Boten sind dieser Tage im Dauerstress und stets willkommen. Denn Kunden bestellen Weihnachtsgeschenke immer häufiger in letzter Sekunde. Beim Liefern wird es dann eng.

© KURIER/Gerhard Deutsch

Packerl am letzten Drücker
12/23/2014

Der Zusteller als Christkindl

Last-minute-Bestellungen boomen. Boten stellen auch am 24. Dezember zu.

von Michael Berger

Weihnachtspackerln in letzter Sekunde – ein Trend, der von Jahr zu Jahr stärker in Mode kommt. Denn Online-Bestellungen sind im Millionengeschäft rund um das Christkindl der Umsatzbringer. Kunden lieben es, quasi am letzten Drücker für Familie und Freunde noch schnell Geschenke zu ordern. Paketzusteller sind dieser Tage daher im Dauerstress und brauchen Nerven wie Drahtseile.

"Heute werden es an die Hundert Pakete sein, die zu bringen sind. Bei dem Verkehr und der Hektik auf den Straßen eine Herausforderung. Konzentriert bleiben lautet die Devise", zeigt sich Veloce-Fahrradbote Red, so sein Spitzname, Montagfrüh zum Start der Tour noch entspannt. Nachsatz: "Am Ende des Tages bist du geschafft."

80 Kilometer durch Wien lagen um acht Uhr morgens noch vor ihm. Der KURIER begleitete den jungen Fahrrad-Boten bei den ersten Fahrten. Damit die Feststimmung trotz Frühlingstemperaturen nicht zu kurz kommt, setzte sich Red kurzerhand eine Weihnachtsmann-Mütze auf. Das wirkte. Denn jeder Empfänger hatte beim Anblick des sympathisch Zustellers ein Lächeln ins Gesicht gezaubert. "Danke, das ist ja entzückend. Wir haben schon gewartet. Jetzt ist alles im grünen Bereich", freute sich etwa Melinda Mikoczy, Marketing-Chefin der Unternehmensberatung Deloitte in der Wiener City.

Kaum noch Trinkgeld

Mit den besten Wünschen im Rucksack schwang sich Zusteller Red auf sein Elektro-Bike und radelte mit Batterie-Unterstützung zur nächsten Adresse. Eine rüstige Seniorin in der Nähe der Freyung wartete bereits händeringend auf die Packerln eines Online-Riesen.

"Junger Mann, das ist ja nett. Ich reise morgen zu meiner Familie nach Tirol. Ohne die Geschenke wäre das eine Blamage gewesen", atmete Frau Gertrude Mospointner durch. Auf die Frage, was denn in den Paketen drinnen wäre, antwortete die Pensionistin schlagfertig: "Das sag’ ich nicht. Denn wenn meine Leute den Artikel lesen, wissen’s ja, was das Christkind bringt." Schnell holte die Dame ihr Portemonnaie und steckte Red einen Zehner zu. "Das Trinkgeld wird weniger. Und bei Firmen-Zustellungen gibt’s überhaupt keine Maut mehr", bestätigt Red den generellen Sparkurs. "Trotzdem arbeiten wir auch noch am Heiligen Abend."

Neu im Geschäft ist Secgin Aytar, Zusteller bei DHL. Der Global Player greift auf das größte Netzwerk im internationalen Versand zurück. Das Auftragsvolumen steigt über Weihnachten um 20 Prozent (Details unten).

Der türkischstämmige Zusteller quält sich mit einem fünf Meter langen Transporter durch das Gasslwerk: "Auto fahren lernst du bei dem Job. Und heute muss ich bis 17 Uhr 109 Sendungen abliefern." So auch bei Familie Zednik in Wien-Mariahilf. Das Paket ist ramponiert, wird aber von Frau Zednik mit größter Freude entgegengenommen: "Eine Woche warten ist lange. Jetzt geht sich aber alles aus."

Zeitdruck und Parkplatznot nagen an den Nerven: "Und wenn Kunden schlecht aufgelegt sind, weil sie einige Tage auf die Sendungen warten mussten, dann muss man eben gelassen bleiben."

Stress bei der Post

Über extremen Weihnachtsstress klagten Montag auch die Mitarbeiter des Postverteil-Zentrum in Wals (Salzburg). Denn die neue Briefsortier-Maschine läuft um 25 Prozent schneller. Jetzt gibt es so viele Krankenstände, dass die Maschine nicht bedient werden kann.

Post Bei der Post, die an einem „normalen“ Tag rund 250.000 Pakete zustellt, beginnt der Weihnachtsstress im November. Die Tagesmenge steigt auf bis zu 400.000 an. Heuer stellte die Post einen Weihnachtsrekord auf, an einem Dezembertag beförderte sie 469.879 Pakete.

DHL Der internationale Spezialist für Express-Sendungen gibt Transportzahlen nicht bekannt. In 220 Ländern und auf 120.000 Destinationen werden Waren zugestellt. Im Weihnachtstrubel steigen die Aufträge um 20 Prozent. 45 Prozent der Pakete sind für private Empfänger.

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