Wirtschaft 15.01.2012

Falscher Zeitpunkt

Die Herabstufung von Frankreich und Österreich gefährdet die Euro-Rettung.

Jetzt schlägt die Stunde der Schönredner und Geschichtenverdreher. Alles Mögliche soll schuld sein am Verlust des Triple-A: In erster Linie die von bösen Mächten gesteuerte US-Ratingagentur – und sicher nicht eigenes Versagen. Dabei hat Standard & Poor’s nichts anderes als die seit Anfang an höchst dilettantische Nicht-Bewältigung der Schuldenkrise abgestraft und der politischen Klasse Europas und Österreichs die Gelbe Karte gezeigt. Wörtlich ist von einer „sich immer weiter ausbreitenden und sich verschärfenden Finanzkrise in der Eurozone“ die Rede. Auf die bisher völlig unzureichend reagiert wurde. Das beweist der Absturz Griechenlands, wo das zweite Milliarden-Hilfspaket gerade zu scheitern droht.

Der Vorwurf, das Downgrading zum denkbar schlechtesten Zeitpunkt vorzunehmen, kann S & P aber nicht erspart bleiben. Gerade gab es erste Entspannungssignale aus Spanien und Italien, gerade erst haben die Börsen neue Hoffnung geschöpft. Das kümmert S & P wenig. Speziell durch die Herabstufung Frankreichs gerät der Euro-Rettungsschirm und dessen Triple-A massiv unter Druck. Deutschland muss mehr und mehr Euro-Lasten alleine schultern. Wie lange Angela Merkel dazu bereit ist, steht in den Sternen.

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( Kurier ) Erstellt am 15.01.2012