Viele Unternehmer kennen der Ernst der Lage nicht.

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Sanierungsbedarf
09/07/2016

Fast 30.000 Firmen stecken in der Krise

Rund 14 Prozent aller Klein- und Mittelbetriebe haben einen Restrukturierungsbedarf – ansonsten droht die Pleite.

von Kid Möchel

Bei vielen Unternehmen knirscht es ganz ordentlich. Die fast 324.000 Klein- und Mittelbetriebe (KMU) mit rund 1,9 Millionen Beschäftigten bilden das Herz der heimischen Wirtschaft. Sie setzen pro Jahr rund 453 Milliarden Euro um. Davon müssen rund 207.000 Unternehmen Bilanzen erstellen und jährlich im Firmenbuchgericht abgeben. Doch ein relativ hohe Zahl an Firmen, die bilanzieren, kämpft ums Überleben. „Etwa 14 Prozent der österreichischen kleinen und mittleren Unternehmen, das sind knapp 29.700 Unternehmen, haben Reorganisationsbedarf“, erklärt Peter Voithofer von der KMU Forschung Austria. „Überdurchschnittlich stark betroffen sind Kleinstbetriebe.“ Detail am Rande: Ein Personen-Unternehmen (EPU) werden dabei nicht mitgezählt.

Zwei Kennzahlen

Den betroffenen Firmen droht die Insolvenz, wenn sie das Ruder nicht herumreißen können. Oft wird die nötige Restrukturierung bzw. die Reorganisation so lange wie möglich hinausgezögert – meist ist es dann aber zu spät, wie die Insolvenzstatistik bestätigt. Dabei gibt es zwei Kennzahlen im sogenannten Unternehmensreorganisationsgesetz (URG), durch die jeder Unternehmer sofort erkennen kann, dass sein Betrieb in der Bredouille steckt: Erstens, wenn die Eigenkapitalquote unter acht Prozent liegt. Zweitens, wenn Schuldentilgungsdauer in zwei aufeinanderfolgenden Jahren mehr als 15 Jahre beträgt. Die KMU Forschung Austria hat etwa 90.000 Jahresabschlüsse von KMU ausgewertet. Und dieses aktuelle Auswertungsjahr 2014/15 zeigt, dass etwa 14 Prozent der kleinen und mittleren Unternehmen diese Kriterien erfüllen.

Kleinere stärker betroffen

„Eine Differenzierung nach Größenklassen zeigt, dass insbesondere kleinere Unternehmen stärker betroffen sind als größere“, erklärt Voithofer. „Unternehmen mit Reorganisationsbedarf wäre anzuraten, kurzfristig Maßnahmen zur Verbesserung der Innenfinanzierungskraft bzw. der Finanzierungsstruktur einzuleiten.“

Zugleich sollten betroffene Unternehmen eine sogenannte Fortbestehensprognose erstellen bzw. von einem Experten, sprich von Steuerberatern oder Wirtschaftsprüfern erstellen lassen. Fällt diese nicht positiv aus, ist umgehend ein Insolvenzantrag einzubringen.

Zum Download

Die Experten der Kammer der Wirtschaftstreuhänder, der Wirtschaftskammer Österreich und der KMU Forschung Austria haben einen neuen Leitfaden erstellt, der für Österreichs Unternehmer mit den relevanten Eck- und Anhaltspunkten transparent aufzeigt, was zu tun ist, damit die drohende Krise nicht in einer Insolvenz mündet. Der Leitfaden Fortbestehensprognose wurde 2016 überarbeitet und ist im Internet kostenlos downloadbar. Hier ist der Link dazu.