© dpa/Boris Roessler

Wirtschaft
04/30/2012

EZB-Geldflut für die Banken

Zum zweiten Mal können sich Banken am Mittwoch zum Minizins von einem Prozent bei der EZB unbegrenzt mit Geld eindecken.

Mit einer weiteren gigantischen Geldspritze impft die EZB die Euro-Zone gegen eine Kreditklemme und das Ausufern der Schuldenkrise. Am Mittwoch holen sich die Banken ihre Dosis ab. Dann können sie sich bei der EZB für drei Jahre zum historisch niedrigen Leitzins von derzeit einem Prozent mit Geld eindecken. "Das ist eine einmalige Chance und quasi geschenkt", sagt ein Händler. Viele Banken dürften sich die zweite und vorerst letzte Gelegenheit dieser Art nicht entgehen lassen, zumal EZB-Chef Mario Draghi sie ausdrücklich dazu ermuntert hat. Im Dezember vorigen Jahres durften sich die Banken zum ersten Mal zum Minizins aus dem EZB-Topf bedienen.

Befragte Analysten erwarten im Schnitt, dass sich die Geldinstitute wie beim ersten längerfristigen Geldgeschäft (LTRO) mit rund einer halben Billion Euro vollsaugen werden. Ökonomen der Schweizer Großbank UBS rechnen gar damit, dass der Appetit der Banken auf frisches Geld drei Mal so groß sein wird. Die EZB selbst hat noch nicht darüber entschieden, wie viele Milliarden sie anbieten wird. "Wie groß das Volumen des zweiten Geschäfts wird, steht noch nicht fest", sagte EZB-Direktor Jörg Asmussen dem Handelsblatt von Montag.

Ob die im Dezember erreichte Marke von 489 Milliarden geknackt wird, ist für die Währungshüter im Frankfurter Euro-Tower jedoch Nebensache. Wichtig ist für sie, dass das Geld nicht gehortet wird. Es soll in die gewünschten Kanäle - sprich den Anleihenmarkt und den Kreditsektor - strömen.

Draghi: Keine Schande

EZB-Präsident Draghi hatte die Institute aufgefordert, von dem Angebot der Zentralbank ohne Scheu Gebrauch zu machen. Es sei keine Schande, die Möglichkeit zu nutzen. "Für einige Banken ist das Thema Schande zwar akut, aber das ist ein gutes Angebot. Viele Banken werden sich so oder so eindecken", sagt Analyst Frank Oland Hansen von der Danske Bank voraus.

Auf dem G-20 Gipfel in Ciudad de Mexico appellierte Draghi am Sonntag an die Banken, sie mögen das billige Geld an Firmen und Verbraucher weiterreichen. Ein großer Teil der ersten 489 Milliarden Euro von Dezember sei nämlich genutzt worden, um eigene Verbindlichkeiten abzulösen. Aufgeschlüsselt wurden bis zu 250 Mrd. Euro zur eigenen Entschuldung genutzt. Rund 200 Mrd. Euro dürften zudem für die Begleichung älterer EZB-Darlehen abgegangen sein. Somit blieben nur 40 Mrd. Euro für eine Kapitalmarkt-Investition wie den Kauf von Staatsanleihen. Dieses Mal werden voraussichtlich nur rund 90 Mrd. Euro an die EZB für fällige frühere Papiere zurückfließen. So könnte der Tender selbst bei niedrigerer Zuteilung als im Dezember aus Sicht der EZB effektiver sein.

Erster Tender mit "positiven Auswirkungen"

"Das erste dreijährige Refinanzierungsgeschäft hatte, soweit man es heute schon beurteilen kann, positive Auswirkungen", sagte EZB-Direktor Asmussen am Rande des G-20 Gipfels. "Im Herbst 2011 zweifelten doch noch viele Investoren daran, dass es Italien und Spanien gelingt, ihre in den ersten Monaten von 2012 fälligen Staatsanleihen zu refinanzieren", sagt Christoph Weil von der Commerzbank. Die EZB habe mit der Einführung der dreijährigen Kredite für die Banken diese Sorge spürbar verringert.

Seit Dezember sind die Risikoprämien italienischer und spanischer Staatsanleihen markant gesunken. "Für die italienischen und spanischen Banken dürfte es sehr attraktiv sein, sich bei der EZB für drei Jahre billiges Geld zu leihen und dieses in höherverzinsliche nationale Staatsanleihen zu investieren", sagt Weil. Denn die Banken können die Titel auch als Sicherheit bei der Notenbank hinterlegen. Solche quasi risikolosen Arbitrage-Geschäfte liebt die Bankenbranche, die auch von einem "Free Lunch" spricht: Insbesondere Italien kann daher nach dem großen Schlemmen am EZB-Geld-Büffet auf rege Nachfrage bei seinen Anleihe-Emissionen rechnen. Das Land muss im März und April jeweils rund 45 Mrd. Euro aufnehmen.

Keine weitere Geldspritze

Nach dem 29. Februar könnten sich Banken nicht mehr am EZB-Geldschalter bedienen. "Die Durchführung des zweiten Refinanzierungsgeschäfts sollte nicht automatisch die Erwartung wecken, dass wir es ein drittes und viertes Mal tun werden", so Asmussen. "Die die EZB verpflichtet sich nie im Vorhinein zu irgendeiner Aktion", sagte er. Denn die EZB will den Instituten helfen, sie aber nicht auf Dauer an den Tropf hängen.

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