Monique Dekker ist die Hoteldirektorin des neuen Park Hyatt in Wien – die Eröffnung ist für Juni geplant.

© KURIER/Jeff Mangione

Eröffnung
04/26/2014

Fünf neue Sterne für Wien

"Park Hyatt Vienna"-Direktorin Monique Dekker über den hart umkämpften Luxushotelmarkt.

von Andrea Hlinka

KURIER: Wie sieht für Sie der ideale Park-Hyatt-Gast aus?

Monique Dekker: Das kann ich nicht beantworten, weil es so viele unterschiedliche Gruppen gibt: Familien mit Kindern, Geschäftsleute, Pärchen. Natürlich ist es schön, wenn es ein loyaler Gast ist, der unser Hotel gezielt auswählt und Interesse an der Marke Park Hyatt hat.

Das Hotel ist noch nicht fertig – haben Sie schon Zimmer verkauft?

Ja. Seit Anfang April kann man das Wiener Hotel buchen – ich bin überrascht, wie viele es sind. Wir fangen mit einer Einführungsrate an: Die ersten drei Monate kostet ein Standard-Zimmer 375 Euro. Danach werden wir den Preis auf das Niveau anheben, das die Lage und das Hotel verlangen kann.

Wie hoch können Sie gehen?

Das werden wir noch sehen. Unser teuerstes Zimmer, die Präsidentensuite, verkaufen wir um mehr als 4000 Euro pro Nacht.

Wie lange wird es dauern, bis sich das Park Hyatt in Wien etabliert hat?

Etwa drei Jahre.

In Wien haben in den vergangenen zwei Jahren einige Luxushotels eröffnet, etwa das Kempinsky, Sans Souci, Ritz-Carlton, Sofitel. Wie will man sich zwischen all den Luxushotels in Wien positionieren?

Die Lage von Park Hyatt Am Hof ist einzigartig. Das Gebäude und das Design sind sehr speziell, das Service wird sehr gut. Wir sind weltweit für unsere Gastronomie bekannt, bieten wirklich Restaurants an. In Wien heißt es "The Bank", es hat einen eigenen Eingang.

Wieso wollte die Hyatt Corporation unbedingt in Wien, mit seinem dichten Luxushotel-Markt, eine Dependance? Prestige?

Teilweise. Wenn man heute in einer Stadt nicht präsent ist, suchen sich die Gäste eine andere Marke aus. Die Gäste, die in Paris übernachten oder in Mailand, wollen auch in Wien im Park Hyatt übernachten. Ich persönlich finde es schön, wenn Wien sich mit internationalen Ketten präsentieren kann. Sie bringen andere Gäste mit und das ist doch auch für die Wirtschaft gut. Wenn eine Stadt keine internationalen Luxusketten hat, fehlt etwas.

Dennoch gibt es in Wien ein Überangebot an Hotelbetten, auch im Luxusbereich. Haben Sie keine Sorge vor einem Preiskampf?

Luxushotels wie das Sacher oder das Imperial haben sich ihren Ruf über viele Jahre aufgebaut und sie werden die Preise auf dem Niveau halten. Wenn sie Zimmer um unter 300 Euro anbieten würden, würden die Kunden das nicht gerne sehen und nicht verstehen. Ich persönlich glaube, dass der Preiskampf nicht im Luxusbereich stattfindet, sondern im Ein- bis Vier-Sterne-Bereich. Das Preisniveau in Wien ist im internationalen Vergleich sehr niedrig. Dafür, was wir im Park Hyatt Vienna bieten, könnten wir eigentlich den selben Preis wie in New York verlangen.

Wie viel ist das?

Die Preise im New Yorker Park Hyatt beginnen bei 795 $ für ein Standard Zimmer.

Viele Kunden kommen über ihr Kundenbindungsprogramm Gold Passport – wie wichtig sind Buchungsplattformen wie Booking.com?

Es ist schön, wenn unsere Gäste das Hotel direkt auf unserer Webseite buchen, weil sie sich dann bewusst für das Hyatt entscheiden und nicht nur, weil es ein Angebot gegeben hat. Aber es stimmt schon: Ohne Booking.com etc. kann man als Hotel heute nicht mehr leben.

Aus welchen Nationen kommen ihr Gäste?

Da wir eine amerikanische Kette sind, wird der Anteil an Gästen aus den USA sehr hoch sein. Aber wir erwarten auch Gäste aus Österreich, Deutschland, Großbritannien, den arabischen Ländern und Russland.

