Wirtschaft
09.12.2011

EU setzt sich für neue AKW ein

In den kommenden 20 Jahren sollen laut Zeitungsbericht 40 Kraftwerke in Europa gebaut werden. Japan exportiert weiterhin Atomtechnologie.

Seit der Atomkatastrophe in Fukushima ist noch kein Jahr vergangenen - doch die breite Mehrheit für eine Zukunft ohne Atomstrom bröckelt bereits: Die EU befürwortet trotz des deutschen Atomausstiegs den Neubau zahlreicher Atomkraftwerke.

Im bisher vertraulichen Entwurf "Energy Roadmap 2050" bezeichne EU-Energiekommissar Günther Oettinger die Atomkraft als "wichtigen Faktor", heißt es in der Süddeutschen Zeitung. Unterhändlern zufolge sehen die Details mehrerer Szenarien den Neubau von 40 Kernkraftwerken allein bis 2030 vor.

Das Papier soll angeblich in der kommenden Woche in Brüssel vorgestellt werden und ein europäisches Gerüst für die nationale Energiepolitik der nächsten Jahrzehnte liefern. Die Zweifel vieler Europäer an der Kernkraft erwähne das Papier zwar, halte sie aber offenbar für überwindbar. "Eine neue Generation der Atomtechnik könnte helfen, die Abfall- und Sicherheitsbedenken zu adressieren", zitiert die Zeitung aus dem Papier. Auch eine finanzielle Förderung der Atomenergie in Mitgliedsstaaten ähnlich dem Erneuerbare-Energien-Gesetz für grünen Strom in Deutschland halte die Kommission Unterhändlern zufolge für möglich. Sie könnte demnach Subventionen für Neuinvestitionen in Atomkraftwerke, zum Beispiel in Großbritannien, erlauben.

Japan-Technologie für alle

Ungeachtet der Atomkatastrophe in Fukushima will Japan seine Kernkraftwerkstechnologie weiter exportieren. Das Parlament segnete am Freitag entsprechende Kooperationsvereinbarungen mit Jordanien, Russland, Südkorea und Vietnam ab. Japan hatte sich mit diesen Ländern bereits vor dem Unfall in Fukushima auf eine solche Zusammenarbeit im zivilen Bereich verständigt. Die Beratungen im Parlament waren nach der Katastrophe zeitweilig ausgesetzt worden.

Der seit September amtierende Ministerpräsident Yoshihiko Noda sprach sich jedoch auch im Sinne der diplomatischen Beziehungen dafür aus, die getroffenen Vereinbarungen mit den vier Staaten zu erfüllen. Die japanische Industrie hofft, Atomkraftwerksanlagen an Jordan und Vietnam sowie Reaktorteile an Südkorea liefern zu können. Japan hat bereits bilaterale Atomvereinbarungen mit sieben Ländern: Australien, Großbritannien, Kanada, China, Frankreich, Kasachstan und den USA sowie mit der Europäischen Atomgemeinschaft (Euratom).