Die begehrtesten Saphire kommen aus dem Kashmir-Gebirge oder – wie der Ring, der am 2. Juni in Wien versteigert wird – aus Burma.

© /Dorotheum Wien

Edelsteine
05/21/2016

Auktionen: Der Juni wird ein Juwelen-Monat

Rekordverdächtige Auktion in London. In Wien 224 Schmuckstücke unter dem Hammer.

von Hermann Sileitsch-Parzer

Unfassbare 55 Millionen Euro: Diesen Preis erzielte Anfang Mai der Rohdiamant "The Constellation", der 813 Karat wiegt und im November 2015 in Botswana gefunden worden war. Der Käufer blieb anonym. Es sei ein Profi, der den Stein schleifen wolle, teilte der Vorbesitzer, die kanadische Bergbaugesellschaft Lucara, lediglich mit. Es war das der bis dato höchste Preis für einen Rohdiamanten, der freilich schon Ende Juni übertroffen werden dürfte (siehe Bericht unten).

Juwelen-Auktion in Wien

Ganz so hoch werden die Preise am 2. Juni im Palais Dorotheum in Wien zwar nicht gehen. Dafür kommen bei der Wiener Juwelen-Auktion 224 Schmuckstücke unter den Hammer; der Schwerpunkt liegt auf Saphiren und Brillanten. Der Star der Versteigerung ist ein Ring mit einem 8,30-Karat-Saphir, der aus Burma stammt. Der Schätzwert liegt bei 50.000 bis 100.000 Euro. "Ich bin mir sehr sicher, dass wir diesen Ring sehr gut verkaufen und darüber liegen werden", erklärt jedoch Astrid Fialka-Herics, Leiterin der Juwelen-Abteilung im Dorotheum.

Zertifizierte Qualität

Eignen sich solche Steine auch als Wertanlage? Ja, sagt Fialka-Herics im Gespräch mit dem KURIER. Entscheidend sei aber die Qualität: "Darauf zu hoffen, dass ein mittelmäßiger Stein beständig im Wert steigt, das funktioniert sicher nicht. Bei einem Spitzenstein gibt es hingegen gute Chancen, dass der Wert zulegt." Die Expertin rät deshalb, bei der Qualität keine Abstriche zu machen. "Es kommt auf den verfügbaren Geldbetrag an. Bei 10.000 Euro würde ich auf eine höhere Karatzahl verzichten und dafür einen wirklich lupenreinen Stein wählen", rät Fialka-Herics.

Zur Wahl stehen Diamanten, Farbsteine (also Saphire, Rubine, Smaragde) oder Schmucksteine, wie alle anderen Edelsteine genannt werden. "Diamanten sind am wenigsten von Moden abhängig", erklärt die Expertin. Die Qualität hängt ab von der Größe des Steins (das Gewicht wird in Karat gemessen), der Reinheit (von lupenrein bis Piqué 3, also mit vielen/großen Einschlüssen) und der Farbe, die mit Buchstaben von D bis Z bezeichnet wird. Eine Spezialität sind färbige Diamanten ("Fancy"), die besonders in Blau oder Rot sehr selten sind und hohe Preise erzielen. Sofern sie unbehandelt sind: Das muss durch mindestens ein international anerkanntes Zertifikat bestätigt sein, das nicht älter als drei bis fünf Jahre sein darf. Das renommierteste Institut ist GIA aus den USA. Die etwa 1000 bis 3000 Euro seien meist gut investiert, sagt Fialka-Herics: "Bei großen Steinen raten wir den Kunden, diese Kosten auf sich zu nehmen." Unter den Schliffen erweise sich das klassische Brillant-Rund am wertbeständigsten. Sogenannte Fantasieschliffe wie Herz-, Tropfen- oder Marquise-Schliff unterlägen größeren Preisbewegungen.

Schwankende Nachfrage

Wie viel sollte man investieren und welche Wertsteigerungen sind möglich? Der Wiener Juwelenhändler Thomas Schröck (Diamond Invest) rät zu Investitionen ab einer Summe von 5000 Euro. Dabei sollte man aber einen Zeithorizont von mindestens fünf bis zehn Jahren einplanen – zur Spekulation seien Steine nicht geeignet. Schröck kalkuliert mit Wertzuwächsen bei Diamanten von 1 bis 2 Prozent und bei guten Rubinen und Saphiren sogar 3 bis 4 Prozent pro Jahr.

Garantie gibt es dafür keine. Jeder Stein ist ein Unikat und hat nur einen Wert, wenn sich ein Käufer findet. Und anders als bei Gold und Silber gibt es für Juwelen keinen Handelspreis, an dem sich Anleger orientieren können.

Von Mitte 2014 bis Anfang 2016 fielen die Preise für Rohdiamanten laut der Beratungsfirma Bain um fast ein Viertel. Grund war die schwächelnde Konjunktur in China, die die Nachfrage drosselte. Die Aussichten seien aber intakt. In den nächsten 15 Jahren werde die Nachfrage jährlich um drei bis vier Prozent wachsen, glauben die Bain-Experten.

Der Edelstein als "Lutschbonbon"

Fast so groß wie ein Tennisball: Am 29. Juni soll "Lesedi La Rona" im Londoner Auktionshaus Sotheby's versteigert werden. Der mit 1109 Karat größte Rohdiamant, der in den letzten 100 Jahren gefunden wurde, wird auf 70 Millionen Dollar geschätzt.

Bei Klunkern dieser Größe stellt sich die Frage: Aufteilen oder nicht? Schleifen oder nicht? Das können nur Profis beurteilen, sagt Juwelen-Expertin Astrid Fialka-Herics. Die Struktur des Steines muss analysiert werden, damit gesichert ist, dass er nicht zerbröselt. Wichtig sei es, die Einzigartigkeit zu erhalten.

Das kann auch die Historie betreffen: Einen besonderen „Frevel“ beging der Londoner Juwelenhändler Laurence Graff. Er ersteigerte 2008 um fast 19 Millionen Euro den „Blauen Wittelsbacher“, einen 35,5 Karat schweren blauen Diamanten. Die Geschichte des Steins begann 1666 bei den Habsburgern in Wien, bevor er ab 1712 zwei Jahrhunderte lang die bayrische Krone zierte. Dort steckt heute ein Glasduplikat. Nach mehreren Vorbesitzern – angeblich auch die österreichische Milliarden-Erbin Heidi Horten – erwarb Graff das Stück, ließ ihn neu schleifen und taufte ihn auf „Wittelbach-Graff“ um. Damit strahlt er blauer denn je, wurde aber um 4,5 Karat und die historische Aura erleichtert. „Flach gemacht wie ein Lutschbonbon“, urteilte ein deutscher Historiker.
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