Wirtschaft
01.08.2017

Die Verschmelzung der RHI mit Magnesita löst heftige Kritik aus

Die umstrittene Fusion der RHI mit Magnesita soll am Freitag in einer außerordentlichen Hauptversammlung abgesegnet werden.

Kleinaktionäre sind offenbar nicht feuerfest. Auch nicht beim österreichischen Feuerfest-Weltmarktführer RHI. Obwohl zwei Drittel des Konzerns in Streubesitz sind, erwarten Insider, dass der Großteil der Kleinaktionäre am kommenden Freitag mit den Großaktionären rund um den Investor Martin Schlaff mitstimmen. Und die Fusion mit dem nur rund halb so großen brasilianischen Konkurrenten Magnesita absegnen. Die RHI ist, sagte ein Sprecher am Montag, "überzeugt, dass die Aktionäre den Mehrwert dieser Transaktion erkennen und zustimmen".

Magnesita zu teuer

Obwohl Kleinaktionärsvertreter Wilhelm Rasinger vom Interessenverband für Anleger (IVA) davor warnt. Er sieht "gravierende Nachteile" für den Streubesitz. Denn der Kauf des brasilianischen Konzerns sei viel zu teuer. Obwohl Magnesita 700 Millionen Euro Schulden mitbringe, werde sie mit 400 Millionen Euro bewertet. Die Verlagerung der Konzernzentrale des fusionierten Unter- nehmens nach Amsterdam und die Notierung der Aktie in London würde wegen der mehrsprachigen Konzernstruktur die Unternehmensführung verteuern. Die operative Führung bleibt vorerst in Österreich, nicht fixiert ist freilich, wie lange noch.

Standortfragen offen

Das weiß bis jetzt auch die Belegschaftsvertretung nicht, sie ist über die Zukunft des neuen Konzerns noch relativ wenig informiert. Zentralbetriebsratsobmann Roland Rabensteiner über die Zukunft der österreichischen Standorte: "Darüber haben wir noch keine Informationen vom Vorstand, das werden wir beraten, wenn die Fusion beschlossen ist." Der neue Konzernchef Stefan Borgas hatte angekündigt, dass eine Reihe von Werken geschlossen werden sollen. Ob auch österreichische Standorte gefährdet sind, ließ er offen.

Mit Kritik spart auch Investor Rupert-Heinrich Staller nicht, einer der größeren Kleinaktionäre der RHI: "Ein Vorstand sitzt in den Niederlanden, einer in Österreich, einer in Deutschland und einer in Südamerika. So kann man doch kein Unternehmen führen." Die Kleinaktionäre würden in ihren Rechten stark beschnitten: "Die Hauptversammlungen werden in Zukunft in Amsterdam in einem Hotel stattfinden. Für eine Aktionärsversammlung fliegt doch kein Kleinaktionär nach Amsterdam."

Auch er kritisiert die Struktur als zu teuer. Die Fusion sei "eher eine Exit-Strategie Schlaffs als eine Stärkung der RHI." Schließlich habe Schlaff die RHI bei diesem Deal beraten, der Beratungsvertrag sei aber bisher geheim gehalten worden. Staller: "Man hat aber versprochen, dass der Vertrag bei der Hauptversammlung offen gelegt wird."