EZB-Chef Mario Draghi

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EZB-Chef
06/27/2017

Draghi "redet" Euro nach oben

Der EZB-Chef deutet weitere Mini-Schritte Richtung einer Kurswende an: Alle Zeichen deuten auf Festigung der Erholung hin. Der Euro legte deutlich zu.

EZB-Chef Mario Draghi deutet im Zuge der Konjunkturerholung weitere Mini-Schritte in Richtung Eind√§mmung der Geldflut an. Der Aufschwung in der Eurozone gewinne an Kraft, sagte Draghi am Dienstag auf einer Notenbank-Konferenz im portugiesischen Sintra. Die Europ√§ische Zentralbank m√ľsse umsichtig handeln.

"Wenn die Konjunktur anzieht, werden wir graduell vorgehen m√ľssen, wenn wir unsere geldpolitischen Parameter anpassen", sagte der Italiener. So will die EZB sicherstellen, dass ihr Kurs bei fortbestehenden Unsicherheiten die wirtschaftliche Erholung weiter unterst√ľtzt.

Die EZB hatte j√ľngst bereits einen kleinen Schritt in Richtung Kurswende gewagt, indem sie die bisher stets erw√§hnte Option auf noch tiefere Zinsen aus ihrem Ausblick strich.

Neues Hoch

Der Euro hat am Dienstag deutlich zugelegt. Zeitweise stieg die Gemeinschaftswährung um mehr als einen Cent auf bis zu 1,1305 US-Dollar. Das war der höchste Stand seit vergangenem September. Am späten Nachmittag kostete ein Euro 1,1280 Dollar.

Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,1278 (Montag: 1,1187) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 0,8867 (0,8939) Euro.

"Es war ein anderer Zungenschlag von Draghi", sagte Daniel Lenz, Analyst bei der DZ Bank. Der EZB-Pr√§sident habe mehr die positive Entwicklung der Konjunktur in den Vordergrund gestellt als bisher und das Vor√ľbergehende bei den Inflationsrisiken betont. Commerzbank-Chefvolkswirt J√∂rg Kr√§mer und sein Kollege Michael Schubert gehen einen Schritt weiter: "Mario Draghi hat heute signalisiert, dass die EZB prinzipiell zu einer etwas weniger expansiven Geldpolitik bereit ist", so die Experten.

Aus Sicht des EZB-Chefs gewinnt der Aufschwung in der Eurozone immer mehr an Kraft. "Alle Zeichen deuten nun auf eine Festigung und Verbreiterung der Erholung in der Eurozone hin", sagte er. Auch bei der Inflation sieht Draghi eine positive Entwicklung. Denn die den Preisauftrieb wieder anschiebenden Kräfte hätten inzwischen die deflationären Faktoren ersetzt. Es gebe zwar immer noch Faktoren, die auf der Preisentwicklung lasteten. "Gegenwärtig sind das vor allem temporäre Faktoren, durch die eine Zentralbank typischerweise hindurchschauen kann."

Schrittweise Anpassung der Geldpolitik

Setzt sich die Erholung fort, wird Draghi zufolge bei unver√§nderter Geldpolitik die EZB-Ausrichtung sogar expansiver. Ein vorsichtiges Zur√ľckfahren der Ma√ünahmen w√ľrde die Z√ľgel daher nicht wirklich straffen. Die EZB strebt knapp zwei Prozent Inflation als Idealwert f√ľr die Wirtschaft an. Davon ist sie mit einer Teuerung von 1,4 Prozent im Mai aber noch ein gutes St√ľck entfernt. Trotz aller Zuversicht h√§lt Draghi daher ein erhebliches Ausma√ü an geldpolitischer Lockerung immer noch f√ľr n√∂tig, damit die Inflationsdynamik dauerhaft und selbsttragend wird.

Die Geldschleusen in der Eurozone stehen nach wie vor weit offen: Der Leitzins liegt auf einem historischen Tief von null Prozent. Zudem erwerben die EZB und die nationalen Euro-Notenbanken f√ľr rund 60 Milliarden Euro Staatsanleihen und andere Wertpapiere. Die K√§ufe sollen noch bis mindestens Ende Dezember fortgesetzt werden und dann einGesamtvolumen von 2,28 Billionen Euro erreichen. Volkswirte erwarten, dass die EZB im Herbst entscheidet, wie es mit den K√§ufen nach 2017 weitergeht.

Kurswechsel im Spätsommer?

Draghi habe einen ersten Schritt in Richtung einer weniger lockeren Geldpolitik getan, kommentierte Marco Valli, Chefvolkswirt f√ľr Europa bei der Gro√übank UniCredit. Bank√∂konomen rechnen damit, dass die EZB im Sp√§tsommer die Weichen f√ľr einen geldpolitischen Kurswechsel stellen wird. Es wird erwartet, dass sie dann den "Einstieg in den Ausstieg" aus ihren billionenschweren Wertpapierk√§ufen ank√ľndigen und die K√§ufe im Laufe des kommenden Jahres schrittweise auslaufen lassen wird. Mit einer ersten Anhebung des Leitzinses, der seit l√§ngerem an der Nulllinie klebt, d√ľrfte sich die Notenbank aber noch Zeit lassen.

Zu anderen wichtigen W√§hrungen legte die EZB die Referenzkurse f√ľr einen Euro auf 0,8837 (0,8783) britische Pfund, 126,16 (124,93) japanische Yen und 1,0883 (1,0881) Schweizer Franken fest. Die Feinunze Gold wurde in London am Nachmittag mit 1.249,55 (1.245,25) Dollar gefixt. Ein Kilogramm Gold kostete 35.635,00 (35.752,00) Euro.

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