Emirates lockt AUA-Piloten nach Dubai

Im Bild eine Kapitaens - Kappe im Cockpit eines Airbus A 340 der AUA.
Foto: apa Die AUA muss Gas geben. Ob die Piloten mitziehen – oder in Richtung Emirates abziehen – ist die Frage.

Der AUA-Vorstand startet den Übergang des Flugbetriebs auf Tyrolean. Riskant, denn Erzrivale Emirates lockt die Piloten.

Vorstand und Bord-Betriebsrat betonen zwar nach wie vor ihre Gesprächsbereitschaft, doch die Verhandlungen über einen neuen, kostengünstigeren Kollektivvertrag für die 578 Piloten wurden am Montag ergebnislos beendet. In der Aufsichtsratssitzung am Dienstag will der Vorstand daher den Übergang des Flugbetriebs auf die billigere Tochter Tyrolean vorschlagen.

Lostag für das weitere Schicksal der schwer defizitären AUA ist allerdings am Mittwoch. Am Abend wird der Aufsichtsrat der Konzernmutter Lufthansa entscheiden, ob er mehr als 100 Millionen Euro an frischem Kapital lockermacht: Für die Bereinigung der Flotte auf Airbus und die Aufrüstung der Langstrecke mit komfortableren Sitzen.

Über die Tyrolean-Lösung, ursprünglich gedacht, um Druck auf die Belegschaft zu machen, ist der Vorstand inzwischen aber selbst nicht mehr 100-prozentig glücklich. Denn Plan B könnte nach hinten losgehen: Mühsam, zeitaufwändig und am Beginn sehr teuer. Dann nämlich, wenn etliche der 338 "alten" AUA-Piloten, die die besten Verträge haben, auf ihr außerordentliches Kündigungsrecht bestehen. Bei einem Abfertigungsanspruch von bis zu 39 Monatsgehältern müsste die AUA dann pro Mann bis zu 500.000 Euro auszahlen.

Das Risiko, dass sich die Alt-Piloten in größerer Zahl verabschieden und rasch Ersatz gefunden werden muss, ist hoch. Denn der stark expandierende, wirtschaftlich erfolgreiche Erzrivale Emirates, der täglich ab Wien zwei Flüge führt, hat den AUA-Piloten aufgrund ihrer hohen fachlichen Qualität bereits Avancen gemacht. Auch die Konkurrenten Etihad und Turkish Airlines suchen Bord-Crews.

Das Angebot der Staatsflieger vom Golf – eine Kombination aus hohem Grundgehalt, Zulagen und feinen Zusatzleistungen – könnte etliche Piloten zur Übersiedlung nach Dubai motivieren.

Einkommen Das Mindestgehalt für einen Kapitän liegt bei rund 8560 Euro monatlich, für einen ersten Offizier bei 6050 Euro. Für 85 Blockstunden, das sind rund vier Langstreckenflüge tour und retour im Monat. Dazu gibt’s eine Zulage pro Flugstunde und ab 92 Flugstunden im Monat eine Produktivitätszulage. Alles steuerfrei, plus einer Gewinnbeteiligung. 50 Prozent des Einkommens werden gegen Währungsschwankungen abgesichert.

Wohnen Verheiratete Piloten erhalten kostenlos eine Villa beigestellt, Singles ein Appartement. Medizinische Versorgung (inklusive Zahnbehandlung) für die Piloten samt Familie ist ebenso kostenlos wie die Ausbildung für bis zu drei Kinder. Die Scheichs zahlen außerdem eine Lebens- und Unfallversicherung. Zur Arbeit chauffiert ein Fahrer in einer Limousine.

Arbeitnehmerrechte

Bernhard Karl, Emirates, Pilot Foto: Emirates A-380-Kapitän Bernhard Karl: „Ich habe bei Emirates einen Betriebsrat jedenfalls noch nie vermisst.“

Dafür ist’s um die Arbeitnehmerrechte schlecht bestellt. Gewerkschaften sind gesetzlich verboten, die Gehälter bestimmt das Management. Damit hat der Österreicher Bernhard Karl, ehemals Pilot der Lauda Air, aber kein Problem. "Ein Betriebsrat bedeutet nicht, dass man besser dran ist. Ich habe ihn jedenfalls bei Emirates noch nie vermisst", sagt Karl im Branchenfachdienst Austrian Aviation Net. Er steuert als Kapitän einen Airbus A 380. 24 ehemalige AUA-Piloten und 27 Flugbegleiter jobben derzeit bei Emirates.

AUA-Bordbetriebsratschef Karl Minhard befürchtet, dass "im worst case" 200 bis 300 Piloten gehen würden. Man habe bei den Gehältern 14 Millionen an Einsparungen angeboten, längere Arbeitszeiten, eine Verringerung der Gehaltsvorrückungen, das Aussetzen der automatischen Inflationsanpassung sowie minus 20 Prozent beim Pensionsaufwand. Bei den Forderungen des Managements würden aber "Fairness und Augenmaß fehlen". "Leider keine Lösung, wir bleiben weiterhin verhandlungsbereit", sagt AUA-Sprecher Peter Thier.

AUA-Sparpaket: Jetzt fehlen noch 40 Millionen Euro

Ziel Um 220 Millionen Euro muss die AUA heuer das Ergebnis verbessern, zwei Drittel davon durch Einsparungen. 180 Millionen sind bereits am Boden. Etliche Lieferanten haben nachgelassen. Mit dem Flughafen Wien ist man sich über Gebürensenkungen so gut wie einig.

Personal 40 Millionen Euro sollen von den Mitarbeitern kommen. Ein Streitpunkt sind die Betriebspensionen für die Altpiloten. Für deren garantierte Höhe sind 180 Mio. rückgestellt, der Betriebsrat hat die Auflösung von 33 Mio. Euro angeboten.

(kurier) Erstellt am
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