© Deleted - 1159896

Krisensicher
06/30/2014

Die Glaubenssätze der Gold-Fans

Anleger, die sich das Edelmetall ins Depot legen, misstrauen dem Aufschwung.

von Irmgard Kischko

Zwölf Jahre lang gab es für den Goldpreis nur eine Richtung: aufwärts, bis er 2011 mit 1920 Dollar pro Feinunze (31,3 Gramm) ein Allzeithoch erreichte. Darauf folgte der größte Abverkauf von Gold seit 1971. Anleger bevorzugten Aktien und Immobilien, Investments in Gold galten als fantasielos und uninteressant.

Hat Gold seine Attraktivität verloren? "Mitnichten. Gold wird in fünf Jahren schon seinen bisherigen Rekordpreis übersprungen haben", gibt sich Marcus Grubb, Direktor des World Gold Council in London überzeugt. Das Gold Council ist ein weltweiter Verband der Goldminen und -verarbeiter.

Grubb kennt die sieben "Glaubenssätze" der Gold-Fans, auf die er auch selbst setzt.

  1. "Gold ist die beste Versicherung gegen das Unbekannte, gegen Risiken, die man nicht kennt". Gold verliert nämlich im Gegensatz zu Aktien oder Anleihen niemals total an Wert.
  2. "Gold kauft man nicht nur zu Anlagezwecken. Gold liebt man. Die meisten Goldkäufe sind im Bereich Schmuck zu verzeichnen."
  3. "Der aktuelle Wirtschaftsaufschwung ist schwach und wird in einem Crash enden."
  4. "Die Zentralbanken haben zur Abmilderung der Krise zu viel Geld in die Märkte gepumpt. Das wird früher oder später in einer hohen Inflation enden."
  5. "Der Goldpreis hat bei 1200 Dollar je Feinunze einen Boden gefunden. Die Bewertung gegenüber Aktien ist fair."
  6. "Bliebe der Preis länger auf 1200 Dollar, würde ein Viertel aller Goldminen pleite gehen. Das schmälert das Angebot und erhöht den Preis." Und
  7. "Die Gold-Nachfrage in China und Indien wächst." Fast zwei Drittel der weltweiten Nachfrage nach Gold kommt aus Indien und China.

Insgesamt sind die Schwellenländer Asiens der große Hoffnungsträger der Goldbranche. Trotz der geringeren Kaufkraft sei die Pro-Kopf-Nachfrage in den Schwellenländern enorm hoch, sagt Hans Engel, Gold-Experte der Erste Bank. Bereits die Hälfte der Top-20-Goldkäufer der Welt komme von dort. Besonders die wachsende asiatische Mittelschicht habe ein Faible für Gold. Anleger sollten sich nach Ansicht von Engel nicht wegen eines kurzfristig möglichen Preisanstiegs kaufen, sondern zur Diversifizierung des Portfolios. "Gold ist purer Besitz. Der Preis korreliert mit anderen Vermögenswerten nur minimal", sagt Engel. Gold im Depot sei ein wesentlicher Stabilitätsfaktor, es sei hochliquide und könne somit jederzeit veräußert werden.

Alfred Reisenberger, Chefstratege der Valartis Bank Austria, kann dem nur zustimmen. "Gold hat seine Berechtigung in jedem Portfolio, aber eine Übergewichtung sollte man nicht mehr haben", sagt er. Denn es gebe derzeit weder ein Untergangsszenario noch eine hohe Inflation.

Die Erste Bank sieht den Ausblick für Gold dennoch glänzend. Nach einer langen Bodenbildungsphase sei Optimismus angebracht, glaubt Engel. Er vergleicht die Goldpreisentwicklung mit jener der Geldmenge. Und in dieser Relation hinke der Goldpreis deutlich hinten nach. "Gold ist günstig bewertet. Eine Gold-Blase ist nicht zu sehen", betont der Erste Bank-Experte. In einem Jahr werde der Preis 1500 Dollar übersteigen.

Einzige Währung, die überlebt

"Wir müssen endlich aufwachen, erwachsen werden, der Wahrheit furchtlos ins Auge blicken und dem finsteren Treiben einiger weniger entschlossen Einhalt gebieten!" Mit diesem und weiteren Aufrufen im Buch Der Goldkrieg will der offensichtliche Anhänger von Verschwörungstheorien, Michael Morris, die Leser wachrütteln und auf Ungereimtheiten rund um den weltweiten Handel und die Preisentwicklung von Gold hinweisen.

So soll der Sexskandal rund um den früheren IWF-Direktor Strauss-Kahn, der Sturz von Muammar al-Gaddafi oder der Autounfall mit Fahrerflucht eines Goldhändlers, der zu viel plauderte, in Zusammenhang mit dunklen Finanzmächten stehen, die den Goldmarkt beherrschen wollen. Denn "das Konfettigeld" (also Währungen) werde nur Unglück und Zerstörung bringen. "Gold ist die einzige Währung, die überleben wird." Als Quellen müssen oft Internetforen, Wikipedia und diverse Zeitungsartikel herhalten.

Daneben finden sich aber auch brauchbare Tipps zur Veranlagung in Gold, eine Abhandlung über die Entwicklung des Edelmetalls zur Wertanlage und Fakten zur weltweiten Lagerung und Förderung. Letztere sieht Morris wegen der ökosozialen Folgen durchaus kritisch.

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.