Wirtschaft
11.07.2016

Euronet führt in Österreich Bankomatgebühr ein

© Bild: KURIER/Franz Gruber

1,95 Euro pro Abhebung. US-Firma Euronet betreibt in Österreich knapp 70 Geldausgabeautomaten.

Still und heimlich hat die US-Firma Euronet in Österreich eine Bankomatgebühr eingeführt. Euronet, die hier zu Lande knapp 70 Geldausgabeautomaten betreibt, verlangt pro Abhebung 1,95 Euro. Vor wenigen Wochen hatte Euronet noch behauptet, bei Gratis-Abhebungen zu bleiben.

Einen Warnhinweis, dass bei der Behebung auch Spesen anfallen, findet man nicht direkt am Bankomaten, auch nicht am Beginn der Transaktion, sondern erst beim letzten Abwicklungsschritt vor der Bestätigung der Behebung am Display des Gerätes.

Versteckter Hinweis

In vergleichsweise kleiner Schrift im unteren Teil des Displays steht in Versalien: "Der Eigentümer diese Terminals, Euronet 360 Limited, wird dem Karteninhaber für die gewählte Transaktion eine Gebühr von EUR 1.95 berechnen. Diese Gebühr wird zusätzlich zu den eventuell anfallenden Gebühren die Ihr kartenausgebendes Kreditinstitut veranschlagt, berechnet. Wenn Sie mit der Gebührenerhebung einverstanden sind und Fortfahren möchten, drücken Sie bitte 'Annehmen'. Wenn Sie keine Gebühr bezahlen und diese Transaktion abbrechen möchten, drücken Sie bitte 'Abbruch' auf dem Bedienfeld".

Darüber prangt in deutlich größerer Schrift der eingegebene Geldbetrag und die Aufforderung "Bitte Bestätigen Sie", darunter die beiden gleich großen Auswahlfelder "Abbruch" und "Annehmen". Ein Test der Austria Presseagentur in der Mariahilferstraße ergab, dass vielen Kunden - vornehmlich Touristen - der Warnhinweis gar nicht auffällt.

Situation in Österreich

In die Diskussion um Bankomatgebühren hat sich wie berichtet auch Finanzminister Hans Jörg Schelling (ÖVP) eingeschaltet und die österreichischen Banken Anfang Mai zu einem "Bankomatgipfel" eingeladen hatte, mit dem Ziel, dass es keine gesonderten Bankomatgebühren geben sollte. Geeinigt hat man sich vorerst darauf, dass die Bundeswettbewerbsbehörde (BWB) ein Monitoring starten und die Lage erkunden soll. Einmal mehr sprach sich Schelling dabei gegen ein gesetzliches Verbot von Bankomatgebühren aus, wie es Sozialminister Alois Stöger (SPÖ) gefordert hat.

"Drittanbieter"

Ein besonderes Problem sind für die heimischen Banker die "Drittanbieter", zu denen neben Euronet auch First Data zählt. Diese sind nicht Teil des großen österreichischen Bankomatkreislaufs. Bei Abhebungen von diesen Geräten fallen Kosten an, die derzeit die Hausbank tragen muss. Bei diesen Drittanbietern müsse es künftig Warnhinweise geben, dass bei einer Abhebung Gebühren anfallen, hieß es.