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Wirtschaft
09/17/2012

Deutschland: Erstmals ist Mehrheit gegen den Euro

Rascher Meinungsumschwung: Zwei Drittel trauern der D-Mark nach, 49 Prozent meinen nun, ohne EU ginge es besser.

Drei Jahre Staatsschulden-Krise lassen in einem Kernland der EU die Stimmung kippen: Erstmals äußert sich eine Mehrheit der Deutschen in einer repräsentativen Umfrage skeptisch zu mehr EU und dem Euro. In einer Umfrage der Bertelsmann-Stiftung meinten 49 Prozent, ohne die EU ginge es ihnen heute besser. 65 Prozent fanden sogar, dass ihre persönliche Lebenssituation mit der D-Mark heute besser wäre.

Damit zeigt sich, dass die deutschen Steuerzahler inzwischen realisieren, dass sie die Hauptlast für die Versäumnisse der Südländer in der Eurozone tragen. Die zunehmende Entfremdung der Deutschen von der EU rührt auch daher, dass ihnen ihre Elite die Opfer ohne demokratische Alternative in Wahlen oder Volksabstimmungen aufbürdet: "Die europäische Integration hat den Bürger zumeist als Konsumenten und nicht als Souverän betrachtet", resümierte der Vorstandschef der Bertelsmann-Stiftung Aart De Geus, "psychologisch und politisch wird es ausschlaggebend sein, sie dagegen in die Rolle des Entscheiders zu bringen."

Der Stimmungsumschwung ist in Deutschland am klarsten: Hier sehen nur mehr 21 Prozent die Vorteile der gemeinsamen Währung überwiegen. In Frankreich tun das laut Bertelsmann-Umfrage noch 53 Prozent. Zumindest in Deutschland hat der Euro damit seine von der Politik immer wieder behauptete Rolle als Symbol des europäischen Friedensstifters verloren und droht zum Gegenteil zu werden.

Bundesbank

Ein Mitgrund ist die immer sichtbarere Hilflosigkeit der Bundesbank, die den Deutschen neben dem Verfassungsgericht bisher als vertrauenswürdigste staatliche Institution galt.

Bundesbank-Chef Jens Weidmann hatte die Ankündigung des italienischen Chefs der Europäischen Zentralbank, Mario Draghi, unbeschränkt Staatsanleihen hochverschuldeter Euro-Länder aufzukaufen, öffentlich kritisiert.

Dafür hat Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) wiederum Weidmann am Wochenende als erstes deutsches Regierungsmitglied gerüffelt. Schäuble stellte sich damit klar gegen die Bundesbank, die in Draghis Politik einen europäischen Vertragsbruch durch indirekte Staatsfinanzierung mittels Gelddrucken nach früherem italienischem Muster befürchtet.

Bundeskanzlerin Merkel versuchte zwar am Montag in ihrer Pressekonferenz diesen Eindruck Schäubles zu verwischen und lobte Weidmanns Haltung. Zugleich aber vermied sie sorgfältig jede Kritik an Draghis Begründung mit der Erhaltung des Geldwerts des Euro, die der Mehrheit der EZB-Kritiker nur als vorgeschoben gilt.

Der Würdigung der 40-jährigen Polit-Karriere Schäubles durch die politische Klasse bei der öffentlichen Feier zu seinem 70. Geburtstag am Dienstag steht damit nichts entgegen. Nur das Misstrauen der Bürger gegen seine Rolle und die Merkels bei noch mehr EU und Euro-Rettung vor allem auf ihre Kosten wächst offenbar weiter.

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