Die Konzentration der Treibhausgase in der Atmosphäre sei auf dem höchsten Stand seit mindestens 800.000 Jahren, warnt der IPCC.

© APA

5. Weltklimabericht
11/02/2014

Erderwärmung: Weltklimarat drängt zum sofortigen Handeln

IPCC: Nur noch wenig Zeit, um Erwärmung über zwei Grad Celsius zu verhindern. Kosten zur Reduzierung der Emissionen sind begrenzt.

Der Weltklimarat (IPCC) hat mit der Zusammenfassung seiner drei jüngsten Berichte die Bedrohung des Klimawandels auf den Punkt gebracht: Ohne sofortiges entschlossenes Handeln droht eine tief greifende und irreversible Veränderung des Weltklimas - doch noch sind die Kosten für die Gegenmaßnahmen begrenzt. Dies ist die Kernbotschaft des 5. Weltklimareports des Weltklimarats IPCC.

Der Bericht wurde am Sonntag in Kopenhagen vorgestellt. Seit September 2013 hatte das Gremium seinen 5. Weltklimareport in drei Teilen veröffentlicht. Zwar hatte dieser gezeigt, dass der Klimawandel mit Macht voranschreitet und der Mensch daran einen gewaltigen Anteil hat. Die Forscher stellten aber auch klar, dass der Temperaturanstieg mit globalem Einsatz noch gebremst werden kann und ein rascher Wechsel auf alternative Energien wenig kostet. Um eine Erwärmung über zwei Grad Celsius zu verhindern, ist demnach eine drastische Reduzierung der Kohlendioxidemissionen in den kommenden Jahrzehnten notwendig.

Die Konzentration der Treibhausgase in der Atmosphäre sei auf dem höchsten Stand seit mindestens 800.000 Jahren, warnte der IPCC in seinem sogenannten Synthesebericht, der die Ergebnisse der drei vorherigen Teilberichte zusammenfasst. Nach den Erkenntnissen des Expertengremiums hat sich die weltweite Oberflächentemperatur zwischen 1880 und 2012 um 0,85 Grad erhöht, und der Meeresspiegel ist zwischen 1901 und 2010 um 19 Zentimeter gestiegen.

Erwärmung um bis zu vier Grad droht

Die wissenschaftlichen Erkenntnisse zum Klimawandel seien klarer denn je zuvor, sagte der IPCC-Vorsitzende Rachendra Pachauri. Es bleibe nur noch wenig Zeit, um die Chance zu nutzen, die Erderwärmung auf unter zwei Grad zu halten. Sollte der Ausstoß von klimaschädlichen Gasen wie Kohlendioxid nicht drastisch reduziert werden, drohe eine Erwärmung um bis zu vier Grad, was die Zunahme extremer Wetterphänomene wie Stürme, Hitzeperioden und Überschwemmungen zur Folge hätte, warnte der IPCC.

Erneuerbare Energien

Notwendig sei eine Reduzierung des Ausstoßes der Treibhausgase wie Kohlendioxid um 40 bis 70 Prozent zwischen 2010 und 2050 und auf Null bis 2100, erklärte das unabhängige Gremium, das Experten aus 195 Ländern vereint. Dafür müsse von fossilen Energiequellen wie Öl, Gas und Kohle auf Energie aus erneuerbaren Quellen wie Sonne, Wind und Wasser umgeschwenkt werden und der Energieverbrauch deutlich reduziert werden.

Nach den Berechnungen des IPCC würde das globale Wachstum von den Kosten zur Reduzierung der CO2-Emissionen nicht "stark betroffen". Selbst "ehrgeizige" Maßnahmen würden demnach nur jährlich 0,06 Prozentpunkte des weltweiten Konsums im 21. Jahrhundert kosten, wobei mit einem jährlichen Wachstum zwischen 1,6 und drei Prozent gerechnet wird. Sollte dagegen nicht rasch etwas unternommen werden, würden die Kosten stark ansteigen, warnte der Weltklimarat.

Der Synthesebericht ist der erste umfassende Report zur Klimaveränderung seit 2007. Die Berichte, die von mehr als 800 Experten aus aller Welt auf der Grundlage wissenschaftlicher Studien erstellt wurden, sollen den Regierungen als Handlungsempfehlungen zur Bekämpfung des Klimawandels dienen.

Verhandlungen festgefahren

Die Veröffentlichung des Syntheseberichts erfolgte vor einem Treffen kommenden Monat in Lima, das den Weg zu einem neuen verbindlichen Klimaabkommen beim Gipfel in Paris nächstes Jahr ebnen soll. Darin sollen Maßnahmen festgeschrieben werden, um die Erderwärmung unter zwei Grad zu halten. Die Verhandlungen sind aber seit Jahren festgefahren, da Uneinigkeit besteht, welche Länder wie viel zur Reduzierung der CO2-Emissionen beitragen sollen.

Die Klimalage und ihre Entwicklung

Die Klimalage heute

Seit 1950 wurde laut dem IPCC eine kontinuierliche Erwärmung der Atmosphäre und der Ozeane registriert, während die Eismassen und Gletscher zurückgingen. Zugleich wurde ein Anstieg des Meeresspiegels und eine zunehmende Versäuerung der Ozeane gemessen. Der Zeitraum von 1983 bis 2012 war wahrscheinlich die wärmste 30-Jahres-Periode der vergangenen 1400 Jahre. Die Konzentration der Treibhausgase in der Atmosphäre ist beispiellos seit mindestens 800.000 Jahren.

