Wirtschaft 05.12.2011

Die Europäer sind besser, als sie glauben

Europa könnte ein Modell werden, wenn sich die EU besser organisiert.

Wien ist die Großstadt mit der höchsten Lebensqualität auf der ganzen Erde, bestätigt eine aktuelle Studie. Unter den Top Ten befinden sich nur zwei Städte, die nicht in Europa liegen: Auckland in Neuseeland und das kanadische Vancouver. Europa hat auch ein Gesellschaftsmodell, das besser funktioniert als jedes andere, das je ausprobiert wurde. Der Ausgleich zwischen den Interessen wird durch die parlamentarische Demokratie und unterschiedlich ausgeprägte Formen von Sozialpartnerschaft erreicht, bei allen Schwächen, die wir oft beklagen, aber immerhin. Nur bei der Innovationskraft hinken wir hinter dynamischen Wirtschaftsräumen her, aber den Anschluss haben wir noch nicht verloren. Wie kann da dauernd vom Ende des Euro, vom Zerfall der Europäischen Union die Rede sein? Die USA sind um vieles höher verschuldet, China fürchtet eine Bankenkrise, und alle neu entstehenden Wirtschaftsmächte, von der Türkei über Indien bis China und Brasilien, haben noch kein Modell für einen gesellschaftlichen Ausgleich gefunden.

Ende des Dollars?

Die EU hat die relativ niedrigere Verschuldung als die USA. Warum spekulieren wir nicht über das Ende des Dollars? Sein ökonomisches Genie hat US-Präsident Barack Obama bisher erfolgreich verborgen, an mögliche Nachfolger aus der republikanischen Partei wollen wir vorerst gar nicht denken, die nehmen gerade Nachhilfestunden in Geschichte und Geografie. Die Europäer sollten endlich begreifen, dass sie in der globalisierten Welt einig auftreten müssen. Es ist geradezu ein historischer Treppenwitz, dass weithin geschmähte, amerikanisch dominierte Ratingagenturen durch ihr umstrittenes Wirken die EU zu ihrem Glück zwingen. Jetzt kommt zwangsweise der nächste, absolut notwendige Schritt der europäischen Integration.

Fiskalunion

Beim EU-Gipfel in der kommenden Woche werden die Regierungschefs noch keine konkreten Vorstellungen über eine Veränderung der Verträge vorschlagen können. Aber Angela Merkel und Werner Faymann sind sich einig, dass eine Fiskalunion mit Durchgriffsrechten der Kommission kommen wird. Das bedeutet, dass zwar jedes Land weiterhin seinen eigenen Haushalt haben wird, aber mögliche Budgetsünder bevormundet werden können. So bekommt die gemeinsame Währung endlich die Grundlage, die sie von Anfang an gebraucht hätte. Aber besser jetzt als gar nicht.
Auch die Rolle der EZB wird sich wandeln, gemeinsame Eurobonds werden kommen. Und wenn Vizekanzler Spindelegger auf Kommissar und Veto verzichten will, sind auch das richtige Signale.

Die Geschichte der europäischen Einigung gleicht dem Aufstieg eines Kleinkindes auf einen steilen Berg. Ziemlich patschert, ständig raunzend, mit blutigen Knien, aber am Ende hoffentlich erfolgreich.

Mehr zum Thema

  • Hauptartikel

  • Hintergrund

  • Kommentar

  • Hintergrund

Mehr zum Thema

  • Hauptartikel

  • Hintergrund

  • Hintergrund

  • Bilder

  • Hintergrund

  • Kommentar

Mehr zum Thema

  • Hauptartikel

  • Hintergrund

  • Kommentar

  • Hintergrund

  • Bilder

( Kurier ) Erstellt am 05.12.2011