Ex-Betriebsrätin gegen Mode-Kette

Kurier
Foto: Kurier Hektik: Wenn der Kundenansturm besonders groß ist, sind Arbeitszeitregeln bei P&C oft zweitrangig

Eine Ex-Betriebsrätin erhebt schwere Vorwürfe gegen P&C. Der Bekleidungskonzern löste das Dienstverhältnis auf.

Vornehm und nobel gibt sich das Kaufhaus Peek&Cloppenburg in der Wiener Innenstadt. Hinter den Kulissen aber stehen für einige der 1200 Beschäftigten offenbar harte Bandagen auf der Tagesordnung. Es sind eine ganze Reihe von Verfehlungen, die eine Ex-Mitarbeiterin, vertreten durch eine bekannte Wiener Anwaltskanzlei, dem drittgrößten heimischen Bekleidungshändler vorwirft. Verletzungen bei Arbeitszeitvorschriften, Missachtung von gesetzlichen Feiertagen oder Unregelmäßigkeiten beim Mehrarbeitszuschlag kämen immer wieder vor. Die Kanzlei vertritt eine Ex-Mitarbeiterin, die einst als Betriebsrätin das Arbeitsinspektorat über die Missstände informierte. Das klopfte tatsächlich bei P&C an. Die Mitarbeiterin wurde tags darauf zwangsbeurlaubt – mit Verweis auf Unregelmäßigkeiten bei Dienstreisen.

Kündigung ohne Info

Vor dem Arbeitsgericht wird nun über die Beurlaubung gestritten. Doch obwohl das Verfahren noch nicht beendet ist, löste der Konzern das Dienstverhältnis auf – ohne die Frau darüber zu informieren. Ihr Anwalt sieht das Einschreiten des Arbeitsinspektorates als gerechtfertigt: "Leitende Mitarbeiter müssen etwa jeden Samstag arbeiten, obwohl das klar gegen den Kollektivvertrag verstößt." Mitarbeiter müssten teilweise an österreichischen Feiertagen in Deutschland arbeiten, wenn dort kein gesetzlicher Feiertag sei. Auch bei Teilzeit-Mitarbeitern gäbe es immer wieder Probleme: "Die Mehrarbeitszuschläge passen oft nicht, es gibt nur 30 statt der vereinbarten 50 Prozent Zuschläge." Gleichzeitig würden Teilzeit-Mitarbeiter in ruhigen Zeiten nach Hause geschickt und müssten dann vor Weihnachten Vollzeit arbeiten.

Die Vorwürfe sind kein Einzelfall: In der zuständigen Gewerkschaft GPA-djp heißt es, P&C tauche immer wieder auf. Im Mai will man bei einer Sitzung mit P&C-Betriebsräten klären, "ob es Einzelfälle sind oder ob es am System liegt". 50 Anfragen Auch in der Arbeiterkammer Wien sind Anfragen zu Peek&Cloppenburg keine Seltenheit: Rund 50 Kundengespräche führte Arbeitsrechtsberater Günter Köstelbauer im Vorjahr mit P&C-Mitarbeitern. Neben normalen Fragen wie Mutterschutz gehe es um "alle für den Handel typischen Rechtsprobleme".

Besserung

Um ein Statement gebeten, bestätigte Peek&Cloppenburg, dass das Arbeitsinspektorat im Winter in Wien vor Ort war, versichert aber: "Wir halten uns grundsätzlich an die gesetzlichen und kollektivvertraglichen Rahmenbedingungen des Arbeitsrechts." Laufende Verfahren wolle man nicht kommentieren. In der AK rät man betroffenen Mitarbeitern, sich rechtzeitig um ihre Ansprüche zu kümmern. AK-Experte Köstelbauer: "Dann besteht oft die Chance, dass Forderungen nachbezahlt werden." Und bei P&C selbst gelobt man Besserung: "In der Vergangenheit wurden die Berichte des Arbeitsinspektorats stets in Zusammenarbeit zwischen Geschäftsleitung und Betriebsrat besprochen, um zusammen Verbesserungen bzw. Anpassungen vorzunehmen."

(kurier) Erstellt am
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