Wirtschaft
05.12.2011

Ermittlungen gegen DSK-Nachfolgerin

Die französische Justiz ermittelt gegen die IWF-Chefin Christine Lagarde wegen des Verdachts auf Amtsmissbrauch.

Die Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), Christine Lagarde, muss sich einem Verfahren wegen Amtsmissbrauchs stellen. Der französische Gerichtshof ordnete die Eröffnung eines Ermittlungsverfahrens an. Es geht um eine Entschädigungszahlung von 285 Millionen Euro plus Zinsen aus der Staatskasse an den Geschäftsmann und Ex-Minister Bernard Tapie aus dem Jahr 2008. Lagarde war zu jener Zeit französische Wirtschaftsministerin. Die 55-Jährige, die jüngst beim IWF Nachfolgerin des wegen versuchter Vergewaltigung angeklagten Dominique Strauss-Kahn wurde, bestreitet jegliches Fehlverhalten.

Lagarde schaltete Schiedsgericht ein

Hintergrund der Zahlung war der Verkauf des deutschen Sportartikelherstellers Adidas an die französische Bank Crédit Lyonnais. Tapie hielt die Aktienmehrheit an Adidas, sah sich bei dem Geschäft geprellt und zog vor Gericht. Nach jahrelangem Streit schaltete Lagarde ein Schiedsgericht ein, das Tapie 2008 die Entschädigungssumme zugestand. Lagarde hätte dieses Verfahren aus formalen Gründen gar nicht erst zulassen dürfen, argumentiert der mittlerweile pensionierte Generalstaatsanwalt Jean-Louis Nadal, der den Gerichtshof angerufen hatte. Entgegen den Empfehlungen von Experten habe Lagarde außerdem keinen Einspruch gegen die Entscheidung der Richter eingelegt.

Der Gerichtshof der Republik ist das einzige französische Gericht, das Mitglieder der Regierung für Straftaten belangen kann, die sie in ihrer Amtszeit begehen. Er hatte seine Entscheidung bereits zweimal vertagt. Lagarde ist seit einem Monat IWF-Chefin.