Wirtschaft
05.12.2017

Deutsche Energiewende bedrängt Österreich

Österreich lebt gut von billigen deutschen Stromüberschüssen. Das bleibt nicht mehr lange so.

Der massive Ausbau von Wind- und Sonnenenergie hat Deutschland zu einem großen Stromexporteur gemacht und den Großhandels-Strompreis deutlich gedrückt. Österreich hat diese Entwicklung mit Freude gesehen: 15 Prozent des Jahresverbrauchs an Strom werden inzwischen importiert – großteils aus Deutschland und das zu tiefen Preisen.

Dieses Strom-Eldorado für Österreich nähert sich allmählich seinem Ende. Erstens wird ab Herbst 2018 eine künstliche Verknappung der Leitungen an der deutsch-österreichischen Grenze eingeführt. Das dürfte Strom in Österreich um rund vier Prozent verteuern. Und zweitens wird das Fortschreiten der Energiewende in Deutschland zu geringeren Stromüberschüssen führen.

"2022 werden die letzten Atomkraftwerke vom Netz genommen. Und dann werden allmählich auch die Braunkohlekraftwerke auslaufen", ist der deutsche Energieexperte Craig Morris überzeugt. Gleichzeitig führen die heuer eingeführten Ausschreibungen für neue Ökostromanlagen zu einer Verlangsamung des Ausbaus der erneuerbaren Energien.

Steckengeblieben

Für Stefan Moidl, Geschäftsführer der IG Windkraft, ist daher klar, dass Österreich beim Ausbau des Ökostroms aufs Tempo drücken müsse. "Wir stecken seit Jahren bei 70 Prozent Strom aus erneuerbaren Quellen fest. Da ändert sich nichts", betont er. Baue Österreich aber nicht rascher aus, laufe es mangels reichlich vorhandener Importquellen in eine Engpass-Situation, warnt Moidl. Das könnte Strom zusätzlich verteuern.

Für den Energieexperten Morris steht außer Frage, dass Deutschland die Energiewende fortsetze. Vorwürfe, wonach der Ökostromausbau zu keiner Reduktion desCO2-Ausstoßes geführt habe, lässt er nicht gelten. "Seit 2007 sind die Emissionen von Kohlendioxid um 14 Prozent gesunken", betont Morris. Ein Anstieg ergebe sich nur, wenn man ab 2009 rechne. In diesem Jahr habe es wegen der Wirtschaftskrise aber außergewöhnlich niedrigen Emissionen gegeben.