Wirtschaft
14.03.2014

Energiewende: Ökostrom mit Kurzschluss

Die Haushalte zahlen die Rechnung, während Großabnehmer und Investoren profitieren. Fragen und Antworten.

Die Energiewende treibt seltsame Blüten: zum Beispiel neue Gaskraftwerke, die nicht in Betrieb genommen werden. Oder sinkende Großhandelspreise, die bei den privaten Haushalten aber nicht ankommen. Die Markteingriffe zur Förderung der Erneuerbaren Energie haben ein paar unerwünschte Nebenwirkungen.

Warum wird Erneuerbare Energie wie Fotovoltaik oder Windenergie gefördert?

Wegen des Klimawandels hat es sich die EU zum Ziel gesetzt, den CO2-Ausstoß zu verringern. Außerdem sollen durch den Ausbau von Erneuerbarer Energie die Nachhaltigkeit gefördert und Energieimporte gesenkt werden. Die Gasimporte zu verringern ist aber schwierig. Es gibt noch keine preiswerte Technologie für eine alternative Erzeugung.

Wie lange wird gefördert?

Derzeit gibt es meist eine einmalige Investitionsförderung oder 13 Jahre lang garantierte Einspeisetarife. Danach müssen sich die Anlagen am Markt bewähren. Bei Anlagen für die Deckung des privaten Verbrauchs kann es zwanzig Jahren dauern, bis sich die Investition rechnet.

Wer trägt die Kosten?

Die Kosten für die Förderung der Erneuerbaren Energie werden auf die Verbraucher überwälzt. Heuer zahlt ein Durchschnittshaushalt etwa 80 Euro Ökostromzuschlag. 2015 werden es 100 sein. In Deutschland beträgt der Ökostromzuschlag sogar 250 Euro. Anders als in Österreich gibt es beim Nachbarn Ausnahmen für die Industrie und keine Deckelung der Förderung.

Wer profitiert von der Energiewende?

Da der Ökostrom gefördert wird, kann er billig verkauft werden. Wegen der großen Mengen an Ökostrom, die v. a. in Deutschland anfallen, ist der Großhandelspreis auch in Österreich gesunken. Davon profitiert vor allem die Industrie. An die Haushalte sind die Preisvorteile bisher nur im geringen Maße weitergegeben worden. Weiters profitieren jene, die in großem Stil in Erneuerbare Energie investiert haben. Da der erzeugte Strom zu einem Fixpreis verkauft werden kann, tragen sie kein Risiko. Wegen der höheren Nachfrage nach Holz und Holzspäne als Brennstoff ist der Holzpreis gestiegen.

Warum geht es den Energielieferanten schlecht?

Durch den niedrigen Großhandelspreis kommen alle unter Druck, die Energie erzeugen und verkaufen. Die Gewinnspanne ist kleiner geworden. Stromerzeugung aus Gaskraftwerken ist derzeit unrentabel.

Warum steigt in Deutschland der CO2-Ausstoß?

Wenn die Sonne nicht scheint und der Wind nicht weht, kommt wenig Energie aus Solar- und Windkraftwerken, sondern billiger Strom aus Kohlekraftwerken mit hohem CO2-Ausstoß.

Kommt es zur Rückkehr der Atomenergie?

Die Atomenergie war nie weg. Länder wie Frankreich oder Großbritannien haben keinen Ausstieg aus der Kernenergie verkündigt. Großbritannien möchte für neue Atomkraftwerke eine Förderung für die nächsten 35 Jahre, weil sie keine CO2-Emissionen verursachen. China plant den Bau Dutzender neuer Atomkraftwerke. Japan will wieder in die Kernkraft einsteigen. Für den Ausstieg Deutschlands aus der Kernenergie gab es auch politische Gründe. Nach der Katastrophe im Atomkraftwerk Fukushima befürchtete die Deutsche Bundesregierung massive Verluste bei der Bundestagswahl.