Wirtschaft 05.12.2011

Die OMV gibt Schiefer-Gas

© Bild: AP

"Saubere" Förderung geplant: 130 Millionen Euro investiert die OMV in die Erkundung der Schiefergasvorkommen in Niederösterreich.

Mehr als 3500 Öl- und Gasbohrungen hat die OMV in den vergangenen 60 Jahren durchgeführt. Der jüngst bekannt gewordene Gasfund im niederösterreichischen Poysdorf sprengt allerdings alles bisher Dagewesene - der KURIER berichtete.

Die Gasmenge ist gigantisch, bis zu 240 Milliarden Kubikmeter werden von der OMV dort vermutet. "Die Wahrscheinlichkeit, dass dort Gas liegt, ist sehr hoch", sagte OMV-Boss Gerhard Roiss am Freitag. Damit könnte Österreich 20 bis 30 Jahre lang versorgt werden, bestätigte er erstmals.

Die Frage sei nicht nur, was dieser Fund für die OMV, sondern was er für die gesamte Republik bedeute. Es gehe um die künftige Entwicklung der heimischen Volkswirtschaft. Die Politik müsse entsprechende Entscheidungen treffen. Umweltminister Niki Berlakovich (ÖVP) allerdings erteilte der Förderung dieses Gases vor einigen Tagen bereits eine klare Absage.

Die Krux an dem Fund ist nämlich, wie dieses spezielle Gas im Boden gebunden ist. Nicht nur in großen Tiefen von mehr als 6000 Metern, sondern darüber hinaus verschlossen in harten Schiefersteinschichten. Dieses Schiefergas zu fördern, ist äußerst aufwendig und auch ökologisch höchst umstritten.

Der OMV-Boss forderte eine Versachlichung der Diskussion. "Wir haben dort kein Grundwasser in 6000 Meter, auch nicht in 2000." Wegen der großen Tiefe werde es in NÖ auch nicht nötig werden, wie in den USA, unzählige Fördertürme aufzustellen. "Wir können mit horizontalen Tiefenbohrungen arbeiten."

Neue Methode

Darüber hinaus wolle die OMV einen eigenen, transparenten und sauberen Weg gehen, um an dieses Schiefergas zu kommen. "Diesen Weg hab' ich aber noch nicht in der Tasche, das muss erst entwickelt werden", konstatierte der OMV-Boss. Bereits seit zwei Jahren sei man mit der Durchführung von Studien beschäftigt, die klären sollen, wie die in den USA gängige Fördermethode entsprechend adaptierbar sei.

In den kommenden 12 bis 24 Monaten werde man mit zwei Sondierungsbohrungen starten. Dafür würden 130 Millionen Euro in die Hand genommen. "Wenn wir es nicht schaffen, das Gas clean und gleichzeitig auch wirtschaftlich zu fördern, werden wir es nicht machen", stellte der OMV-Chef klar.
Roiss bezifferte die Wahrscheinlichkeit, dieses Gas auch wirklich fördern zu können, mit nur 20 Prozent. Aus derzeitiger Sicht könnte eine groß angelegte Förderung frühestens 2014/'15 starten. Dann freilich wären Milliarden-Investitionen vonnöten und Kooperationen mit internationalen Energiekonzernen denkbar, Interessenten hätten bereits angeklopft.

Nabucco geht Luft aus

Bei einem anderen OMV-Projekt, der Nabucco-Pipeline, mit der Gas aus der Kaspischen Region bis nach Österreich befördert werden soll, hält Roiss eine Richtungsentscheidung bis Sommer für möglich. Immens enthusiastisch klang er dabei nicht: "Mir ist nur wichtig, dass Gas aus dieser zweitgrößten Erdgasregion der Welt nach Baumgarten kommt." Mit welcher Pipeline, sei dabei nebensächlich.

Mehr zum Thema

  • Hauptartikel

  • Hintergrund

  • Hintergrund

( Kurier ) Erstellt am 05.12.2011