Wirtschaft
31.08.2017

Erste-Chef Treichl erwartet das Ende des Bargeldes

"Zug ist abgefahren": Unter Dreißigjährige würden die bargeldlose Gesellschaft noch erleben.

Knapper als Andreas Treichl kann ein Interviewpartner nicht antworten. "Reizt dich die Politik?", fragte Generali-Chef Gustav Dressler beim "Europafrühstück" des Managements Clubs am Mittwoch in Alpbach den Erste-Group-Chef. "Nein", kam es wie aus der Pistole geschossen.

Deutlich ausführlicher äußerte er sich zu Wirtschaftsthemen. So erwartet er definitiv ein Ende des Bargeldes. Jene, die jetzt unter dreißig seien, werden die bargeldlose Gesellschaft erleben. Egal, wie man dazu stehe: "Der Zug ist abgefahren. Und es fördert auch die Transparenz." Persönlich sei er nicht unbedingt angetan von dieser Entwicklung – ein bisschen Intransparenz sei ihm sogar sympathisch, meinte er augenzwinkernd.

"Völliger Holler"

Gar nicht einverstanden zeigte sich Treichl mit der "wundersamen Geldvermehrung" der Europäischen Zentralbank. Er halte diese für einen "völligen Holler" (ein abgewandeltes Christian-Kern-Zitat). Das nutze zwar den Staaten bei der Entschuldung, führe aber zur Enteignung der Bürger. "Die Bevölkerung leidet massiv darunter." Die Vermögensbildung gehe zurück.

Die größte Herausforderung für Banken sei es, "den Normalsterblichen" Verdienstmöglichkeiten zu eröffnen, die nicht mit allzu großem Risiko verbunden seien. Das sei kaum mehr möglich. Denn es gebe ja auch einen sehr "unausgebildeten Kapitalmarkt" in Österreich. Die Bevölkerung könne damit nicht vom Wachstum der heimischen Unternehmen profitieren. Diesem Problem müsse sich die Politik endlich widmen. Dafür brauche es eine "dramatische" Kulturänderung.

"Kennscht mi eh"

Treichl kritisierte auch die Kontrollsucht im Finanzbereich. Heutzutage könnte zum Beispiel das Denkerdorf Alpbach gar nicht mehr entstehen, weil die Banken das nicht mehr finanzieren würden. Damals (in der Nachkriegszeit, Anm.) seien die Bauern zu ihrer Raiffeisenbank gegangen, hätten ihre Kühe im Stall als Sicherheit geboten und ihrem Kundenberater gesagt: "Kennscht mi eh." Das habe genügt, ihnen einen Kredit zu gewähren. Alle seien flexibler gewesen – und auch risikofreudiger. Das und den Mut zur Unternehmensgründung finde er heute noch in Tschechien oder der Slowakei, aber nicht in Österreich. Auch darum müsse sich die Politik kümmern.

Fazit des Bankers: "Politik und Wirtschaft müssen viel mehr miteinander reden." Immerhin ist Alpbach ein Ort, wo das theoretisch möglich ist. Bei den Wirtschaftsgesprächen waren am Mittwoch auch Christian Kern und Sebastian Kurz vor Ort.