Wirtschaft
29.11.2017

EU-Kommission kippt wohl Niki-Übernahme durch Lufthansa

Lufthansa-Chef trifft sich dazu heute mit EU-Wettbewerbskommissarin. Niki könnte bald in die Pleite schlittern.

Die Übernahme der österreichischen Air-Berlin-Tochter Niki durch die Lufthansa droht einem Insider zufolge zu scheitern. "Die EU-Kommission neigt derzeit dazu, den Niki-Deal für die Lufthansa zu untersagen", sagte am Mittwoch eine Person, die mit der Situation vertraut ist. Lufthansa-Chef Carsten Spohr werde im Laufe des Tages mit EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager die Lage erörtern.

Die Lufthansa hatte im Oktober von der insolventen Air Berlin die Töchter Niki und LGW Walter für rund 210 Millionen Euro übernommen. Die Brüsseler Behörde muss dem noch zustimmen. Von der Brüsseler EU-Kommission war zunächst keine Stellungnahme zu erhalten. Die Lufthansa lehnte einen Kommentar dazu ebenfalls ab.

Eingliederung in Eurowings

Die Lufthansa hat bereits vor der Insolvenz Teile der Air Berlin übernommen. Niki sollte nun in Folge in die Billigtochter Eurowings eingegliedert werden. Die derzeit 21 Flieger sind derzeit vor allem zu touristischen Zielen unterwegs. Allerdings nicht mehr primär von Wien, sondern von deutschen Metropolen aus.

Reuters hatte jüngst von Insidern erfahren, dass die Lufthansa die aktuelle Zwischenfinanzierung von der bisher nicht insolventen Air-Berlin-Tochter Niki wohl einstellen werde, falls die EU-Kommission eine vertiefte Prüfung des Air-Berlin-Deals plane. Denn so eine Untersuchung würde 90 Werktage dauern - dann wäre Niki mit seinen mehr als 800 Mitarbeitern wohl ebenfalls pleite.

Steigende Ticketpreise

Grund für den Widerstand seitens der Wettbewerbshüter sind die steigenden Ticketpreise. Schon jetzt gibt es - vor allem innerhalb Deutschlands - einen spürbaren Anstieg von bis zu 20 Prozent. Auf einzelnen Strecken, wo die Lufthansa nun das Monopol hat, sind es 300 Prozent. Sollte nun Niki auch noch dem Lufthansa-Konzern zugeschlagen werden, dann, so ist die Befürchtung auch in der österreichischen Wettbewerbsbhörde, dass diese hohen Ticketpreise einzementiert werden.

Chance für Niki Lauda?

Sollte der Lufthansa also der Zuschlag verwehrt werden, wird diese die Finanzhilfe für Niki einstellen, die Pleite wäre die Folge. Oder aber es findet sich noch ein anderer Käufer. Ursprünglich hatte es mehrere Interessenten gegeben, sie kamen aber nicht zum Zug. Einer davon war Gründer und Namensgeber Niki Lauda. Er hatte gemeinsam mit Thomas Cook und der Ferienfluggesellschaft Condor ebenfalls ein Angebot abgegeben. Möglicherweise wendet sich jetzt das Blatt zu seinen Gunsten. Mein Angebot zusammen mit Thomas Cook gilt nach wie vor", sagte Lauda dem "Handelsblatt".

"Wir sind gesprächsbereit. Die sich abzeichnende Entscheidung in Brüssel kommt mir gelegen", sagte Niki Lauda. Die EU-Kommission selber hebt aber hervor, dass sie noch keine Entscheidung getroffen habe, ob sie das Lufthansa-Angebot, den Großteil von Air Berlin zu übernehmen, akzeptiert, ablehnt oder mit Auflagen belegt. Frist für eine Entscheidung ist der 7. Dezember.