Wirtschaft 01.12.2016

Die Aufgaben des neuen RBI-Chefs

Johann Strobl war bisher im RBI-Vorstand für den Bereich Risiko zuständig. © Bild: APA/HANS KLAUS TECHT

Der bisherige Co-Vorstandsboss Johann Strobl führt in Zukunft das Spitzeninstitut.

Das monatelange Rätselraten, wer neuer Chef der Raiffeisen Bank International (RBI) wird, ist zu Ende. Wie es sich bereits seit einiger Zeit abgezeichnet hat, ist der bisherige Risikovorstand Johann Strobl (57) vom Aufsichtsrat dazu ernannt worden. Das teilte das Institut gestern, Mittwoch, mit. Konkret wird er im ersten Quartal des nächsten Jahres das Amt von Karl Sevelda übernehmen, sobald die Fusion der RBI mit der Raiffeisen Zentralbank (RZB) abgeschlossen ist. Der bisherige RZB-Chef Walter Rothensteiner bleibt Raiffeisen-Generalanwalt und steht dem Konzern noch einige Jahre als Konsulent zur Verfügung. Außerdem wird er u. a. Aufsichtsratschef der UNIQA bleiben.

Strobl kann auf eine jahrzehntelange Bankkarriere verweisen. Der Absolvent der Wirtschaftsuni Wien, in der er zwischen 1984 und 1988 als Assistent beschäftigt war, startete seine Laufbahn 1989 bei der Bank Austria. Dort war er zuletzt Risiko- und danach Finanzvorstand. Mitte 2007 schied der alleinerziehende Vater von drei Kindern auf eigenen Wunsch aus der Bank aus, nachdem er zu vielen Dienstreisen zur Konzernmutter UniCredit nach Mailand gezwungen war. Er wechselte zunächst als Risikovorstand zur RZB und ist seit 2010 in selber Funktion bei der RBI tätig. Zudem ist er seit 2013 deren stellvertretender Vorstandschef.

Rennpferde

Der gebürtige Burgenländer gilt als äußerst gewissenhaft. Sein größtes Hobby ist die Zucht von Rennpferden, die auf einem Gestüt nahe seines Wohnsitzes in Mattersburg untergebracht sind.

Strobls rationale Art, seine große Umsicht sowie der Bedacht auf Risiken kommen dem fusionierten Institut, dessen künftiger Name noch nicht feststeht, in seiner jetzigen Lage sicher zu Gute. Denn die RBI, die in 14 Märkten Ost- und Zentraleuropas tätig ist, steht vor großen Herausforderungen. Die Fusion der Holding RZB mit der Tochter ist nur der formale Beginn der Neuaufstellung. Diese Aufgaben warten auf Strobl:

Eigenkapital stärken

Beim letzten Bankenstresstest schnitt die überprüfte RZB hinsichtlich ihres Kernkapitals schlecht ab. Durch die Fusion wird künftig zwar die neue RBI gestresst, die eine höhere Kernkapitalquote aufweist (ein wesentlicher Indikator, wie sehr eine Bank im Krisenfall überlebensfähig ist). Jedoch ist die Quote im Durchschnitt beider Banken geringer als bisher bei der RBI alleine (siehe Grafik). Bis Ende 2017 sollen es mindestens zwölf Prozent sein – ein ehrgeiziges Ziel.

Osttöchter reformieren

Die Zeit der hoch ambitionierten Expansion ist lange vorbei. Nun wird redimensioniert. Was sich gar nicht rechnet, wird abgestoßen (etwa die Polbank in Polen), bereits gefasste Beschlüsse muss Strobl umsetzen. In anderen Ländern ist eine Neustrukturierung erforderlich. Selektive Zukäufe werden aber nicht ausgeschlossen.

Sektorstruktur anpassen

An der neuen RBI als Spitzeninstitut des Raiffeisen-Sektors halten auch weiterhin die Landesbanken die Mehrheit. Synergien könnten gehoben und Kosten gesenkt werden, wenn die einzelnen RLB sich dazu entschließen, Tätigkeiten zu bündeln, etwa in der IT. Laut Rothensteiner muss künftig nicht jede Landesbank alles machen. Eine große Konsolidierung werde aber nicht geprüft, auch wenn es Gedankenspiele dazu gebe. Strobls Durchsetzungskraft wird wohl auch daran gemessen, wie weit er hier auf die RLB positiv einwirken kann.Gewinn ausschüttenDie Landesbanken, aber auch der Streubesitz, erwarten nach dem Ausfall der Dividende 2014 und 2015 wieder dauerhaft Gewinnausschüttungen. Ob es diese für heuer schon gibt, ist fraglich. Zwar wurde bis zum dritten Quartal ein Gewinn von 394 Mio. Euro erzielt. Doch das Kernkapital muss ja aufgestockt werden.

( kurier.at ) Erstellt am 01.12.2016