Wirtschaft
30.11.2017

Warnung vor Totalverlust bei Bitcoin und Co.

Die deutsche Finanzaufsicht Bafin spricht von "Spekulanten und windigen Geschäftemachern", die sich am Markt der mittlerweile mehr als 1.000 Kryptowährungen tummeln. Erste-Chef Treichl erwartet irgendwann "Stopp".

Die Finanzaufsicht Bafin beobachtet den jüngsten rasanten Kursanstieg der Digitalwährung Bitcoin mit Skepsis. In Zeiten niedriger Zinsen seien Anleger eher bereit, Risiken einzugehen, sagte die Chefin der Wertpapieraufsicht der Bafin, Elisabeth Roegele am Donnerstag in Frankfurt. Nicht jede Kryptowährung werde sich jedoch am Markt durchsetzen. Im Zweifelsfall drohe Anlegern ein Totalverlust.

Die Aufseherin warnte: "Es tummeln sich auch Spekulanten und windige Geschäftemacher am Markt." Das trage zu massiven Kursschwankungen von Kryptowährungen bei, zehn Prozent an einem Tag seien keine Seltenheit.

Die Digitalwährung Bitcoin hatte in den vergangenen Tagen eine Rekordjagd hingelegt und ihren Wert im Vergleich zum Jahresbeginn verzehnfacht. Am Mittwoch war der Kurs für eine Einheit der Digitalwährung an großen Handelsbörsen wie Bitstamp oder Coinbase zeitweise über die Marke von 11.000 US-Dollar gestiegen.

Der Bitcoin ist der bekannteste Vertreter von Digitalwährungen, auch Kryptowährungen genannt. Von diesen soll es mittlerweile mehr als 1.000 geben.

Insider: Nasdaq plant ebenfalls Bitcoin-Future

Der Bitcoin-Hype ruft einstweilen noch die großen Börsenbetreiber auf den Plan: Neben der weltgrößten Terminbörse CME will Insidern zufolge auch der Konkurrent Nasdaq einen Future auf die Cyber-Devise auflegen. Die Einführung sei für 2018 geplant. Die CME will mit ihrem Kontrakt bereits im Dezember starten. Ihre Rivalin CBOE arbeitet an ähnlichen Plänen.

Die US-Börsenaufsicht muss die Einführung neuer Futures genehmigen. Im Frühjahr hatte sie den Antrag auf einen börsennotierten Bitcoin-Fonds (ETF) noch abgeschmettert.

Mit Futures können Anleger auf steigende und fallende Kurse wetten. Die Pläne der CME sind ein Grund für die aktuelle Bitcoin-Rally.

Treichl: Irgendwann sagt jemand "Stopp"

Andreas Treichl, Chef der Erste Group und laut Bloomberg Europas längstdienender Bankchef, hält hingegen wenig von der Kryptowährung. Zentralbanken werden Bitcoin stoppen, wenn sie das Gefühl haben, dass sie die Kontrolle darüber verlieren, erwartet Treichl. Irgendwann, bei einem Kurs von vielleicht 20.000 oder 30.000 Euro, werde jemand "stopp" sagen, sagte Treichl in Bloomberg-TV.

Dabei stehe er unter Druck seiner Kinder. Diese hielten ihn für "wirklich blöd" in Bezug auf Kryptowährungen. "Sie glauben, sie hätten eine Menge Geld verdienen können und ich habe ihnen nicht erlaubt, zu investieren", sagt Treichl.

Bundesbank: Auf absehbare Zeit kein "digitaler Euro"

Die Deutsche Bundesbank rechnet nicht mit einer raschen Einführung eines digitalen Zentralbankgelds ähnlich der Kryptowährung Bitcoin im Euroraum.

Von digitalem "Bargeld" könnten erhebliche Konsequenzen für das Finanzsystem und die Finanzstabilität ausgehen, die aus heutiger Sicht nicht abschätzbar seien, sagte Bundesbank-Vorstand Carl-Ludwig Thiele am Donnerstag auf einer Veranstaltung in Berlin laut Redetext. "Deshalb ist die Emission digitalen Zentralbankgeldes aus unserer Sicht in einem vorhersehbaren Zeitraum keine realistische Option." Thiele ist im Bundesbank-Vorstand unter anderem für Zahlungsverkehr zuständig.

Viele Zentralbanken beschäftigen sich momentan mit der Technologie, die hinter diesen digitalen Währungen steht. Die schwedische Zentralbank arbeitet beispielsweise an der digitalen e-Krona. Thiele zufolge spielt dabei eine Rolle, dass in Schweden echtes Bargeld in Form der Krone kaum noch akzeptiert wird. "Diese Erfahrung machen wir in Deutschland und auch im Euroraum nicht." Die EZB hatte in der vergangenen Woche eine Studie veröffentlicht, nach der in der Eurozone immer noch vier von fünf Einkäufen bar bezahlt werden.