Wirtschaft
12.02.2018

E-Mobilität: Was Oslo Wien voraus hat

Norwegen setzte früh auf E-Mobilität © Bild: REUTERS/STAFF

Die norwegische Hauptstadt setzt beim Individualverkehr neue Maßstäbe.

Derzeit spielt sich die Elektromobilität vorzugsweise im Speckgürtel großer Städte ab: Die Besitzer und Benutzer cruisen tagsüber zu Arbeitsplätzen und Supermärkten und laden das Vehikel bequem über Nacht wieder auf. Schwerer haben es die Umsteiger in Ballungsgebieten. Wer in der Stadt wohnt und zum E-Mobil tendiert, fragt sich, wo er sein Fahrzeug laden könnte. Und dann ist auch schon wieder Endstation. Denn ohne Garage und ohne Parkplatz im Hinterhof ist man aufgeschmissen wie ein Käfer auf dem Rücken. Nicht mal ein Verlängerungskabel über den Balkon hinabgelassen hilft, man könnte ja Passanten gefährden.

Natürlich könnte auch in Graz oder Wien in der hauseigenen Garage geladen werden – doch hierfür sind meistens kleinere oder größere Einbauten notwendig. Wobei die Hürde nicht so sehr der Preis für die Verlegung eines Elektrokabels zum eigenen Parkplatz ist, sondern Bürokratie und überkommene Gesetze: Meistens scheitert der Ladeplatz an der Unmöglichkeit, von allen Mitbesitzern des Hauses die – derzeit notwendige – Einwilligung zu erlangen. Die neue Bundesregierung hat angedeutet, hier Erleichterungen beschließen zu wollen.

Ladetechnische Wüste

Wenn es also schon unter der Erde sehr schwierig ist, umso mehr benötigen die Elektromobilisten oberhalb eine Lademöglichkeit. Doch die ist vor allem in Wien Mangelware. Während in Paris, Barcelona oder Amsterdam die Ladestationen häufig zu sehen sind, ist Wien eine ladetechnische Wüste.

Oslo, die Hauptstadt der Elektroauto-Großmacht Norwegen, ist überhaupt Spitzenreiter: Bezogen auf die Einwohner gibt es dort 32-mal so viele Ladepunkte wie in Wien. Oder anders ausgedrückt: 15.000 Einwohner müssen sich in Wien eine Säule teilen, während es in Oslo 32 Säulen sind.

Zum Vergleich: Derzeit existieren in Wien laut e-tankstellenfinder.at gerade mal 130 Ladestationen, die allermeisten in Garagen. Die viel kleinere Stadt Oslo hat 1300 Ladestellen, in Amsterdam sind es 2100, in Paris 10.000.

Vor fast zwei Jahrzehnten haben sich die Norweger dazu entschlossen, diesen Sonderweg einzuschlagen, haben allerlei Vergünstigungen ersonnen, um die Zukunft ins Land zu holen, die Elektromobilität. Und das alles trotz der großen Ölvorkommen im Land – die fossilen Vorkommen würden fast kostenlosen Sprit bedeuten.

"Wien bekennt sich voll und ganz zur E-Mobilität", sagt Vizebürgermeisterin Maria Vassilakou, mit dem Aufholbedarf der Bundeshauptstadt konfrontiert. "In Wien entsteht derzeit ein Basisnetz für E-Mobilität, das je nach Bedarf erweitert werden kann."

500 neue Stationen

Konkret beginnt heuer die Installation von den ersten der geplanten 500 Ladestationen in Wien, die jeweils zwei Ladepunkte aufweisen werden. Damit möchte die Stadtregierung bis 2020 fertig sein. Diverse Postings in den einschlägigen Mobilitätsforen mokierten sich allerdings rasch darüber, dass die Leistung von 11 Kilowatt (kW) recht überschaubar gewählt wurde. Schnelllader mit 50 kW und mehr seien eigentlich State of the Art. Mit 50 kw sind viele E-Autos innerhalb von 30 Minuten rund 80 Prozent aufgeladen.

Bernhard Kern, Obmann der österreichweit tätigen Elektro-Mobilitäts-Clubs Austria (EMC), sagt: "Viele Gemeinden müssen noch ihre Hausaufgaben erledigen, da liegt noch viel Potenzial ungenutzt herum." Die Anzahl der E-Tankstellen pro Einwohner mit einer oder mehreren Ladesäulen (und wiederum mit einem oder mehreren Ladepunkten, Steckdosen) sei jedenfalls ein verlässlicher Indikator für den echten Willen der Kommunen, die fossilen Verbrenner möglichst rasch von der Straße zu bekommen.

Weitere Goodies sind aber ebenso bedeutend: Gratisparken, Gratisladen, freie Fahrt auf der Busspur und Mautbefreiungen sind nur einige wenige der (leistbaren) Incentives, die Gemeinden geben können. Virtuos unter Beweis gestellt wurde das eben in Norwegen, wo das gesamte Instrumentarium ausgepackt worden ist – und Erfolg hatte. Denn im vergangenen Jahr haben nicht weniger als 52 Prozent aller neuangemeldeten Fahrzeuge dort einen Elektro-Anschluss (31 Prozent reine E-Autos, 21 Prozent Hybridversionen).

"Vor allem in den Städten brachten die Goodies für Elektro-Fahrzeuge viele zum Umdenken", sagte Doris Holler-Bruckner vom "Bundesverband nachhaltige Mobilität". Goodies sind die Fahrerlaubnis auf Busspuren, Gratisparken in der Innenstadt, keine Mautgebühren sowie Zuschüsse beim Einbau von Ladestationen in Mehrfamilien-Wohnhäusern. Das alles trägt dazu bei, dass in Oslo 80.000 E-Fahrzeuge angemeldet sind. In Wien sind es nur 1400.

- Herbert Starmühler