Wirtschaft
26.11.2017

Finale im Casinos-Poker

Die Chancen, dass die tschechischen Milliardäre größte Aktionäre werden, stehen 50 zu 50. Die neue Regierung hätte sehr gerne österreichische Investoren.

Am Mittwoch wird im Casino Baden groß gefeiert. Vor 50 Jahren wurde der teilstaatliche Gaming-Konzern ins Firmenbuch eingetragen. Die Mannschaft und so manche Aufsichtsräte dürften allerdings kaum zum Feiern aufgelegt sein. Denn noch ist nicht entschieden, wer die Unternehmensgruppe (Casag) beherrschen wird. Alles ist möglich, um einen Werbespruch der Tochter Lotterien zu strapazieren.

Im Finale des seit zwei Jahren andauernden Pokers um Österreichs Steuer-Cash-Cow (609 Millionen im Vorjahr) wird es noch einmal so richtig spannend. Ob die Sazka-Group der beiden tschechischen Selfmade-Milliardäre Karel Komárek und Jiří Šmejc tatsächlich mit 34 Prozent knapp vor der Republik Österreich größter Aktionär wird, hängt von zwei ausländischen Aufsichtsbehörden ab.

Über die Tochter Casinos Austria International (CAI) betreiben die rot-weiß-roten Glücksritter weltweit 27 Casinos an Land und auf fünf Kreuzfahrtschiffen. Maßgebliche Veränderungen unter den Aktionären der Muttergesellschaft müssen die Behörden in jenen Ländern zustimmen, in denen die CAI präsent ist. Dabei werden neue Eigentümer genau unter die Lupe genommen. Die Gaming-Regulatoren in Australien und in der Schweiz gelten als besonders streng.

In Cairns im australischen Bundesstaat Queensland spielt die CAI beim Reef Casino mit. Das "Office of Liquor and Gaming Regulation" – Alkohol und Glücksspiel werden in Down Under von derselben Behörde kontrolliert – hat mittlerweile alle erforderlichen Dokumente und Unterlagen. Die Behörde prüft nicht nur die Seriosität der Sazka, sondern auch Komárek und Šmejk. Die Australier schauen sehr genau in die Bücher und kamen sogar auf Besuch nach Tschechien.

Das letzte Wort hat die Politik. "Der Justizminister wird eine Empfehlung an den Governor in Council abgeben, basierend auf den Ermittlungen durch den Gaming Regulator", erklärt eine Sprecherin der Regulierungsbehörde gegenüber dem KURIER. Das Verfahren wird auf alle Fälle noch dauern. Gestern, Samstag, wurde das Regionalparlament von Queensland neu gewählt.

In der Schweiz checkt die Eidgenössische Spielbankenkommission mit Sitz in Bern die potenziellen neuen Großaktionäre. Auch diese Behörde screent Unternehmen plus Eigentümer persönlich. Die Schweizer monieren angeblich, dass Sazka keine Erfahrung im Betrieb von Casinos (Spielbanken) hat. Stimmt, die Tschechen sind auf das Lotto- und Wettgeschäft konzentriert. Die CAI hat in der Schweiz einen Betrieb in Lugano und ein Casino in St. Moritz.

Bis spätestens 30. Juni müssen Australien und die Schweiz ihren Sanktus geben. Mit diesem Stichtag muss der Deal der Sazka mit den beiden Casinos-Altaktionären, der UNIQA Versicherung und der Raiffeisen-Industriegruppe LLI, abgeschlossen sein.

Sollten sich die Genehmigungen nur noch aus formalen Gründen kurzfristig verzögern, werden die Verkäufer wohl noch etwas zuwarten. Gibt es inhaltliche Probleme, heißt es zurück an den Start.

Das wäre schon das zweite Mal. LLI und UNIQA hatten bereits einen Kaufvertrag mit der niederösterreichischen Novomatic des Industriellen Johann F. Graf, doch die Bundeswettbewerbsbehörde drehte den Deal ab. Mit der Begründung, Novomatic sei bereits zu groß in Österreich und im angrenzenden Ausland.

Die Einschätzungen, ob die Aufsichtsbehörden die Sazka akzeptieren, sind je nach Interessenlage der Betroffenen recht unterschiedlich. Und reichen von "kein Problem, wird alles locker durchgehen" bis zu "schaut nicht so toll aus". Unabhängige Experten schätzen die Chancen auf 50 zu 50.

Ein Versuch, die langwierigen Behördenverfahren zu umschiffen, könnte der mögliche Verkauf der CAI sein.

Der neue Casinos-Konzernchef und Vertrauensmann der Sazka, der Tiroler Ex-Banker Alexander Labak, verschickte im August eine Einladung samt Kurzinformation an potenzielle Interessenten. Was der Staatsholding ÖBIB, der Vertreterin der Republik Österreich, sowie einigen Aufsichtsräten gar nicht gefiel. Ein Verkauf würde den Wert der Gruppe und weitere Entwicklungsmöglichkeiten wesentlich schmälern. Außerdem kommen die lange defizitären Auslandscasinos jetzt schön langsam wieder ins Geldverdienen.

Die CAI werde bewusst schlechtgeredet, meinen Insider. Spekulationen, die Novomatic spitze auf die Auslandsbetriebe bzw. auf die europäischen Standorte, sind ziemlich vage. Bis Jahresende soll jedenfalls entschieden werden, ob verkauft wird.

Letztlich muss auch noch das für Glücksspiel zuständige Finanzministerium der Sazka zustimmen. Das Ministerium ist dabei in einer unvereinbaren Doppelrolle. Einerseits ist der Finanzminister Eigentümer-Vertreter für die Anteile der Republik, andererseits oberste Glücksspielaufsicht. Die Gründung einer unabhängigen Behörde scheiterte bisher an Koalitionszänkereien.

Sollten die internationalen Genehmigungen vorliegen, wird sich das Finanzministerium schwertun, dagegen zu argumentieren. Allerdings hätte die neue Regierung, hört man, lieber österreichische Investoren. Als heißer Tipp gilt die Grazer Wechselseitige, die sich zu einem kleinen Finanzkonzern ausgewachsen hat. Sie übernahm die vormalige Kirchenbank Schelhammer & Schattera, die bereits seit Jahrzehnten Mitaktionäre der Casag und der Lotterien-Tochter ist.

Österreichische Investoren an Bord zu holen, wurde bereits erfolglos unter Finanzminister Hans Jörg Schelling versucht. Schellings Strategie mit der Casag war insgesamt nicht gerade glücklich.

Die Sazka überlegt, ihre Expansion über einen Börsegang und eine Notierung in London zu finanzieren. Gerade das besonders sensible Glücksspiel in der Hand von börsegetriebenen Investoren? Eine Vorstellung, die der österreichischen Politik nicht behagt.

CEO Labak rührt schon kräftig um. Der Marketing-Chef wurde ebenso wie einige weitere Mitarbeiter verabschiedet. Casinos und Lotterien haben sich allerdings über die Jahrzehnte recht gemütlich eingerichtet.

Ob Vorstandsdirektorin Bettina Glatz-Kremsner, ÖVP-Vizechefin und Vertraute von Sebastian Kurz, in die neue Regierung geht oder doch lieber Martha Oberndorfer als Chefin der Staatsholding ÖBIB beerbt, ist derzeit noch offen. Vielleicht bleibt die Top-Managerin ja doch im Unternehmen. Illustration: Christine Karner