Wirtschaft
06.03.2018

EU schlägt zurück - Strafzölle auf US-Produkte geplant

Auf Trumps Androhung von Strafzöllen auf Stahl und Aluminium könnte die EU scharf reagieren. Die EU-Kommission soll überlegen, US-Produkte im Wert von drei Milliarden Euro zu besteuern.

Die Stimmung ist angespannt. Am Mittwoch will die EU-Kommission darüber entscheiden, wie sie auf die Zollpläne der USA reagiert.

Nach der Ankündigung von Strafzöllen auf Stahl und Aluminium drohte US-Präsident Donald Trump am Wochenende auch noch mit Strafabgaben für Import-Autos, sollten die EU ihrerseits mit höheren Zöllen auf US-Produkte antworten.

Einen Tag vor der offiziellen Entscheidung soll der Nachrichtenagentur Bloomberg nun eine Liste zugespielt worden sein, aus der hervorgeht, dass die EU eben dieses Vorgehen plant: Wenn Trump tatsächlich 25 Prozent Zoll auf importierten Stahl verlangen will, wird die EU-Kommission ebenfalls einen Zoll von 25 Prozent auf amerikanische Waren einführen.

Kartoffeln bis Hausboote

Wie die Frankfurter Allgemeine Zeitung berichtet, wären davon eine ganze Reihe „wichtiger amerikanischer Produkte“ betroffen. Hauptsächlich sind das landwirtschaftliche Exportprodukte wie Kartoffeln, Tomaten, Orangensaft und Mais. Aber auch auf Waren, die für die Wahlkreise von Unterstützern des Präsidenten wirtschaftlich interessant seien, soll es Gegenzölle geben. Dazu zählen etwa Motorräder oder Bourbon-Whiskey aus Tennessee sowie Kentucky. Auch Kosmetika, Jeans und sogar Hausboote sollen auf der Liste stehen. Gesamt würde der Wert der gelisteten Waren fast drei Milliarden Euro im Jahr betragen.

Die US-Unternehmen Levi's und Harley-Davidson haben mit Unverständnis auf mögliche Strafzölle der EU auf ihre Jeans und Motorräder reagiert. "Wir unterstützen offene Märkte und freien Handel, in dem sich jeder an die Regeln hält", sagte ein Sprecher des Bekleidungsunternehmens Levi's dem Tagesspiegel. Auch Fiat-Chrysler-Chef Sergio Marchione hat die gegenseitigen Strafzoll-Drohungen der USA und der EU kritisiert. Die Reaktionen in Europa seien nicht hilfreich. "Das ist die falsche Antwort zur falschen Zeit", sagte Marchione.

Während die EU-Kommission also Vorkehrungen für einen möglichen Handelskrieg zu treffen scheint, gibt man sich nach außen derzeit noch um Versöhnung bemüht. EU-Budgetkommissar Günther Oettinger erklärte, das Ziel sei, einen Handelskrieg zu vermeiden. Denn: "Wenn der transatlantische Handelskonflikt eskaliert, sind die Gewinner die Asiaten", sagte er der Deutsche Presse-Agentur. Weiter kündigte er an, die EU werde "angemessene Maßnahmen" treffen. "Es müssen Maßnahmen sein, die im amerikanischen Markt wirken, ohne jetzt eine übertriebene Reaktion und damit eine Eskalation auszulösen", sagte Oettinger.

Widerstand in den USA

Auch in den USA macht sich in der Zwischenzeit eine wachsende Empörung über Trumps Pläne breit. In der US-Wirtschaft wächst der Widerstand gegen die Zölle von 25 Prozent auf Stahl und von zehn Prozent auf Aluminium, da man höhere Kosten und Engpässe bei der Belieferung mit den Stoffen fürchtet. Auch im Trump-Lager sind die Pläne umstritten. So hat sich etwa Finanzminister Steven Mnuchin dagegen ausgesprochen. Auch Trumps Handelsberater Peter Navarro deutete in einem TV-Interview an, dass es Ausnahmen in "bestimmten Fällen" geben könne, "wo wir sie brauchen, damit Geschäfte laufen können“. US-Handelsminister Wilbur Ross hatte zuvor Hoffnungen einzelner Handelspartner auf Ausnahmen gedämpft.