Wirtschaft 03.01.2012

Eurokrise: Unerwartete Erfolge und unerwünschte Rekorde

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In Italien und Portugal trägt der Kampf gegen das Defizit Früchte. In Spanien hingegen ist eine Rekordzahl an Jugendlichen arbeitslos.

Während sich die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy auf ihr Treffen am 9. Jänner vorbereiten, um die Eckpunkte für den kommenden EU-Gipfel Ende des Monats abzustecken, trudeln aus den krisengeschüttelten Ländern Südeuropas jüngste Finanzzahlen ein.

Italien

Zuerst die gute Nachricht: Italiens Bemühungen im Kampf gegen das Defizit zeigt unerwartet positive Resultate. Das Defizit im öffentlichen Bereich betrug 2011 61,5 Milliarden Euro, das sind 5,5 Milliarden Euro weniger als im Jahr davor. Wenn man Italiens Beteiligung am Plan zur Rettung Griechenlands berücksichtige, betrage der Defizitrückgang im öffentlichen Bereich sogar acht Milliarden Euro. Dieses Ergebnis übertraf sogar die Erwartungen des Wirtschaftsministeriums. Bis Ende 2011 rechnet Italien mit einem Defizit von 3,9 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Das Land ist jedoch von einer kolossalen Verschuldung belastet, die 120 Prozent seines BIP entspricht.

Am 22. Dezember hat das italienische Parlament einen milliardenschweren Sparplan verabschiedet, mit dem Italien bis Ende 2013 eine ausgeglichene Bilanz vorlegen will. Es handelt sich um den dritten Sparplan, den Rom in sechs Monaten zur Eindämmung der akuten Schuldenkrise verabschiedet hat.

 

Spanien

Kaum Perspektiven für junge Spanier: Viele wandern nach Deutschland aus.
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Schlechter sieht es in Spanien aus: Die Krise hat die Zahl der Arbeitslosen auf einen neuen Rekordstand steigen lassen. Ende Dezember waren rund 4,4 Millionen Menschen als arbeitslos gemeldet. Seit Veröffentlichung der monatlichen Arbeitsmarkt-Statistiken 1996 waren nie so viele Menschen in Spanien arbeitslos gemeldet.

Eine Arbeitslosenquote gab das Ministerium nicht bekannt. Eine solche hatte am Montag schon die nationale Statistikbehörde gemeldet, welche die Arbeitslosigkeit allerdings anders berechnet. Diesen Zahlen zufolge waren im letzten Quartal des vergangenen Jahres 21,5 Prozent arbeitslos - so viele wie in keinem anderen Industrieland. Bei den 16- bis 24-Jährigen waren es demnach sogar 45,8 Prozent.

Spanien ist von der internationalen Schuldenkrise und dem Platzen einer Immobilienblase schwer getroffen. Anfang dieses Jahres könnte das Land in die Rezession abgleiten.

 

Portugal

In Portugal will man der Krise davonsegeln.
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Der iberische Nachtbar meldet indes einen kleinen Erfolg. Die portugiesische Regierung hat ihr selbstgesetztes Ziel bei der Eintreibung von ausstehenden Steuern übertroffen. Für das Jahr liege man mehr als zehn Prozent über der angepeilte Marke von 1,1 Milliarden Euro, sagte Finanzminister Vitor Gaspar. Er machte dafür neue Standards bei den zuständigen Behörden verantwortlich.

In Portugal waren die Steuer- und Zollbehörden verschmolzen worden. Dabei wurden 15 Prozent der höheren Stellen gestrichen. Die Zusammenlegung gehört zu einem Sparplan der Regierung, die mit den Folgen der Schuldenkrise kämpft. Portugal musste im vergangenen Jahr auf Milliardenhilfen der EU und des IWF zurückgreifen.

 

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Erstellt am 03.01.2012