Sind Sie vor der Eröffnung nervös?

Noch nicht. Es läuft alles nach Plan.

Die Hotel-Chefin: Monique Dekker

Die gebürtige Niederländerin blickt auf eine 17-jährige Laufbahn bei Hyatt zurück, sammelte Erfahrung in den USA, Asien und Deutschland. Zuletzt war sie Direktorin des Hyatt Regency Düsseldorf. Die Hyatt Hotels Corporation mit Sitz in Chicago ist eine der führenden Hotelgruppen mit 508 Hotels & Resorts in 46 Ländern.

Der Markt für Luxus ist da

Wo vor fünf Jahren noch ein Mangel war, ist heute ein Überangebot: In den vergangenen Jahren hat in Wien ein Luxustempel nach dem anderen die Drehtüre in Gang gesetzt – als nächstes und vorerst letztes Hotelprojekt gesellt sich das Park Hyatt Vienna, im hundertjährigen Gebäude der Bank Austria Creditanstalt Am Hof, dazu. Binnen fünf Jahren hat die Bettenanzahl in Wien um ein Drittel zugelegt. 2013 wuchs die Bettenzahl von Vier- und Fünf-Stern-Hotels um 1,7 Prozent an.

"Es sind in relativ kurzer Zeit viele Luxushotels auf den Markt gekommen", sagt Lukas Hochedlinger vom britischen Hotelimmobilien-Spezialisten Christie+Co. Doch vor dem Ausbleiben der Gäste müssten sich Fünf-Sterne-Hotels nicht sorgen: "Der Markt ist da und er wird auch in den nächsten Jahren da sein. Die Nachfrage kommt verstärkt aus dem Nahen Osten, aus Ost-Europa und aus den USA", so Hochedlinger.

Um zu reüssieren, müssen sich die Top-Hotels jedoch mehr voneinander abheben. "Die neu dazugekommenen müssen sich erst etablieren. Schließlich wollen sie alle ein Stück vom selben Kuchen", sagt Hochedlinger.

Hotelinvestmentmarkt

Laut Immobilienspezialist CBRE zählen Hotelinvestments nach wie vor zu den wichtigsten gewerblichen Immobilientransaktionen in Österreich. 2013 wurden rund 315 Millionen Euro in Hotels investiert – zu 40 Prozent von inländischen Investoren. Die meisten internationalen Investoren kamen wie schon 2012 aus Deutschland und Russland. "Der österreichische Hotelmarkt und vor allem Wien stehen nach wie vor im Fokus nationaler und internationaler Investoren. Sie werden auch 2014 in österreichische Hotelimmobilien investieren – voraussichtlich mit einem ähnlichen Volumen wie 2012 und 2013, wenn nicht sogar höher", so Olivia Kaussen, Head of Hotels Germany & CEE bei CBRE.

Verglühende Sterne

Auf den ersten Blick schaut die Statistik super aus: Im ersten Quartal des Jahres verzeichneten die Wiener Hotels und Pensionen ein Nächtigungsplus von 2,5 Prozent. Doch bei genauerem Hinschauen zeigt sich, dass der Zugewinn vor allem auf den niedrigeren Kategorien fußt. Fünf-Sterne-Hotels dagegen mussten Einbußen von fast fünf Prozent hinnehmen. Schon im Vorjahr verzeichneten sie nur einen winzigen Zuwachs.

Wundern braucht man sich darüber nicht. In wirtschaftlich schwierigen Zeiten, in denen Konzerne an allen Ecken und Enden sparen, müssen sich Manager auf Auslandsreisen oft mit bestenfalls vier Sternen abfinden. Auch für den privaten Städtetrip reicht in der Regel eine bescheidenere Unterkunft. Die "Koste es, was es wolle"-Hochzeitsreise führt zudem meist nach Paris, Rom oder auf die Seychellen und an Wien vorbei. Der Advent und der Silvesterpfad sorgen zwar stets für ausgebuchte Häuser, sie finden halt leider nur einmal im Jahr statt.

Insofern ist es mutig, dass sich namhafte Ketten ausgerechnet jetzt in die Bundeshauptstadt wagen. Die hohen Investments werden sich für die stets zuversichtlichen Betreiber nicht in jedem Fall rechnen, ein Preiskampf ist zu erwarten. Im schlimmsten Fall könnte das eine oder andere Haus für immer schließen. Für die Stadt wäre das schade, denn die neuen Mitbewerber sind auch ein Zeichen dafür, dass Wien zunehmend zur Weltmetropole wird.

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