Wirtschaft
13.07.2017

Bahn steuert im Güterverkehr auf Wachstum um

Man wolle jetzt den Rückenwind durch die steigende Nachfrage und den sogenannten "Masterplan Schienengüterverkehr" nutzen.

Die Deutsche Bahn will nach Angaben der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) wieder mehr in den Schienengüterverkehr investieren. Die Tochter DB Cargo plane den Kauf zusätzlicher Lokomotiven und Güterwaggons, teilte der EVG-Vorsitzende Alexander Kirchner am Donnerstag nach einer Aufsichtsratssitzung der Firma mit. Außerdem sei die Neueinstellung von "mehreren Hundert" Mitarbeitern geplant.

Man wolle jetzt den Rückenwind durch die steigende Nachfrage und den sogenannten "Masterplan Schienengüterverkehr" nutzen. In diesem Plan der Regierung ist unter anderem eine Senkung der Trassengebühren verankert, die die Branche jährlich um 350 Mio. Euro entlasten soll. Die Gewerkschaft EVG sprach von einem Erfolg ihres Drucks: Der Kauf von Loks und Waggons sei ein überfälliger Schritt. Auch die Einstellung mehrerer Hundert Mitarbeiter habe man lange gefordert.

DB Cargo hatte Verluste eingefahren

Die Güterbahn will rund 4.000 Güterwagen und 60 Loks kaufen. Ferner seien bis zu 700 Neueinstellungen vorgesehen, hieß es. Der Plan müsse aber noch vom Konzern-Aufsichtsrat in einer Sondersitzung am Donnerstag kommender Woche gebilligt werden. Die DB nahm zu diesen Zahlen keine Stellung. Ein Konzernsprecher verwies auf den derzeitigen Umbau von DB Cargo. Das Unternehmen wachse "erstmals seit fünf Jahren und stabilisiert seine Marktanteile". In dieser Situation werde man "natürlich kein operatives Personal reduzieren, sondern vielmehr zusätzliche Ressourcen bei der Transportkapazität wie auch beim dafür benötigten Personal schaffen". Darüber werde man "in Kürze" informieren.

DB Cargo hatte 2015 und 2016 Verluste eingefahren. Der Marktanteil im Schienengüterverkehr sank 2016 auf 59 Prozent nach 61 Prozent im Jahr zuvor. Ein Sanierungsprogramm sah zuletzt den Wegfall von gut 1.900 Stellen bis zum Jahr 2021 vor. Bis Ende 2018 sollte die Güterbahn wieder profitabel werden. Die Bundesregierung will nun die Trassenpreise im Güterverkehr im kommenden Jahr halbieren. Das brächte DB Cargo und ihren Konkurrenten eine Kostenentlastung von 350 Mio. Euro.

Wachstum als Strategie

Kirchner sagte zu der neuen Entwicklung: "Wir haben immer Wachstum und nicht Stagnation als Strategie gefordert, dem trägt der Vorstand von DB Cargo nun endlich Rechnung." Anlass sei die angekündigte Halbierung der Trassenpreise. Dadurch werde der Güterverkehr auf der Schiene "wieder ein Stück wettbewerbsfähiger".

Zuletzt hatte DB Cargo wegen großer Nachfrage bei Stahltransporten Probleme, alle Aufträge zu bewältigen. Kirchner bemerkte dazu: "Es kann nicht sein, dass Züge stehenbleiben, weil es an Mitarbeitern oder rollendem Material fehlt und Kundenaufträge deshalb abgelehnt werden müssen."