Dunkle Wolken über dem Opel-Werk in Rüsselsheim

© APA/dpa/Frank Rumpenhorst

Abgaswerte
10/18/2016

Diesel-Affäre: Jetzt drohen auch Opel Klagen

Der Rückruf bei VW läuft hierzulande im Schneckentempo. Indes wehrt sich Opel gegen Abgas-Vorwürfe der Deutschen Umwelthilfe.

von Kid Möchel

Der Abgasskandal bei Dieselfahrzeugen des VW-Konzerns wird die heimischen Werkstätten noch länger beschäftigen. Denn das deutsche Kraftfahrtbundesamt hat erst 107.000 der 388.000 in Österreich betroffenen Fahrzeuge für den Rückruf freigegeben. Rund 56.700 Pkw wurden schon nachgerüstet. Das ist etwas mehr als ein Siebtel aller heimischen Dieselgate-Fahrzeuge.

Rückruf im Schneckentempo

"VW plant, bis Jahresende technischen Lösungen für alle betroffenen Fahrzeuge verfügbar zu haben und dafür auch die technische Freigabe zu erhalten", sagt Richard Mieling, Sprecher des Salzburger Generalimporteurs Porsche Holding, zum KURIER. "Der Rückrufprozess wird damit noch in das Jahr 2017 hineinreichen und aus heutiger Sicht zumindest bis Jahresmitte 2017 laufen."

Branchenkenner rechnen damit, dass der Rückruf noch bis Ende 2017 dauern wird. Der zeitliche Verzug erklärt sich dadurch, dass VW für mehrere Hundert Modellvarianten ihrer fünf betroffenen Marken Audi, Seat, Skoda, Porsche und VW dem Kraftfahrtbundesamt in Flensburg eigene technische Lösungen liefern muss.

Doch nicht nur bei VW-Fahrzeugen sind die Abgaswerte (Stickoxide) überhöht. Wurde bei VW die Software manipuliert, um bei Abgastests den Stickoxidausstoß automatisch herunterzufahren, so wird bei Pkw anderer Hersteller die Abgasreinigung bei bestimmten Außentemperaturen oder bei bestimmten Luftdruck-Werten abgeschaltet – angeblich zum Schutz der Motoren. "VW ist nicht der schlimmste Abgassünder", sagt Jürgen Resch, Chef und Abgasexperte des Vereins Deutsche Umwelthilfe (DUH), zum KURIER.

Klagen gegen Opel

Einige Hersteller sind der Ansicht, dass sie nur unter Prüfbedingungen die Abgas-Werte einhalten müssen. "Die häufigste Abschaltung erfolgt bei einer bestimmten Temperatur, bei Opel bei weniger als 17 Grad und mehr als 33 Grad Celsius", sagt Jürgen Resch.

Der Verein startet nun Klagen gegen verschiedene Opel-Modelle wie den Insignia. "Mit dem Ziel, dass der Europäische Gerichtshof klärt, was heißt, die Abgasreinigung muss im normalen Gebrauch funktionieren", sagt Resch zum KURIER. "Wir werden Opel auch klagen, damit die Typzulassung für die Modelle Insignia und Zafira entzogen wird." Nachsatz: "Unserer Ansicht nach müssen die Prüfwerte nicht nur im Labor, sondern auf der Straße erreicht werden." Die Abgasreinigungsanlagen müssen laut Resch im normalen Gebrauch wirksam sein.

Opel wehrt sich

"Die Anschuldigung, dass Opel eine illegale Abschaltvorrichtung einsetzt, hat keine Grundlage", kontert ein Opel-Sprecher. Seit August 2016 komme bei den Zwei-Liter-Versionen der Modelle Insignia, Cascada und Zafira ein Software-Update zum Einsatz. Die Abgasreinigung wird bei den neuen Modellen nicht mehr wie üblich im Temperaturbereich unter 17 Grad und mehr als 33 Grad Celsius abgeschaltet, sondern arbeitet von minus acht bis plus 50 Grad. Zugleich wird die Abgasreinigung bei mehr als 145 Stundenkilometern nicht mehr abgeschaltet.

Auch bei Fiat soll es eine Temperaturschwelle geben, bei der die Abgasreinigung abgedreht wird. Resch: "Die italienischen Behörden sagen, die durchschnittliche Fahrzeit beträgt 20 Minuten und wenn ein Fiat nach 21 Minuten 40 Sekunden die Abgasreinigung abschaltet, sei das in Ordnung."

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