Wirtschaft
19.04.2017

E-Auto-Vermieter schlittert in die Pleite

Das Unternehmen hat Tesla-Fahrzeuge angeboten, Investor soll abgesprungen sein. Auch Anleger verlieren viel Geld.

„Es ist eine spannende Reise. Wie bei jedem Startup, wissen wir nicht, was uns morgen erwartet. Aber bisher war jeder Tag ein spannender Schritt“, mit diesem Slogan wirbt die Wiener blitzzcar Austria GmbH um „Trendscout“ Peter Ungvari seit zwei Jahren um Kunden. Nun haben die blitzzcar Austria und ihre Mutterfirma blitzzcar Holding GmbH mit Sitz in Wien-Landstraße jeweils ein Konkursverfahren beim Handelsgericht Wien beantragt. Über Letztere ist das Verfahren laut Creditreform bereits eröffnet worden. Blitzzcar ist aber nicht nur in Österreich und Deutschland aktiv, sondern über eine Aktiengesellschaft in der Schweiz.

"Einer der Insolvenzgründe ist, dass ein Finanzinvestor, der eine Beteiligung im Dezember 2016 unterschrieben hat, diese Zahlung schuldig geblieben ist", sagt Peter Ungvari zum KURIER."Unser Hauptgeschäft war zuletzt einen Finanzinvestor zu finden, da weiteres Eigenkapitel für den weiteren Ausbau nötig war."

Investoren verlieren viel Geld

Besonders bitter ist die Insolvenz des Tesla-Vermieters für die Investoren, die über ein Crowdfunding rund 400.000 Euro in das Unternehmen gesteckt haben. Sie werden am Ende des Tages kein Geld mehr sehen. Bei ihren Investments handelt es sich nämlich um sogenannte nachrangige Darlehen. Mit dem Geld der Anleger wurde die Depots bei den Leasingfirmen gefüllt, damit blitzzcar die Fahrzeuge überhaupt erst anmieten konnte. Dazu muss auch wissen, dass ein Tesla zwischen 80.000 und 160.000 Euro kostet.

Die Geschäftskonzept von Ungvar basierte auf der Annahme, dass Autofahrer 1000 Euro bei blitzzcar investieren und diese Crowdinvestoren mieten dann diese Tesla pro Tag zu einen verbilligten Preis (138 Euro pro Tag) an. Auch wurde die Anmietung von Teslas über Geschenkgutscheine vermarktet. Doch auch das brachte nicht den notwenigen Umsatz bzw. Gewinn.

Ging es nach den Berechnungen von Ungvari, so sollten 80 Prozent dieser Crowd-Investoren dieses Miet-Angebot auch annehmen. Oder anders gesagt: Die Investoren verzichten auf ein eigenes Fahrzeug und fahren die Teslas von blitzzcar.

"Viele haben investiert, aber das Angebot nur einmal in Anspruch genommen", erzählt der Firmenchef. Doch diese Annahme, die zu einer Grundauslastungen führen sollte, entpuppte sich als falsch. Eine Grundauslastung der Tesla-Fahrzeuge kam nicht zustande. Detail am Rande: Rund 1200 Kunden umfasst laut Ungvari die Datei von blitzzcar Austria.

Idee nicht aufgegangen

"Diese Leasingverträge waren sehr vorscihtig angelegt, aber nicht so, dass es zu einer Insolvenz kommt", sagt Ungvari zum KURIER. "Wir hatten in der österreichischen Gesellschaft 14 Fahrzeuge über drei Leasinggesellschaften finanziert." Auch das Geschäft in Deutschland wurde von Österreich aus gesteuert.

Laut Ungvari gab es aber noch zwei weitere Probleme: Ein Tesla-Fahrzeug war ständig in der Kfz-Werkstätte; eine Reparatur soll sogar fast ein halbes Jahr in Anspruch genommen haben. Der Grund: Ersatzteilprobleme. Außerdem soll dem Unternehmen die Kundendatei angeblich mit illegalen Methoden abgesaugt worden sein. Laut Ungvari habe man Strafanzeige erstattet - offenbar gegen einen ehemaligen Mitarbeiter.

Allein blitzzcar Austria hatte im Geschäftsjahr 2015 rund 418.000 Euro Schulden in den Büchern, der Bilanzverlust betrug 204.000 Euro. Der gesamte Schuldenstand ist derzeit noch nicht bekannt.