Dietmar Harhoff, seit 2013 Direktor am Max-Planck-Institut für Innovation und Wettbewerb in München.

© novy gilbert

Mehr Mut zum Risiko
04/12/2014

Die Basis für unseren Wohlstand hat 100 Jahre auf dem Buckel

Österreich wird es schwer haben, seinen Technologievorsprung gegenüber Ländern wie China zu halten.

von Hermann Sileitsch-Parzer

Autos, Chemie, Maschinen, Elektrotechnik – das Rückgrat unserer Wirtschaft basiert auf Technologien, die an die 100 Jahre alt sind. „Das sind nicht die allerjüngsten Industrien, auch wenn sie sich als erstaunlich resistent erweisen“, sagt Dietmar Harhoff, seit 2007 oberster Berater der deutschen Bundesregierung für Forschung und Innovation, im Gespräch mit dem KURIER. Bei Computer- und Halbleitertechnik oder Software habe Kontinentaleuropa den Anschluss verpasst. „Da kommt es auf schnell wachsende Unternehmen an – Start-ups, die rasch Finanzierungen finden und Börsegänge schaffen.“

Geldgeber gesucht

Die globale Konkurrenz schläft nicht. So wie einst Korea oder Japan brennen jetzt China, Brasilien und Indien darauf, Innovationsnationen zu werden. Bei uns werden Wirtschaftszweige wegbrechen. „Der Wettbewerbsdruck auf die produzierende Industrie steigt unausweichlich. Deshalb ist es entscheidend, neue Wertschöpfung zu finden“ , so Harhoff. China führt seit 2011 die Patentstatistik an und hat in den letzten zehn Jahren die wissenschaftlichen Veröffentlichungen vervierfacht: „Die Qualität hat nicht ganz Schritt gehalten, aber das kommt noch.“

Bei uns mangelt es an Wagniskapital, also an Geld für junge Firmen mit radikal neuen Ideen. Genau in der Phase, wo aus den Ideen und der Forschung Produkte werden sollen, klaffe ein „Tal des Todes“. Österreich erreicht bei Wagniskapital (gemessen am Bruttoinlandsprodukt) nur 60 Prozent des EU-Durchschnitts.

Die Regierungen warnt Harhoff vor Einsparungen: „Wenn man exzellente Forscher ins Land holen will, muss man dafür etwas investieren.“ Im Kampf um kluge Köpfe komme es primär auf die Forschungsmöglichkeiten an: „Das ist Wissenschaftlern wichtiger als das Salär. Sie verzichten ohnehin auf 30 bis 40 Prozent, weil sie nicht die Industrie gehen.“ Großes Vorbild ist die Schweiz – die ETH Zürich und Lausanne sind die einzigen Spitzenunis in Kontinentaleuropa. „In der Breite“ verliere Österreich zwar Wissenschaftler ans Ausland, trotzdem mache sich das Land schlechter als es ist: 45 Prozent der heimischen Spitzenforscher, denen alle Türen in der EU offen stehen, blieben im Land, ein Teil der Deutschen komme zu uns.

Für „töricht“ hält Harhoff die ständige OECD-Forderung nach mehr Akademikern: „Gerade in der verarbeitenden Industrie entsteht Innovation da, wo kluge Facharbeiter mit Ingenieuren zusammentreffen.“ Länder mit guter Lehrlingsausbildung stünden zudem in der Krise „um Klassen besser da“.

Forschung an Hochschulen

Die Universität für Bodenkultur (Boku) Wien erhielt am Donnerstag von der B&C Privatstiftung den Houska-Forschungspreis inklusive 120.000 Euro Preisgeld. Das Team von Reingard Grabherr konnte erstmals gefährliche Schimmelpilzgifte, die Getreide verunreinigen, mit Enzymen unschädlich machen. Der Futtermittelhersteller Biomin hat daraus einen Zusatz entwickelt, der in Asien bereits erfolgreich am Markt ist. Zweiter wurde die Österreichische Akademie der Wissenschaften (Silizium- detektoren für CERN), Dritter die Montanuniversität Leoben (Messmethode für Oberflächen).

Mit insgesamt 300.000 Euro ist der Houska-Preis Österreichs größter privater Forschungspreis.

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