Wirtschaft 27.01.2012

Endlich Klartext reden

© Bild: KURIER /Semotan Rudolf

Griechenland ist pleite. Es hilft niemandem, das länger zu verschweigen.

Hilfsmilliarde um Hilfsmilliarde wurde in den letzten Monaten klarer, dass sich das EU-Modell für Griechenland nicht ausgehen kann. Riesige Einsparungen in einem Land ohne Wirtschaftswachstum und Perspektive sind illusorisch. Der Rauswurf Tausender Beamte, die alle Parteimitglieder sind, oder Privatisierungen von defizitären Betrieben – also der Verkauf von Staatsschulden – waren nie viel mehr als Fantasterei.

Mittlerweile ist Athen pleite, wie man nur pleite sein kann. Bloß eingestehen will das niemand. Das Wort Staatsbankrott wurde quasi amtlich aus dem EU-Vokabular verbannt. Denn es kann nicht sein, was nicht sein darf.

Viele Experten raten daher längst zu einem Ende mit Schrecken, als den Schrecken ohne Ende noch länger gewähren zu lassen. Das hieße: Athen verabschiedet sich vom Euro und versucht in den nächsten Jahren, vielleicht Jahrzehnten mit einer stark abgewerteten Drachme industriell Fuß zu fassen – also der überfällige Neuanfang. Auch auf diesem sehr steinigen Weg wird jede europäische Hilfe und Solidarität nötig sein.

( Kurier ) Erstellt am 27.01.2012