Wirtschaft
07.11.2017

Energieversorger sollen Wiener Börse unter Strom setzen

Heimische Anleger sollen sich an österreichischen Infrastrukturfirmen beteiligen. Das belebe Kapitalmarkt und Standort, sagt Wilhelm Rasinger.

Österreichs Kapitalmarkt braucht dringend eine Auffrischungskur und die neue Regierung sollte kräftig dazu beitragen. Wilhelm Rasinger, Präsident des Interessenverbands für Anleger (IVA), hat ein klares Bild, wie diese Kur aussehen könnte: "Landesenergieversorger privatisieren und weitere Anteile der Post an die Börse bringen", betont er.

Geeignete Kandidaten für so eine Privatisierung sieht er in der Kärntner Kelag, der Estag in der Steiermark, der Energie AG Oberösterreich oder der Tiroler Tiwag. Die Veranlagung in die eigene, leistungsfähige Infrastruktur würde sich für Anleger durchaus lohnen. Natürlich müsste die Aktienemission anlegerfreundlich sein und nicht so wie jene der Bawag nur an Großinvestoren gerichtet werden. Der Staat sollte dies unterstützen, indem er die Kursgewinnsteuer ab einer gewissen Behaltedauer abschaffe.

Die Mehrheit an den Energieversorgern sollte aber weiterhin beim Staat bleiben. Eine Börsenotiz hat nach Ansicht von Rasinger auf die Unternehmen durchaus positive Wirkung. Sie würden transparenter und effizienter, wie das Beispiel EVN zeige.

Die Post, an der der Staat via ÖBIB knapp 53 Prozent hält, sollte weiter bis auf 26 Prozent privatisiert werden. "Die Post ist ein reines Logistikunternehmen. Da gibt es keinen Grund für staatliche Mehrheiten", sagt Rasinger.

Außerdem wünscht sich der Anlegervertreter, dass die künftige Regierung Anreize setzt, um Klein- und Mittelbetriebe an die Börse zu locken. "Die Zeit ist reif dafür, weil viele dieser Unternehmen an die Erben übergeben werden", ist Rasinger überzeugt. Die Einführung einer Erbschaftsteuer sieht er durchaus als sinnvoll an. Das würde Börsengänge unterstützen. Vermehrt genutzt werden sollten von den KMU auch Vorzugsaktien. Viele Kleinanleger seien ohnehin nicht an Stimmrechten in der Hauptversammlung interessiert.

Verständlichere Infos

Für wesentlich hält Rasinger auch eine Vereinfachung der Prospektpflicht für Börsegänge. "800 Seiten dicke Prospekte, wie sie es derzeit gibt, liest ohnehin niemand", glaubt der IVA-Präsident. Er fordert für Anleger verständliche kurze Prospekte in deutscher Sprache.

Zudem sollte der Gewinnfreibetrag nicht nur wie derzeit in Wohnbauanleihen veranlagt werden dürfen, sondern in Infrastrukturunternehmen mit öffentlichem Eigentümer als Kernaktionär. Dies treffe auf Post, OMV, Telekom, Verbund, EVN, Burgenland Holding und Flughafen Wien zu.