Zusammen mit weiteren vom Menschen verursachten Faktoren sind diese Gase höchstwahrscheinlich der Hauptgrund für die Erderwärmung seit 1950. Trotz Gegenmaßnahmen seit 1970 steigt der Ausstoß klimaschädlicher Gase ununterbrochen an. Unabhängig von der Frage der Verantwortung für die Erderwärmung ist klar, dass der daraus resultierende Klimawandel erhebliche Auswirkungen auf die Tier- und Pflanzenwelt hat und sich auch auf den Menschen negativ auswirkt.

Seit 1950 ist eine weltweite Zunahme extremer Wetterereignisse wie Hitzephasen, Hochwasser, Überschwemmungen und Stürme mit starken Niederschlägen zu beobachten. Es ist wahrscheinlich, dass dies mit auf den Einfluss des Menschen zurückzuführen ist. Ohne deutliche Reduktion der Treibhausgasemissionen wird mit einem weiteren Temperaturanstieg und einer Zunahme der Wetterextreme gerechnet.

Die weitere Entwicklung

Das weitere Ausmaß der Erderwärmung hängt vom Szenario ab, doch wird in allen vier vom IPCC durchgespielten Szenarien mit einem Anstieg gerechnet. Bis Mitte des 21. Jahrhunderts wird die Arktis wohl im Sommer weitgehend eisfrei sein wird. Zugleich wird der Permafrost zurückgehen, und die Gletscher werden weiter abtauen. Der Meeresspiegel wird in der Folge - je nach Szenario - wahrscheinlich um 26 bis 82 Zentimeter ansteigen.

Die Folgen des Klimawandels sind ungleich verteilt und treffen zuvorderst die Schwächeren. Zahlreiche Pflanzen- und Tierarten sind verstärkt vom Aussterben bedroht, da sie sich nicht schnell genug an die Veränderung ihres Lebensraums anpassen können. Durch die Versäuerung der Ozeane droht ein Rückgang des Fischfangs und durch die Erderwärmung und die Wasserverknappung ein Sinken des Ertrags wichtiger Feldfrüchte.

Dies dürfte sich negativ auf die Armutsbekämpfung auswirken und eine Zunahme von Konflikten mit entsprechenden Flucht- und Migrationsbewegungen zur Folge haben. Selbst im Fall, dass effektive Maßnahmen zur Reduzierung der Treibhausgase ergriffen werden, ist nach 2100 mit einer langfristigen Veränderung des Weltklimas zu rechnen. Wenn nichts unternommen wird, droht bis 2100 ein Anstieg um vier Grad mit tiefgreifenden, breitflächigen und irreversiblen Auswirkungen.

Die Handlungsoptionen

Um die Erderwärmung unter zwei Grad zu halten, ist eine Reduzierung des Ausstoßes der Treibhausgase um 40 bis 70 Prozent zwischen 2010 und 2050 und auf mindestens Null bis 2100 notwendig. Bis 2030 müssten weltweit jährlich mehrere hundert Milliarden Euro in die Umstellung auf erneuerbare Energiequellen und die Einsparung von Energie investiert werden. Dennoch würde dies nur jährlich 0,06 Prozentpunkte des weltweiten Konsums kosten.

Die Kosten würden allerdings steigen, umso länger die notwendigen Schritte verzögert werden. Der Handel mit Emissionszertifikaten kann laut dem IPCC im Prinzip ein kostengünstiges Instrument sein, doch ist das aktuelle System falsch konstruiert. Maßnahmen zur CO2-Einlagerung könnten sinnvoll sein, müssen jedoch weiter getestet werden. Vorschläge zum "Geo-Engineering" wie die Verbreitung reflektierender Partikel in der Atmosphäre lehnt der IPCC als riskant und ethisch fragwürdig ab.

Der Weltklimarat IPCC

Angesichts der Erderwärmung gründeten zwei UN-Organisationen im Jahr 1988 den Weltklimarat IPCC, der inzwischen fast 200 Mitgliedsländer hat. Er soll aufzeigen, wie sich der Klimawandel auf Natur und Mensch auswirkt, welche Anpassungsstrategien es gibt und wie er gebremst werden kann.

Das Gremium mit Sitz in Genf forscht nicht selbst, sondern sammelt wissenschaftliche Daten und wertet sie aus. Bisher hat es 1990, 1995, 2001 und 2007 umfassende Berichte erstellt. Am 5. Report, dessen drei Teile 2013 und 2014 veröffentlicht wurden, waren mehr als 3.000 Experten beteiligt. Am Sonntag wurde die Zusammenfassung der drei Teile veröffentlicht.

Für seinen Kampf gegen den Klimawandel erhielt der IPCC 2007 den Friedensnobelpreis. IPCC steht für Intergovernmental Panel on Climate Change (Zwischenstaatlicher Ausschuss zum Klimawandel). Ins Leben gerufen hatten ihn das UN-Umweltprogramm (UNEP) und die Weltwetterorganisation (WMO). Der IPCC ist so erfolgreich, dass nach seinem Vorbild 2012 der Weltrat für Biologische Vielfalt IPBES initiiert wurde.

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.