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Silhouette
07/19/2013

Fassungslos gegen den Trend

Hornbrillen bescherten Brillenhersteller Absatzeinbruch. Jetzt wird expandiert

von Simone Hoepke

Ausgerechnet die Retro-Welle hat dem Linzer Traditionsunternehmen Silhouette die Kundschaft davongetragen. Sogenannte Nerd-Brillen – also Modelle mit großen Gläsern und dickem Rand, die an Hornbrillen erinnern – sind wieder en vouge. Da Silhouette aber für dezente, randlose Brillen steht, gingen die Modelle der Linzer in dieser Mode etwas unter. „Der Retro-Trend hat uns enorm geschadet“, sagt Arnold Schmied, der das Unternehmen gemeinsam mit einem Bruder Klaus in zweiter Generation führt.

Kleiner Trost: Im Weltraum sind sie trotzdem Marktführer, denn die NASA-Piloten schärfen weiterhin mit den schraubenlosen Brillen aus Linz ihren Blick auf die Erde. Und auch Queen Elizabeth II. trägt seit Jahrzehnten Silhouette. „Nein, sie bekommt die Brillen nicht von uns geschenkt, sondern bezieht sie von ihrem Optiker“, betont Schmied. Teures Product Placement könne er sich auch gar nicht leisten.

Silhouette verkauft derzeit rund 2,2 Millionen Brillen im Jahr – 900.000 davon unter der Lizenzmarke Adidas. Binnen fünf Jahren soll die Gesamtzahl auf drei Millionen Stück steigen. „Ein Niveau, auf dem wir schon einmal waren“, fügt Schmied hinzu. Potenzial sieht er vor allem bei Sonnenbrillen, die derzeit noch keine zehn Prozent zum Geschäft beitragen.

Die Linzer stellen mehr Brillen her, als in Österreich verkauft werden (2,2 vs. 1,4 Millionen Stück). 95 Prozent der Produktion gehen ins Ausland, allen voran in die USA, gefolgt von Deutschland und China. An vierter Stelle steht das vor zwölf Jahren gestartete Duty-Free-Geschäft an Flughäfen und an Bord von bis zu 25 Fluglinien. Schmied: „Zum Teil war der Umsatz auf den Maschinen höher als jener der Duty-Free-Shops.“ Unterm Strich hat Silhouette im Vorjahr 160 Millionen Euro umgesetzt.

In Brasilien am Ball

Wachstumschancen sieht Schmied vor allem in Asien, wo er derzeit ein 20-prozentiges Plus verbucht. „In Europa kaufen sich die Leute alle vier Jahre eine neue Brille, in den USA alle zwei Jahre, in Hongkong jedes Jahr“, sagt er. Allerdings schläft auch die Konkurrenz, wie der italienische Weltmarktführer Luxottica (unter anderem Oakley, Ray Ban, Vogue), nicht. Silhouette geht heuer jedenfalls mit ihrer 14. Tochtergesellschaft an den Start– in Brasilien. Die Fußball-WM 2014 soll beim Verkauf von Adidas-Brillen Rückenwind bringen. Die Marke Silhouette muss in Brasilien erst bekannt gemacht werden.

Der Familienbetrieb hält am Standort Linz mit 900 Mitarbeitern – davon 400 in der Produktion – fest. Nur arbeitsintensive Teile der Produktion wurden nach Tschechien ausgelagert. Schmied: „Fachkräfte bilden wir selbst aus. In unserer Branche gibt es im deutschsprachigen Raum keine zweite Firma in unserer Größenordnung mehr.“ In den Chor jener, die über die mangelnde Motivation der Jugend jammern, stimmt der fünffache Vater nicht ein: „Es ist doch ein Märchen, dass die Jugend nur herumlungert.“

Er und sein Bruder Klaus ziehen sich im Herbst in den Aufsichtsrat zurück. Das Zepter übergeben sie an externe Manager, später sollen seine oder die beiden Kinder seines Bruders das Ruder übernehmen. Schmied: „Sie müssen aber erst ein Studium abschließen, ein Jahr im Unternehmen und fünf Jahre wo anders arbeiten.“ Platz werde es aber nur für die besten geben. „Wir hatten bisher nur zwei Geschäftsführer, und das soll auch künftig so bleiben.“

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