Transport von Öl Früchten

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Regenwald
07/26/2016

Die dunkle Seite des Palmöl-Booms

Anbau zerstört Umwelt und Lebensgrundlage vieler Menschen. "Öko-Zertifikat" soll Abhilfe schaffen.

von Irmgard Kischko

Ob Kekse, Zuckerl, Fertiggerichte, Waschmittel oder Lippenstift: Beim Einkaufen ist Palmöl immer mit dabei. Und seit einigen Jahren sogar in vielen Ländern im Tank. Denn Palmöl ist ein wichtiger Rohstoff für Biodiesel. Kein Wunder, dass weltweit der Anbau von Ölpalmen, aus deren Früchten das vielseitig einsetzbare Öl gewonnen wird, regelrecht explodiert ist.

Auf gut 18 Millionen Hektar wurden im Vorjahr Ölpalmen angebaut – auf drei Mal so viel Fläche wie 1990. Mit der Einführung von Biokraftstoffen vor mehr als zehn Jahren ging der Boom so richtig los und damit aber auch die Zerstörung. Vor allem in Indonesien und Malaysia wurde und wird massenhaft Regenwald gerodet, um Land für den Anbau von Ölpalmen zu gewinnen. "Das zerstört den Lebensraum vieler Menschen und Tiere. Tiger und Orang-Utans müssen den Plantagen weichen", kritisiert der WWF.

Boykott aber sei keine Lösung. Gäbe es nämlich kein Palmöl, müsste die Lebensmittelindustrie andere Öle verwenden. Und diese verbrauchten noch viel mehr Fläche als die Ölpalmen (siehe Grafik unten). Der vergleichsweise hohe Ertrag pro Anbaufläche ist einer der Hauptvorteile von Palmöl. Dazu kommt die gute Haltbarkeit.

Fast 60 Millionen Tonnen Palmöl werden weltweit pro Jahr erzeugt – mehr als doppelt so viel wie vor zehn Jahren. Die Hälfte davon kommt aus Indonesien, der Rest von Malaysia, Thailand, Kolumbien und anderen Ländern.

Nachhaltig erzeugt

Damit der Palmöl-Boom nicht noch mehr Schäden an Umwelt und Menschen anrichtet, haben sich große Handelsketten, Lebensmittelerzeuger und Palmölproduzenten entschlossen, auf "nachhaltig produziertes Palmöl" zu setzen. Das Zertifikat, das Erzeuger und Produzenten im sogenannten Round Table for Sustainable Palmoil" (RSPO) entwickelt haben, soll die Nachhaltigkeit bestätigen. "Palmöl ist bei den Konsumenten in den vergangenen Jahren stark in Verruf geraten. Das Zertifikat aber stellt sicher, dass für den Anbau keine neuen Regenwälder gerodet wurden und dass Nachhaltigkeit entlang der gesamten Wertschöpfungskette erwiesen ist", erklärt Rudolf Pichler vom Zertifizierungsbüro Veritas in Wien.

Lebensmittelketten, aber auch Produzenten wie Ed.Haas (Pez) ließen ihre Produkte zertifizieren. Noch aber sei es nicht möglich, alle Artikel, die Palmöl enthielten, mit einem Nachhaltigkeitszertifikat zu versehen. Laut WWF entspricht nur rund ein Fünftel der weltweiten Palmölproduktion den Kriterien des Zertifikats "RSPO".

Der Preis für Kakao, dem Rohstoff für die Schokolade, hat sich seit 2011 verdoppelt. Die Löhne der Arbeiter auf den Kakao-Plantagen aber haben sich kaum verändert. Die Lebens- und Arbeitsbedingungen der Kakao-Bauern und deren Familien sind zum Teil katastrophal: Arbeit als Taglöhner und sogar Kinderarbeit sind weit verbreitet.

Die Initiative „CocoaAction“ will dies ändern. Und zwar vonseiten der Anleger, die Aktien oder Anleihen von Unternehmen kaufen, die Kakao verarbeiten. „CocoaAction ist treibende Kraft bei der Entwicklung einer Methode zur Messung von Einkommensverhältnissen von Kakaofarmern“, sagt Stefan Rößler, Investmentanalyst der Erste Asset Management.

Die Bank hat sich der Initiative angeschlossen, „weil eine Verbesserung der sozialen und Umweltbedingungen auch im Interesse der Anleger ist“, wie Rößler betont. Denn ein nach sozialen und Umweltkriterien geführtes Unternehmen entwickle sich auch finanziell gut.