Wirtschaft 05.12.2011

Die Euro-Rettung dreht sich im Kreis

Europa muss rasch das Griechenland-Problem lösen. Doch zu viele, teils widersprüchliche Vorschläge haben die Schuldenkrise bisher eher verschärft.

Kommt es zu einer Umschuldung in Griechenland oder nicht? Wann spricht man überhaupt von einer Umschuldung? Löst das die Sorgen Portugals, Irlands und Italiens gleich mit oder droht wegen des Chaos und der Uneinigkeit der Spitzenpolitik gar der Untergang Europas? Italiens Finanzminister Tremonti sagt ungewöhnlich deutlich: "Europa hat ein Treffen mit dem Schicksal. Die Rettung kommt nicht von der Finanz, sondern von der Politik. Die Politik darf aber keine Fehler begehen. Es ist wie auf der Titanic: Auch die Passagiere der ersten Klasse retten sich nicht."

Laut Berechnungen der EZB scheint ein Schuldenerlass für Athen unausweichlich. Selbst bei konsequentem Sparen sinken Griechenlands Schulden bis 2020 nur auf 127 Prozent.

Fekter: Umschuldung ohne Haircut

Österreichs Finanzministerin Maria Fekter nimmt bei der Griechenland-Hilfe mittlerweile das Wort Umschuldung in den Mund. Einen Schuldenschnitt ("Haircut") lehnt sich jedoch weiter ab. Fekter Richtung Athen: "Mit der Fristerstreckung von Schuldenrückzahlungen und der Aufstockung der Hilfen kann man das schon als Umschuldung bezeichnen." Nachsatz: "Was ich nicht will, ist ein Haircut. Das wäre schlagartig ein Schaden für die österreichischen Steuerzahler." Da gebe es kreativere Lösungen, so Fekter.

Papandreou: Athen bittet um rasche Hilfe

Anfang Juli hätte das zweite Hilfspaket für Griechenland geschnürt sein müssen. Kern des Problems ist die Beteiligung Privater. Griechenlands Premier Papandreou verliert die Geduld: "Die aktuelle Stimmung hilft uns nicht, aus der Krise herauszukommen." Er begrüßt den Plan, wonach Athen mit Geld aus dem Euro-Rettungsfonds eigene Anleihen zur Hälfte des Nennwerts zurückkaufen könnte. "Diese Idee könnte Griechenland die Schuldenlast erleichtern, aber auch den Schuldendienst", so Papandreou zur FTD .

Merkel: EU-Gipfel erst nach Einigung

Deutschlands Kanzlerin Angela Merkel besteht bei der Griechen-Hilfe auf einer Beteiligung privater Gläubiger, wie Banken, Versicherungen und Fonds - was in Griechenland selbst sehr umstritten ist. Die strittige Frage verzögert den gesamten Verhandlungsprozess. Den dazu geplanten EU-Sondergipfel wird es laut Merkel erst geben, wenn die Lösung für Athen fertig ist und man im Kreis der Staats- und Regierungschefs auch darüber abstimmen könne. Man wolle eine schnelle Einigung, aber das Paket müsse auch vernünftig sein.

Ackermann: Abschläge bis zu 50 Prozent

Laut Josef Ackermann, Präsident des internationalen Bankenverbandes IIF, kann Griechenland nur mit einem Schuldenrückkaufprogramm geholfen werden. Der Bankensektor sei zur Hilfe bereit. Griechenland profitiere davon, dass die eigenen Staatsanleihen auf dem Markt je nach Laufzeit mit Abschlägen von bis zu 50 Prozent gehandelt werden. Dadurch könne günstig zurückgekauft werden, um den Schuldenstand zu reduzieren. Laut IIF würde das von den Ratingagenturen auch nicht als Zahlungsausfall gewertet werden.

Umfrage: Manager fürchten EU-Flächenbrand

Die Euro-Schuldenkrise lässt europäische Top-Manager an der wirtschaftlichen Schlagkraft der EU zweifeln. Vier von zehn österreichischen Wirtschaftslenkern fürchten ein Übergreifen der Schuldenkrise auf die Realwirtschaft. In Deutschland sieht gar jeder zweite Top-Manager einen EU-Flächenbrand vorher. Die ferne Zukunft sehen viele rosiger: Im EU-Durchschnitt glauben rund 60 Prozent der Manager, dass die EU auch 2030 noch eine wichtige Position in der Welt einnehmen wird. Diese Daten liefert die Studie "Revitalising the European Dream". Demnach fordert die europäische Wirtschaftselite eine konsistentere Politik und niedrigere, nachhaltigere Verschuldungsgrenzen für die EU-Staaten.

( Kurier ) Erstellt am 05.12.2011