wenig über diese Vorsorge-möglichkeit, die auch zur Bindung wichtiger Arbeitskräfte ans Unternehmen beitragen könne, Bescheid wüssten. Denn Rückdeckungsversicherungen seien günstiger als Gehaltserhöhungen. Für die Prämie müssten die Unternehmen nämlich keine Lohnnebenkosten zahlen. Die zweite Möglichkeit sei die Zukunftsversicherung. 300 Euro pro Jahr könne der Betrieb steuerfrei in diese Vorsorge einzahlen. Rund 550.000 Beschäftigte sind in Österreich auf diese Art betrieblich pensionsversichert. Als wirkliche Altersvorsorge dient das aber nicht. Denn im Durchschnitt sind nicht mehr als 2000 Euro pro Person in der Zukunftsversicherung veranlagt. Rapf wünscht sich von der Politik, dass die Steuerfrei-Grenze für diese Betriebspensions-Versicherung deutlich angehoben werde. Immerhin ist der Betrag von 300 Euro pro Jahr seit 1975 nicht mehr verändert worden.

Möglichkeit Nummer drei ist die betriebliche Kollektivversicherung, in deren Gunst derzeit nur 15.854 Beschäftigte kommen. Die Einzahlungen des Betriebs in diese Versicherung, die 2005 als Konkurrenzprodukt zu den Pensionskassen erfunden wurde, sind ebenfalls steuer- und abgabenfrei-. Im Unterschied zu Pensionskassen, die alle Beschäftigte eines Unternehmens erfasst, kann die Kollektivversicherung auch für bestimmte Gruppen von Mitarbeitern möglich – etwa nur Führungskräfte.

Die Optionen:

Versicherung Firmen können über Lebensversicherungen auf drei Arten für Mitarbeiter ansparen. Über die Pensionsrückdeckung: Diese Versicherung wird vor allem für Führungskräfte genutzt. Für die breite Masse der Beschäftigten wird in Form der Zukunftsversicherung angespart. Als dritte Form gibt es die betriebliche Kollektivversicherung.

Pensionskassen Zunehmend verbreitet ist die betriebliche Vorsorge über Pensionskassen. Für 800.000 Beschäftigte sorgen Betriebe auf diese Art vor.

Erstellt am 09.06.2014