Wirtschaft
22.03.2017

Dijsselbloem bedauert Missverständnisse um seine Aussagen

Eurogruppenchef verglich das Finanzgebahren südlicher Länder damit,sein "ganzes Geld für Schnaps und Frauen auszugeben". Schäuble steht weiter hinter Dijsselbloem.

Eurogruppen-Chef Jeroen Dijsselbloem will wegen seiner umstrittenen Äußerungen über staatliches Verhalten in der Schuldenkrise nicht den Hut nehmen. "Ich habe nicht die Absicht, zurückzutreten", sagte Dijsselbloem am Mittwoch gegenüber niederländischen Medien. "Ich bedauere, dass meine Aussage missverstanden wurde und ich bedauere, dass es als 'Nord-gegen-Süd' aufgefasst wurde."

Es tue ihm zudem leid, wenn sich jemand durch seine Äußerungen angegriffen fühle. "Es war direkt, es kann mit der calvinistischen Kultur und niederländischer Direktheit erklärt werden."

Dijsselbloem hatte laut einem am Montag veröffentlichen Interview mit der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" im Zusammenhang mit der Einhaltung des EU-Stabilitäts- und Wachstumspakts gesagt: "Ich kann nicht mein ganzes Geld für Schnaps und Frauen ausgeben und anschließend Sie um ihre Unterstützung bitten." Aus Portugal und Spanien wurden daraufhin Rücktrittsforderungen laut.

"Ich frage mich wirklich, wie jemand mit diesen Ansichten noch immer Vorsitzender der Eurogruppe sein kann", sagte der italienische Fraktionsvorsitzende der Sozialdemokraten im Europaparlament, Gianni Pittella. Die Äußerungen seien "beschämend" und "diskriminierend gegenüber den Ländern Südeuropas."

Eurogruppen-Vorsitz in Frage gestellt

Der portugiesische Außenminister Augusto Santos Silva, auch ein Sozialdemokrat, sagte am Dienstag in Washington, Dijsselbloems Äußerungen seien "vollkommen inakzeptabel". Er sei nicht geeignet, "um Vorsitzender der Eurogruppe zu bleiben".

Der 50-jährige Dijsselbloem ist ist 2013 Eurogruppen-Chef. Sein Mandat war im Juli 2015 um nochmals zweieinhalb Jahre verlängert worden und endet regulär am 1. Jänner 2018. Nach der Wahlschlappe der Sozialdemokraten in den Niederlanden dürfte er nun aber seinen Posten als Finanzminister in den kommenden Wochen verlieren. Die Euro-Staaten sind uneins in der Frage, ob er dann bis zum Ende seiner Amtszeit noch Eurogruppenchef bleiben kann.

Dijsselbloem weigerte sich am Dienstag bei einer Anhörung im EU-Parlament, sich für den Schnaps- und Frauen-Vorwurf zu entschuldigen. "Nein, sicherlich nicht", sagte er auf eine entsprechende Forderung eines EU-Abgeordneten.

Der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble steht weiter hinter dem Eurogruppen-Vorsitzenden Jeroen Dijsselbloem. Eine Sprecherin des Finanzministeriums sagte am Mittwoch in Berlin, Schäuble schätze die Arbeit des Niederländers. Sie fügte hinzu: "Wir vergeben keine Stilnoten für Interviewäußerungen."