Wirtschaft
20.10.2017

Eurowings will der Konkurrenz mit Dumpinglöhnen davonfliegen

Die Billig-Airline ist ins Visier der Gewerkschaft vida geraten. Am 2. November wird eine Betriebsversammlung abgehalten.

Eineinhalb Jahre wurde erfolglos ein Kollektivvertrag verhandelt, der Betriebsrat ist aufgelöst. Bei der Lufthansa-Tochter Eurowings Europe mit Sitz in Wien und österreichischer Fluglizenz ist Feuer an Bord.

„Die Mitarbeiter in der Kabine arbeiten zum Teil 100 Stunden für 1200 Euro im Monat. Diese Mädels und Burschen kämpfen jeden Monat ums Überleben“, sagt vida-Gewerkschafter Johannes Schwarcz zum KURIER. „Die sind zum Teil aus Deutschland nach Wien umgezogen und müssen eine Wohnung bezahlen. Es gibt aber auch noch eine Spesenabrechnung, die erhöht wurde. Doch dadurch zahlen sie auch mehr Steuer und sie bekommen daher tatsächlich weniger heraus.“ Derzeit beschäftigt Eurowings in Wien 300 Mitarbeiter in Kabine und Cockpit. Bei der Eurowings Deutschland in Düsseldorf hat das Personal deutlich höhere Tarifverträge.

Personal aus Osteuropa

Laut vida versucht Eurowings Europe derzeit, günstiges Personal in Bukarest und Sofia zu rekrutieren. „Die werden wahrscheinlich mit 1200 Euro im Monat zufrieden sein, aber wenn sie ihren Lebensmittelpunkt nach Wien verlegen müssen, werden sie bald erkennen, dass sie mit 1200 Euro nicht weit kommen“, sagt Schwarcz. Auch bei der Eurowings selbst gibt es Umzugspläne.

„Die Eurowings Europe soll künftig in München stationiert werden“, sagt der vida-Funktionär. „Da haben wir dann die absurde Situation, dass Personal von Eurowings Deutschland, Eurowings Europe und von der früheren Air Berlin mit drei verschiedenen Gehaltsschemata an Bord ist.“ Am 2. November findet daher in Wien eine Betriebsversammlung statt.

Ob und wie die Air-Berlin-Tochter Niki und deren Mannschaft in die Eurowings integriert werden, ist der österreichischen Gewerkschaft noch nicht bekannt. „Es wurden weder von der Lufthansa noch von Eurowings irgendwelche Pläne vorgelegt“, sagt Schwarcz. Wahrscheinlich werden diese Pläne erst nach dem Übernahme-Okay durch die Wettbewerbsbehörden bekanntgegeben.

„Mit der Umstrukturierung der Niki und der Verlagerung von 20 der 25 Flugzeuge nach Deutschland sind bereits die verschiedenen Strecken angepasst worden“, sagt der Gewerkschafter. Oder anders gesagt: Es gibt bei Niki und Eurowings heute kaum noch Überschneidungen bei den Strecken. Bei der Niki gibt es einen aufrechten Kollektivvertrag, der nicht so einfach aufgekündigt werden kann. Wird aber die Niki von der Eurowings geschluckt, wirkt der Kollektivvertrag laut Schwarcz beim Betriebsübergang nach.

Eurowings Deutschland und Air Berlin

In Deutschland verschlechtern sich die Bedingungen für jene Air-Berlin-Piloten, die bei der Eurowings anheuern. Eurowings-Chef Thorsten Dirks hat die Konditionen verteidigt, zu denen neue Piloten unter anderem von Air Berlin angestellt werden sollen. Es habe einen Grund, dass Air Berlin insolvent gegangen sei, auch wegen der hohen Personalkosten habe die Airline Geld von Etihad gebraucht, sagte Dirks am Freitag in Berlin.

Nach seinen Angaben verdienen Piloten, die von Air Berlin zur Eurowings wechseln, im Durchschnitt acht bis zehn Prozent weniger, in der Spitze könne der Unterschied größer sein. Bis zu 40 Prozent weniger würden langjährige Air-Berlin-Kapitäne dann verdienen.

Die Lufthansa-Tochter übernimmt die Air-Berlin-Teile Niki und die Luftfahrtgesellschaft Walter, damit würden etwa 1700 Stellen zu deren alten Konditionen übernommen. Zudem wollen sie 1300 Mitarbeiter neu einstellen, vor allem Piloten und Flugbegleiter. „Da haben wir von Anfang an gesagt: Es kann sich jeder bewerben.“ Air-Berlin-Kollegen sollen ein schnelleres Bewerbungsverfahren bekommen, bei gleicher Qualifikation aber nicht automatisch bevorzugt werden.