Vorstandchef John Cryan (l.), Aufsichtsratschef Paul Achleitner

© REUTERS/KAI PFAFFENBACH

Milliardenstrafe droht
09/28/2016

Deutsche Bank: Ein Festtag ohne Feierlaune

Dementi-Stakkato bei der kriselnden Paradebank: Keine Staatshilfe, kein Notfallplan, keine Kapitalerhöhung.

von Hermann Sileitsch-Parzer

Den "Runden" hätte sich Paul Achleitner wohl anders erträumt: Am Mittwoch wurde der aus Linz stammende Aufsichtsratschef der Deutsche Bank 60 Jahre alt. Just am selben Tag musste der von ihm als Sanierer geholte Bankchef John Cryan via Bild dementieren, dass Deutschlands Paradeinstitut auf Staatshilfe angewiesen sein könnte.

Und, quasi als Zuckerguss auf der Torte, machten auch noch Gerüchte die Runde, wonach in Berlin schon Notfallpläne entworfen würden. "Diese Meldung ist falsch. Die Bundesregierung bereitet keine Rettungspläne vor", betonte eine Sprecherin des Finanzministeriums. Allerdings haben systemische Banken bei den Aufsehern ohnehin schon (geheime) "Testamente", also Zerschlagungspläne für Notfälle, hinterlegt.

12,5-Milliarden-Euro-Forderung

Die Nervosität ist beträchtlich. Vor zwei Wochen wurde bekannt, dass das US-Justizministerium von den Deutschbankern umgerechnet 12,5 Mrd. Euro Schadenersatz will – und zwar für Hypothekengeschäfte aus den Jahren 2005 bis 2007, bei denen Investoren in die Irre geführt wurden. Bei dieser Maximalforderung wird es wohl nicht bleiben, die Bank geht von einem viel geringeren Betrag aus. Sie hat 5,5 Mrd. Euro für Streitfälle zurückgelegt. Das muss aber auch noch für ein Bündel weiterer Prozessrisiken reichen.

Die Vergleichsverhandlungen in den USA sind ein Poker mit ungewissem Ausgang. "Wir können schlicht nicht einschätzen, was realistisch ist. Diese Unsicherheit ist Gift für die Kapitalmärkte", sagt Hans-Peter Burghof von der Universität Hohenheim zum KURIER. Die Aktie, die am Vortag auf das Rekordtief von 10,18 Euro gefallen war, erholte sich am Mittwoch zumindest etwas.

"Destruktive Politik"

Eine Orientierung, wie teuer es werden könnte, geben bereits abgeschlossene Vergleiche mit US-Instituten. Bank of America musste für schiefgelaufene Immobilienkredite umgerechnet 14,8 Mrd. Euro zahlen und JP Morgan kostete das 11,6 Mrd. Euro. Allerdings sei das US-Rechtssystem insbesondere für Ausländer unkalkulierbar, sagt Burghof.

Er hielte es für fatal zu signalisieren, dass am Ende ohnehin der deutsche Staat gerade steht: "Dann können wir den USA gleich 10 Milliarden schenken." Die Bank müsse die Probleme alleine lösen. "Und den Amerikanern muss klar sein, dass sie womöglich die Stabilität des Finanzsystems gefährden", sagt Burghof. Er glaubt, dass die Bank ungefähr die Hälfte des Maximalbetrages stemmen könnte.

Die Frage einer Kapitalerhöhung stelle sich derzeit nicht, erklärte Cryan. Immerhin durfte die Bank am Mittwoch einen kleinen Erfolg feiern: Der Verkauf des britischen Versicherers Abbey Life an den Mitbewerber Phoenix Group spült 1,1 Mrd. Euro herein und erhöht das Eigenkapital um 0,1 Prozentpunkte. In die Bilanz reißt es trotzdem ein 800-Millionen-Loch, weil der Buchwert höher angesetzt war. Der Deutsche-Umbau sieht noch den Verkauf der Postbank und Abbau von 9000 Stellen vor.

Burghof verlangt unterdessen auch ein Umdenken der "destruktiven Politik": Die Regulierung müsse darauf abzielen, Banken zu stärken, nicht zu schwächen. Und die EZB solle eine Perspektive für höhere Zinsen bieten. "Bleiben diese noch zehn Jahre so niedrig, können auch die Sparkassen und alle anderen Kommerzbanken nicht mehr existieren."

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