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Wirtschaft
12/05/2011

Ende des Dolce Vita: Italien wackelt nach Herabstufung

Hohe Schulden, kaum Wachstum und ein Bunga-Premier: Italien wurde von S&P herabgestuft. Der Währungsfonds prophezeit eine lange Wachstumsschwäche der Weltwirtschaft.

von Markus Stingl

Die gute Nachricht vorweg: Obwohl die Kreditwürdigkeit Italiens in der Nacht auf Dienstag von der US-Ratingagentur Standard&Poor's (S&P) um eine Stufe auf "A" heruntergestuft wurde, reagierten die Finanzmärkte relativ unaufgeregt. Die Renditen für zehnjährige Staatsanleihen stiegen am Mittwoch um dezente 0,1 Prozentpunkte auf 5,67 Prozent und prolongierten damit lediglich ihren leichten Aufwärtstrend der vergangenen Tage.
Auch die Börsen präsentierten sich gefestigt. Die Entscheidung von S&P komme "nicht völlig überraschend, aber hilft natürlich nicht, Ruhe in den Markt zu bringen", sagte ein Händler.

Wirtschaftsleistung

Die Herabstufung der Bonität scheint vom Markt also bereits eingepreist worden zu sein. Zudem wurde am Dienstag mit einem Durchbruch bei der Griechenland-Rettung gerechnet.

Dennoch nährt die S&P-Entscheidung zu Italien die Angst, dass ein weiteres Euro-Land in die Schuldenkrise gezogen wird. Wobei die drittgrößte Volkswirtschaft der Euro-Zone ein anderes Kaliber ist als Griechenland, Portugal oder Irland. Die Wirtschaftsleistung Italiens ist dreimal so groß wie jene dieser drei Krisenländer zusammen. Wird Italien zum Rettungsfall, dürften die Tage des Euro gezählt sein.

Um die Märkte zu beruhigen und einer Bonitäts-Zurückstufung zu entgehen, hatte das Parlament in Rom erst vor wenigen Tagen ein 54-Milliarden-Euro-Sparpaket beschlossen. Zusammen mit bereits im Juli verabschiedeten Einschnitten sollen so mehr als 102 Milliarden eingespart werden, um bis 2013 ein ausgeglichenes Budget vorzulegen.

Allein, S&P schenkt diesem Vorhaben wenig Glauben. "Die Herabstufung spiegelt unsere Einschätzung wider, dass sich Italiens Wachstumsaussichten verschlechtert haben", begründet die Ratingagentur. Der IWF bläst ins selbe Horn: Er revidierte die Wachstumsprognose für Italien für heuer auf 0,6 Prozent und für 2012 gar auf 0,3 Prozent nach unten.

Berlusconi im Visier

Hinzu kommt das politische Klima in Rom. S&P traut der Mitte-Rechts-Koalition um Silvio Berlusconi nicht zu, die Krise zu bewältigen. "Diese Entscheidung scheint mehr von Medien als von der Realität diktiert worden zu sein", wettert der Premier dementsprechend. Berlusconi zeigt sich zwar kämpferisch, ist aber angeschlagen, was auch seine grottenschlechten Umfragewerte belegen.

Berlusconi kann sich dieser Tage nicht nur um die Schuldenkrise kümmern, der Bunga-Bunga-Premier steht vor einer Serie von Justizverfahren rund um Amtsmissbrauch, Erpressung und Prostitution. Die Opposition fordert seinen Rücktritt, will einen Misstrauensantrag einbringen und organisiert eine Großdemo im Herbst.

Ein Zahlungsausfall Italiens würde übrigens vor allem Frankreich treffen, es hat 291 Milliarden Euro an Italien verborgt. Österreichs Forderungen liegen bei rund 17 Milliarden und sind somit weitaus höher als jene an Griechenland (2,3 Milliarden Euro). Aber auch die heimischen Betriebe würden unter einer Eskalation der Krise leiden. Das südliche Nachbarland ist nach Deutschland der zweitwichtigste Handelspartner Österreichs.

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