Mit "Rocket" versprach Ergo Garantien, die es jetzt nicht gibt.
 

© APA/dpa/Horst Ossinger

Ergo-Lebensversicherung
07/25/2015

Garantiert riskante Geldanlage

Konsumentenschützer hält "Rocket-Lebensversicherung für Täuschung der Kunden.

von Irmgard Kischko

„Die Kapitalauszahlung erfolgt nach zehn Jahren Kest-frei in garantierter Höhe!!!“ Mit diesem Satz im Verkaufsprospekt der Lebensversicherung „Rocket“ hat Ergo die Kunden geködert. „Ich war hundertprozentig überzeugt, eine garantierte Veranlagung zu kaufen“, erzählt Isabella K. empört dem KURIER.

40.000 Euro hat sie im Frühling 2009 in „Rocket III“ einbezahlt, 57.807 Euro würde sie nach zehn Jahren ausbezahlt bekommen, lautete das Versprechen, das Frau K. auch schriftlich bekam – damals. Jetzt werden ihr gerade einmal 35.000 Euro angeboten. Frau K. hat die Sache umgehend ihrem Anwalt übergeben. Man kann ihr auch nicht vorwerfen, sie wüsste zu wenig über Finanzanlagen Bescheid, wäre naiv oder habe zu wenig nachgefragt. Im Gegenteil: „Ich habe auf der Polizze gesehen, dass die Garantie mit der Österreichischen Volksbanken AG (ÖVAG) zusammenhängt und habe sofort bei meinem Bankberater nachgefragt“, erzählt sie. Dessen Antwort: „Der Ertrag kann sogar höher werden. Aber der Betrag im Prospekt ist garantiert.“

Für Konsumentenschützer Peter Kolba ist die Sachlage denn auch eindeutig: „Ich halte das für eine klassische Täuschung der Kunden.“ Die Ergo habe versucht ein riskantes Produkt als sicher und ertragreich darzustellen. „Eigentlich ist es schon fad, weil es immer auf die gleiche Art passiert: bei Meinl European Land, Immofinanz oder AvW“, sagt Kolba zum KURIER.
Seit Freitag Abend können sich geschädigte Ergo-Kunden unter www.verbraucherrecht.at registrieren, der Verein für Konsumenteninformation (VKI) will dann Sammel-Schadenersatzklagen einbringen.

Nicht nur die Ergo

Indexgebundene Lebensversicherungen, deren Garantie auf einer einzigen Anleihe basiert, waren in Österreichs Versicherungsbranche jahrelang gang und gäbe. Die s-Versicherung und die Wiener Städtische haben solche Produkte mit einer Garantie der Erste Group angeboten, die UNIQA hat sie mit Raiffeisen Bank International-Anleihen besichert. Alle drei Versicherungen weisen darauf hin, dass die Produkte ertragreich sind.
Die steirische Merkur Versicherung hatte so wie die Ergo eine indexgebundene Lebensversicherung mit Garantie der ÖVAG verkauft. „Wir haben schon im Frühjahr reagiert und unseren Kunden einen Umstieg in eine klassische Lebensversicherung angeboten“, sagt Merkur-Sprecherin Birgit Stampfl.
Für Kolba stellt sich dennoch die Frage der Risikostreuung. „Eine einzige Anleihe als Basis zu nehmen, ist ein Klumpenrisiko. Fällt diese Anleihe aus, sind die Verluste der Kunden hoch“, sagt er.
Völlig vergessen haben dürften die Versicherer, was im Grunde die globale Finanzkrise 2008 ausgelöst hat: Der Zusammenbruch der Investmentbank Lehman Brothers. Anleihen dieser Bank wurden weltweit als Garantien für Finanzprodukte verwendet, die dann plötzlich ohne Garantie da standen.

Nicht zuständig

Österreichs Finanzmarktaufsicht ist für all diese Produkte nicht zuständig, wie sie betont. Seit 1994 bräuchten Versicherer keinerlei Genehmigung der Aufsicht für ihre Produkte.
Allerdings seien die Informationspflichten der Versicherer stetig verschärft worden. Risikohinweise vor Vertragsunterzeichnung sollten Standard sein, heißt es in der FMA. Ob die Versicherungen dies auch tun? Dafür sei die FMA nicht zuständig.

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