Wirtschaft
09.02.2017

Die Post sucht das Geschäft nach dem Brief

Eine Briefträgerin schiebt einen gelben Brief-Container © Bild: KURIER/Gerhard Deutsch

Die Post soll künftig Daten sammeln und Amtswege erledigen. Auch ältere Menschen rücken stärker in den Fokus.

Die Post leidet unter anhaltendem Briefmangel. Um die jährlich um drei bis fünf Prozent schrumpfende Briefmenge zu kompensieren, ist Post-Chef Georg Pölzl auf die Suche nach neuen Services gegangen. Unter anderem über einen Ideenwettbewerb via Internet. Eine prominent besetzte Jury – darunter Staatssekretär Harald Mahrer (ÖVP) – bewertete die insgesamt 237 Vorschläge und wählte für die ersten drei Plätze fünf Ideen aus. Die Vorschläge werden jetzt, sagt Post-Sprecher Michael Homola, auf ihre Umsetzbarkeit geprüft.

Sensoren für die Luftqualität

Die Sieger-Idee von Max Wöhrer setzt die Post und ihre Zusteller als Datensammler ein. Konkret sollen Sensoren an den Postfahrzeugen die Luftqualität messen. Parallel dazu soll auch die Lärmentwicklung gemessen werden, die Daten könnten bei der Planung von Lärmschutz-Aktionen genutzt werden. Auch Zonen mit schlechtem Mobilfunk- oder WLAN-Empfang könnten so festgestellt werden.

Maximilian Schmitz, dessen Idee auf Platz 2 landete, will ebenfalls Daten per Post sammeln. Konkret schweben ihm Bilder oder kurze Videos eines bestimmten Gebäudes bzw. des "Grätzls" rund um bestimmte Immobilen in Echtzeit vor. Damit sollen etwa Immobilien-Makler ein genaueres Bild vom Umfeld einer Immobilie gewinnen.

Behördenwege per Postler

Auch potenzielle Geschäfts- oder Restaurant-Gründer sollen über den aktuellen Zustand des Umfeldes den Kunden-Zulauf besser abschätzen können. Private Kunden könnten die Umgebung ihres Heims während des Urlaubs kontrollieren, auch das Auto, das an der Straße abgestellt ist. Oder aber sie sehen sich im Internet nur an, wie ihr Geburtshaus und dessen Umgebung heute aussehen.

Den dritten Platz müssen sich gleich drei Ezzes-Geber teilen. Marlene Jost wünscht sich, dass ihr die Post Behördenwege abnimmt. Natürlich gegen Bezahlung. Dafür wäre sie als Post-Kundin sogar bereit, "ihrem" Postler eine Vollmacht zu erteilen, wenn dies für bestimmte Amtswege nötig sein sollte. Konkret sollen viele Post-Zusteller die Unterlagen für Behördenwege bei den Kunden einsammeln, ein weiterer Kollege, für den es in der Zustellung keinen Job mehr gibt, könnte sie dann in einem Aufwaschen erledigen.

Besucher

Andrea Wendy kann sich Postler als "Besucher" älterer Menschen vorstellen. Da Zusteller regelmäßig in jedes Haus kämen, könnten sie bei betagten Zeitgenossen anläuten und nach dem Befinden fragen. Meldet sich niemand, könnte eine Vertrauensperson des Kunden verständigt werden.

Den dritten dritten Platz holte sich Aadhithya Sujith mit der Idee, dass Postler bei ihren Kunden biometrische Daten – etwa Fingerabdrücke oder Iris-Scans – einsammeln und an die Behörden weitersenden. Auch Fotos oder digitale Unterschriften könnten dabei auf Datenträgern gespeichert werden. Das würde einerseits den Post-Kunden, aber auch den Behörden enorm viel Zeit bei der Datenerfassung ersparen.