© Gerhard Deutsch

Technologieentwicklung
11/30/2012

E-Autos kommen nicht vom Fleck

Verbund und Siemens präsentierten ein System zur Ladeinfrastruktur.

von Markus Stingl

Die aktuellen Fähigkeiten von Elektroautos erfüllen nicht die gesellschaftlichen Bedürfnisse. Weder die Reichweite, noch die Kosten oder die Ladezeit der Batterie lassen erwarten, dass sich Elektroautos in absehbarer Zeit als Alternative zu herkömmlichen Verbrennungsmotoren durchsetzen werden.“

Eine Aussage, die es in sich hat. Stammt sie ja nicht aus dem Mund eines ewiggestrigen Energiewende-Verweigerers, sondern ist die Konzernmeinung des japanischen Autobauers Toyota, seines Zeichen Vorreiter und -denker bei Hybridautos und Elektromobilität.

Es ist ferner eine Aussage, die punktgenau die Realität widerspiegelt. Auch in Österreich. Hierzulande wurden im Oktober sage und schreibe 53 Elektroautos neu zugelassen. Insgesamt waren es heuer 362. Zum Vergleich: Die Neuzulassungen von Diesel und Benzinern summieren sich von Jänner bis Oktober auf rund 290.000. Bis 2020, so der mehr als ambitionierte Plan von Umweltminister Niki Berlakovich, sollen 250.000 Elektroautos auf heimischen Straßen unterwegs sein. Derzeit sind es gerade mal 1400.

Kaufprämien

Doch was könnte den großen „Bang“ auslösen, der Elektromobilität auf die Überholspur katapultiert? Die deutsche Autoindustrie fordert Anreizprämien, die Private beim Kauf eines E-Autos vom Staat bekommen. Die Forderung ist nachvollziehbar, denn billig sind die Stromer nicht. Für einen Opel Ampera legt man schon einmal rund 45.000 Euro auf den Tisch. Es müsse etwas getan werden, „um für die Kunden das Angebot noch attraktiver zu machen“, sagte Daimler-Chef Dieter Zetsche unlängst.

Doch Kanzlerin Angela Merkel winkt ab. Sie will ihr Ziel – eine Million E-Autos in Deutschland bis 2020 – ohne Kaufprämien erreichen. Für Vizekanzler und Wirtschaftsminister Philipp Rösler ist klar: Die besten Treiber für E-Mobilität sind Innovation, freier Markt und Wettbewerb. Immerhin setzt er sich dafür ein, Elektroautos steuerlich zu begünstigen und ihnen Vorteile im Straßenverkehr einzuräumen – etwa bei der Nutzung von Sonderspuren für Stromer. Auch in Österreich hält die Regierung im Übrigen wenig von Kaufprämien.

Bleibt also Forschung und Entwicklung. Damit konnte vergangene Woche auch das kleine Österreich aufwarten. Im Zuge ihrer bereits seit Längerem laufenden Kooperation im Elektromobilitätsbereich präsentierten der Verbund und Siemens Fortschritte bei ihrem Forschungsprojekt EMPORA. Im Fokus des Projekts steht die Bereitstellung eins zukunftsfähigen Ladein­frastruktursystems: vom Lade-, über das Datenmanagement, der Bereitstellung von erneuerbarer Energie bis hin zu Verrechnung und Kundenmanagement. Ziel sei es, das Angebot für die Konsumenten so nutzerfreundlich wie möglich zu gestalten.

Darin liegt für Verbund-Chef Wolfgang Anzengruber auch der Schlüssel zum Erfolg der Elektromobilität. Es gelte den zweifelhaften Charme einer „Birkenstocksandalen-Technologie“ zu vermeiden.

Kein Problem sei die Bereitstellung des Stroms aus vorwiegend erneuerbaren Energien (zumindest in Österreich). Für eine „gewisse Durchdringung mit E-Autos“, so Anzengruber, brauche es nur um ein Siebzigstel mehr Strom, als derzeit in Österreich verbraucht wird.

Zweiter Frühling

In den 1990er-Jahren galt die auf Wasserstoff basierende Brennstoffzelle als die erfolgversprechendste Zukunftstechnologie im Verkehrssektor. Doch dem Hype folgten die Mühen der Ebene – die Brennstoffzelle verschwand im Forschungs-Nirwana und musste den Platz an der Sonne an das batteriebetriebene Elektroauto abgeben.

Da aber auch bei Letzterem die ganz große Initialzündung noch ausgeblieben ist, erlebt die Brennstoffzelle derzeit ihren zweiten Frühling. In Österreich eröffnete die OMV vor Kurzem die erste öffentliche Wasserstofftankstelle in Wien-Floridsdorf. Zwar gebe es landesweit erst ein einziges Wasserstoff-betriebenes Auto (die Energieumwandlung erfolgt mittels Brennstoffzelle), sagte OMV-Boss Gerhard Roiss. Es gehe aber noch immer vorrangig um Forschung und Entwicklung. Darüber hinaus hätten verschiedene Autobauer bereits angekündigt, ab 2014 mit der Serienproduktion von Wasserstoffautos zu beginnen. Deren Vorteile gegenüber E-Autos: Die viel größere Reichweite und die weitaus kürzere Tankdauer.

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